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Gehen in Lückendorf bald die Lichter aus?

Mit der Idee einer "Sternguckernacht" will ein Lückendorfer mehr Touristen in den Gebirgsort locken. Dafür allerdings müsste es stockfinster werden.

© Matthias Weber/photoweber.de

Harald Lucke liebt das Sternegucken. Doch eins stört ihn beim Betrachten des nächtlichen Firmaments: die Straßenbeleuchtung. Denn nur, wenn es wirklich stockdunkel ist, kann er den Nachthimmel auch in seiner vollen Schönheit genießen. Könnte man die Straßenlaternen nicht einfach ausknipsen? Da kommt dem Lückendorfer doch eine Idee.

Und die schlägt er auch gleich im Gemeinderat vor: Wie wäre es denn, den Sommer über die nächtliche Straßenbeleuchtung im Oybiner Ortsteil einfach abzuschalten? Oder wenn schon nicht den ganzen Sommer über, dann wenigstens an einem Tag in der Woche? Oder an einem Tag im Jahr? Dann nämlich könnten nicht nur die Lückendorfer selbst besser in die Sterne gucken, sondern auch viele Touristen zur "Sternguckernacht" in den Ort gelockt werden.

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Und Bürgermeister Tobias Steiner (SPD) ist auch nicht ganz abgeneigt: "Die Idee hat was", meint er. Es sei auf der einen Seite ein guter Vorschlag, man wolle den Touristen ja auch immer wieder etwas Neues bieten. Aber ein Problem sieht der Bürgermeister doch: "Auf der anderen Seite würden wir den Einwohnern mit dem ausgeschalteten Licht auch ein großes Stück Sicherheit nehmen".

Genau das ist auch für Gemeinderat Thomas Wintzen das Problem: Er sieht der Kriminalität Tür und Tor geöffnet, wenn nachts kein Licht brennt. "Die Diebe sind ohnehin schon oft in Lückendorf unterwegs", erklärt der Handwerksmeister, der selbst in Lückendorf wohnt.

Die Zahlen aus der Polizeistatistik könnten Wintzen recht geben: Allein im letzten Jahr wurden in der Gemeinde Oybin 28 Eigentumsdelikte erfasst. 2019 waren es 21 Fälle, bestätigt Kai Siebenäuger von der Polizei in Görlitz. Für dieses Jahr sieht es besser aus. Man könne nach den bisherigen Zahlen von einem Belastungsrückgang ausgehen, sagt der Sprecher.

Könnten LED-Lampen eine Lösung sein?

Harald Lucke sieht das Problem etwas anders: "Die Diebe kommen doch jetzt schon, auch tagsüber und wenn die Straßenlaternen abends brennen", sagt er. "Die Kriminalitätsrate hat also nicht zwingend etwas mit dem Licht zu tun." Und der 68-Jährige wüsste außerdem auch für dieses Problem eine Lösung: LED-Lampen, die ihr Licht nicht so breit streuen, wären für ihn eine Möglichkeit. "Damit würde man nebenbei auch noch Energiekosten verringern", findet der Rentner.

Ganz so einfach, wie Harald Lucke sich das vorstellt, ist aber auch das nicht. "So etwas bedarf einer längeren Planung", erklärt Bürgermeister Steiner. "Allein das Auswechseln der Beleuchtung würde eine Menge Geld kosten, auch die Blaulichtanteile im LED-Licht könnten ein Problem werden." Man müsste also vorher erst viele Faktoren prüfen, erklärt er.

Auch Thomas Wintzen hat prinzipiell nichts gegen die Idee der Sternguckernacht. Dafür müsste man aber nicht zwingend das Licht ausschalten, findet er. "Es gibt doch auch viele unbeleuchtete Ecken in Lückendorf", merkt er an. Torsten Grundmann, Inhaber der Hochwaldbaude in Oybin, schlägt vor, dass man bei ihm oben auf dem Berg die Sterne viel besser beobachten könne als unten im Dorf. "Zu mir kommen jedes Jahr die Mitglieder des Astroclub aus Radebeul", sagt er. Wenn die Gemeinde so etwas vorhabe, stehe er auf dem Hochwald gerne zur Verfügung.

Die Idee einer Sternguckernacht ist nicht neu

Luckes Idee ist übrigens nicht neu. Schon 2009 hatte man im Isergebirge ein ähnliches Vorhaben. Eine 70 Quadratkilometer große Fläche sollte damals als "Schutzzone der Nachtdunkelheit" dunkel bleiben. Zbigniew Kaminski, Forstexperte in Bad Flinsberg, wollte damit den Naturschutz mit einem intensiveren Erleben des Sternenhimmels verbinden. "Es gibt in der modernen Welt auch Umweltverschmutzung durch zu viel künstliches Licht in der Nacht", begründete er die Idee.

Ein so großes Projekt wird Harald Lucke allein wohl nicht verwirklichen können. Doch könnte seine Idee "durchaus aufgegriffen werden", wie Bürgermeister Tobias Steiner findet. Einen Anreiz für neue Ideen bringt sein Vorschlag aber allemal.

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