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Paintballhalle im Visier

Rechtsextreme Szene von Bautzen soll sich regelmäßig an der Wilthener Straße treffen. Der Betreiber widerspricht.

© Uwe Soeder

Madeleine Arndt

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Bautzen. Bautzen steht im Fokus des sächsischen Verfassungsschutzes. Seit einem Jahr hat die Behörde einen Treff der rechten Szene in der Stadt ausgemacht. Das geht aus einer Kleinen Anfrage hervor, die die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz (Die Linke) an das Sächsische Innenministerium gestellt hat. Innenminister Markus Ulbig (CDU) räumte daraufhin in einer schriftlichen Antwort ein, dass auch im Jahr 2015 diverse Objekte im Freistaat von Rechtsextremisten für deren Veranstaltungen und Treffen genutzt wurden. Für die Aufgabenerfüllung des Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) Sachsen seien dabei 28 Immobilien von besonderer Relevanz gewesen. In der Auflistung der Immobilien befindet sich auch ein Objekt in der Stadt Bautzen.

Regelkatalog an der Eingangstür

Um welches Gebäude es sich genau handelt, das konkretisierte Oberbürgermeister Alexander Ahrens (parteilos) beim jüngsten Stadtrat. „Es gibt einen festen Treffpunkt der rechten Szene in der Paintballhalle auf der Wilthener Straße 44“, erklärte Ahrens. Von dort aus würden auch kleine Patrouillen durch die Stadt ziehen, um Randale und Ärger zu machen. Der Oberbürgermeister beruft sich diesbezüglich auf mehrere Quellen. „Das sind Entwicklungen, die ich ausgesprochen bedenklich finde“, erklärte er außerdem.

Auf dem Gewerbegebiet an der Wilthener Straße 44 deutet augenscheinlich nichts auf einen Nazi-Treffpunkt hin. In die Paintballhalle kommen vor allem am Wochenende Spielergruppen, um sich auf einem Parcours mittels Druckluftmarkierern und Farbpatronen gegenseitig zu beschießen. An der Eingangstür der Halle hängt ein Zettel mit einem Regelkatalog, der die Teilnehmer des Live-Actionspiels instruiert. Da wird unter anderem darauf hingewiesen, dass das Verwenden von militärischer Kleidung und Symbolen verboten ist. Außerdem müssen die Spieler mindestens 18 Jahre alt sein. Weiterhin ist das Verwenden roter Farbkugeln tabu.

Gespräch mit dem OB geplant

Torsten Schönfeld, der Eigentümer der Paintballhalle und des Gewerbegebiets an der Wilthener Straße 44, weist die Feststellung, dass sich auf dem Gelände Rechtsextremisten aufhalten würden, zurück. „Das kann sich keiner von unseren Mietern vorstellen. Das sind alles Spekulationen“, sagt Schönfeld, der jetzt fürchtet, Mieter und Kundschaft einzubüßen. Die Spieler kommen in seine Paintballhalle, um „in geordneten Bahnen die Sau rauszulassen“. Sie stammen laut Schönfeld aus allen Schichten der Bevölkerung: Sei es der Maurer, der Sparkassenangestellte oder der Bundespolizist. „Wenn Gruppen von mir aus durch die Stadt ziehen, dann sind das Junggesellenabschiede“, sagt der Betreiber der Paintballhalle.

Das sieht der sächsische Verfassungsschutz anders. „Das Objekt in Bautzen, Wilthener Straße 44, wurde durch die rechtsextremistische Szene von Bautzen genutzt“, teilte Martin Döring, Leiter der Stabsstelle des LfV, auf SZ-Nachfrage mit. Kenntnisse von Gewalt- und Straftaten ausgehend von dem Objekt liegen jedoch dem Verfassungsschutz nicht vor. Auch patrouillenartige Zusammenrottungen sind der Behörde nicht bekannt, informierte Martin Döring. Das Gelände behält die Behörde weiter im Blick. „Wir stehen mit den Polizeibehörden im regen Informationsaustausch“, berichtet Döring.

Der Betreiber der Paintballhalle ist indessen verärgert und hat beim Oberbürgermeister um ein Gespräch gebeten. Das bestätigt Alexander Ahrens: Während des Telefonats habe sich der Wunsch ergeben, einen gemeinsamen Termin mit einem Vertreter des Operativen Abwehrzentrums zu koordinieren. Die Polizeibehörde, die bei extremistisch motivierten Straftaten ermittelt, zeigte sich laut Ahrens aufgeschlossen. Ein genauer Termin für ein Gespräch soll in den nächsten Tagen ausgemacht werden.