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Paris kämpft gegen das älteste Gewerbe

Das französische Parlament debattiert über die Bestrafung von Freiern – doch das ist umstritten, nicht nur bei den Prostituierten.

© dpa

Von Birgit Holzer, SZ-Korrespondentin in Paris

Sie stehen am Rande des „Bois de Boulogne“, des großen Stadtwaldes im Westen von Paris – Frauen und Männer in aufreizender Kleidung und Haltung, auf Freier wartend, die sie oft in Lieferwagen führen. Andere Rotlichtbezirke sind rund um die berühmte „Mausefalle“ Pigalle oder beim Verkehrsknotenpunkt Châtelet; jede französische Stadt hat sie. Mit dem Verbot der Bordelle in Frankreich 1946 wurde der Prostitution kein Ende gesetzt; sie findet auf den Straßen statt, in Hotels, Wohnungen, Autos oder Parks wie dem „Bois de Boulogne“, wo Familien beim Sonntagsspaziergang über Kondome auf dem Weg stolpern.

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Wenn es nach der französischen Regierung geht, soll es damit bald vorbei sein und die Prostitution „abgeschafft werden“, wie Frauenministerin Najat Vallaud-Belkacem erklärt hat. Seit Freitag debattiert die Nationalversammlung über einen Gesetzesentwurf, nach dem ähnlich wie in Schweden Freier mit einer Geldstrafe von 1 500 Euro belegt werden sollen, Wiederholungstäter mit 3 000 Euro, und einen „Sensibilisierungskurs“ absolvieren müssen. Anders als zunächst vorgesehen, stehen eine sechsmonatige Haft und eine Geldstrafe von 7 500 Euro nicht mehr zur Debatte.

Gleichzeitig ist ein verschärfter Kampf gegen Zuhälterei vorgesehen, die Verfolgung von im Ausland geschalteten Annoncen im Internet, finanzielle Unterstützung und eine Aufenthaltserlaubnis für Ausländer(innen) beim Ausstieg und ein Ende des Deliktes des „passiven Kundenfangs“, den 2003 der damalige Innenminister Nicolas Sarkozy eingeführt hatte und der Sex-Arbeiter bestrafen sollte. Schätzungen zufolge sind sie rund 20.000 in Frankreich, rund 80 Prozent von ihnen Ausländer.

Parallel zur Diskussion in Deutschland, hat auch in Frankreich der Gesetzentwurf eine gesellschaftliche Debatte losgetreten. Er ist parteiübergreifend umstritten. Während Befürworter wie die Sozialistin Maud Olivier erklären, es gehe um die „Bewusstmachung, dass sexuelle Ausbeutung Grundrechte missachtet“, befürchtet Gesundheitsministerin Marisol Touraine, das weitere Abdrängen von Prostituierten in den Untergrund erhöhe deren Gesundheitsrisiken.

„Ein Manöver bourgeoiser Eliten“

Diese selbst protestieren heftig gegen die Pläne der Regierung, befürchten eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen und ihr wirtschaftliches Ende. Ihre Gewerkschaft „Strass“ beklagt in einer Petition die „Pseudo-Barmherzigkeit“, ein „weiteres Manöver der bourgeoisen Eliten“, sie zu stigmatisieren.

Während feministische Vereinigungen die Initiative unterstützen, erklärt die Philosophin Elisabeth Badinter, es sei nicht normal, Frauen die Prostitution zu erlauben und Männern zu verbieten, das in Anspruch zu nehmen. Der Staat habe „nicht über die sexuelle Aktivität einzelner Personen Gesetze zu erlassen“.

Das finden auch die „343 Dreckskerle“, darunter Prominente wie der Schriftsteller Frédéric Beigbeder, die mit der provokant formulierten Petition „Finger weg von meiner Nutte“ großen Widerspruch erregt hatten. „Jeder hat das Recht, seine Reize frei zu verkaufen – und das sogar zu mögen“, hatten sie erklärt.

Als Reaktion lancierten rund 60 Persönlichkeiten, darunter Schauspielerin Catherine Deneuve und Sänger Charles Aznavour, einen Aufruf mit abgewogenerer Argumentation: „Ohne Prostitution gutzuheißen“, seien sie gegen Bestrafung und für die „Öffnung einer echten Debatte ohne ideologische Vorurteile“. Zu der wohl auch Bedenken wie die der Polizeikommissarin Corinne Bertoux gehören: „Nachzuweisen, dass bezahlter Sex stattgefunden hat, das wird nicht leicht.“