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Gipfeltreffen auf dem Striezelmarkt

Das Nürnberger Christkind zu Besuch beim Dresdner Stollenmädchen: eine Begenung auf Augenhöhe. Dann kam Dresdens Oberbürgermeister.

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Stollenmädchen und Import-Christkind schmücken schon das Bäumchen fürs Foto.
Stollenmädchen und Import-Christkind schmücken schon das Bäumchen fürs Foto. © Ronald Bonß

Von einem weltbekannten Weihnachtsmarkt zum nächsten: Trotz Staus auf der Autobahn hat das Nürnberger Christkind am Sonnabendnachmittag noch rechtzeitig den Dresdner Striezelmarkt erreicht. Rebecca Ammon, die für zwei Jahre in das weiß-goldfarbene Kostüm schlüpft und sich die blond gelockte Perücke aufsetzt, betrat um 14 Uhr die Weihnachtsbäckerei auf dem Altmarkt. 

Sie traf erstmals ihr Dresdner Pendant, das Stollenmädchen Lina Trepte. Die beiden 18-Jährigen schlenderten im Regen zum Schwibbogen, ließen sich mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und vielen anderen Besuchern fotografieren, bevor sie schließlich zusammen einen Tannenbaum mit Nürnberger Rauschgoldengeln und Lauschaer Glaskugeln schmückten. Der Baum wird dem Universitätsklinikum gespendet.

Das Christkind eröffnet nicht nur den Nürnberger Christkindlesmarkt, es reist auch in die USA. Das „Christmas Village in Philadelphia“, das 2008 nach dem Nürnberger Vorbild entstand, wird vom jeweiligen Vorjahreschristkind auf Englisch eröffnet. Danach besucht es den neuen Weihnachtsmarkt in Baltimore. Seit 1969 wird das fränkische Christkind alle zwei Jahre gewählt. 

Übrigens hat auch die Weihnachtsstadt Dresden in Nürnberg kräftig für sich geworben: Der Schutzverband Dresdner Stollen hatte bereits Mitte Dezember eine große Plakataktion in der fränkischen Hauptstadt gestartet. „Der wahre Weihnachtsgenuss ist nur 315 Kilometer entfernt“, hieß es zum Beispiel. Zu sehen waren das Dresdner Traditionsgebäck, das Stollenmädchen und die Frauenkirche.

Das Dresdner Christbaum-Schmücken besitzt mittlerweile auch schon Tradition und bietet auch sozialen Anliegen eine Bühne auf dem Striezelmarkt. Bevor sich die teilnehmenden Teams am Samstagnachmittag in die Nadeln stürzen, haben sie bereit eine Patenschaft für eine karitative Einrichtung übernommen oder spenden ihr Werk einer bedürftigen Familie. 

Die sechs Mannschaften erhalten den nackten Baum im Ständer und können sich dann kreativ austoben: Kugeln oder keine, Süßigkeiten für die vollschlanke Linie oder doch lieber puristischen Holzschmuck für kontemplative Momente? Zum Schluss heißt es dann wieder: Früher war mehr Lametta. 

Nach dem Hängen und Würgen, so mancher Ast wird sich als pieksender Querulant erweisen und wehren gegen die filigrane Zierde, wählen die Händler des Marktes das am schönsten geschmückte Christbäumchen. 

Ihre Entscheidung verkünden sie gegen 17 Uhr auf der Bühne. Das Gewinnerteam erhält einen Scheck über 500 Euro, der an die entsprechende soziale Einrichtung geht. Alle sechs kreativ geschmückten Bäumchen werden an Krankenhäuser, Kinderheime oder Familien übergeben. (SZ/stb)

Das Stollenmädchen reichte zur Stärkung noch etwas Gebäck und das Christkind versuchte auf fremden Terrain mit wiederholter Geste die Regentropfen in weiße Flöckchen zu verwandeln. Dank der dezenten Krone überragte es sogar OB Dirk Hilbert. 
Das Stollenmädchen reichte zur Stärkung noch etwas Gebäck und das Christkind versuchte auf fremden Terrain mit wiederholter Geste die Regentropfen in weiße Flöckchen zu verwandeln. Dank der dezenten Krone überragte es sogar OB Dirk Hilbert.  © Marion Doering