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Pfarrerin verlässt Hohnstein

Nach zehn Jahren möchte sich Katrin Jell verändern. Vieles lässt sie zurück.

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© Dirk Zschiedrich

Von Anja Weber

Hohnstein. So kennen die Hohnsteiner ihre Pfarrerin: blonde kurze Haare, mitunter etwas strubblig, meist gut gelaunt und geradeheraus, stets konsequent. Deshalb hat sie jetzt auch gesagt: Zehn Jahre in einer Kirchgemeinde, so wie bei Pfarrern üblich, sind genug. Für sie ist die Zeit gekommen, um aufzubrechen. Am 1. September wird sie ihren Dienst in Zahrensdorf und Blücher, zwei verbundenen Kirchgemeinden in Mecklenburg-Vorpommern, antreten. Das ist kein Neuland für sie, denn Katrin Jell war nicht nur Pfarrerin für Hohnstein, Ehrenberg und Ulbersdorf, sondern besetzte auch die zweite Pfarrstelle in Sebnitz mit Lichtenhain, Saupsdorf und Hinterhermsdorf. So war sie viel unterwegs, suchte ständig den Kontakt mit ihren Gemeindemitgliedern, hörte sich deren Probleme an, hatte das große Ganze im Blick. So sind die letzten Jahre schnell vergangen, waren für sie angefüllt mit dem Sammeln viel Berufserfahrung, dem Meistern vieler Projekte und so mancher Herausforderung.

Baumeisterin: Den Guss der Sebnitzer Glocken hat sie selbst überwacht. Bauprojekte in Hohnstein, Lichtenhain und Ulbersdorf hat sie ebenfalls gemanagt.
Baumeisterin: Den Guss der Sebnitzer Glocken hat sie selbst überwacht. Bauprojekte in Hohnstein, Lichtenhain und Ulbersdorf hat sie ebenfalls gemanagt. © Frank Baldauf
Dienstantritt: Am 3. September 2006 hat Katrin Jell ihre Pfarrstelle in Hohnstein angetreten. Anfangs hieß es, im Chaos die Übersicht zu wahren.
Dienstantritt: Am 3. September 2006 hat Katrin Jell ihre Pfarrstelle in Hohnstein angetreten. Anfangs hieß es, im Chaos die Übersicht zu wahren. © Frank Baldauf
Gemeindeleben: Schnell hatte sich die Pfarrerin eingelebt, lud die Menschen zu sich ein, zum Beispiel bei Gemeindefesten wie hier 2007 in Ehrenberg.
Gemeindeleben: Schnell hatte sich die Pfarrerin eingelebt, lud die Menschen zu sich ein, zum Beispiel bei Gemeindefesten wie hier 2007 in Ehrenberg. © Frank Baldauf

Die Pfarrstelle in Hohnstein hatte sie am 3. September 2006 damals 29-jährig als Vikarin angetreten. Die gebürtige Dresdnerin, die in Dresden und in der Nähe von Wien aufwuchs, hatte 2004 ihr Examen abgeschlossen und ihre zwei Vikariatsstationen in Chemnitz und Leipzig absolviert. Dann war sie in Hohnstein, einer großer Kirchgemeinde mit vielen Aufgaben, unterwegs. Wenn Katrin Jell jetzt geht, hinterlässt sie viele Spuren. Sie hat in den vergangenen zehn Jahren viel bewegt. Auf ihr Konto gehen jede Menge Bauprojekte. Allen voran die Sanierung der Hohnsteiner George-Bähr-Kirche. Katrin Jell wurde dort wahrlich zur Baumeisterin und hatte die schwierige Sanierung gemeinsam mit den Bauleuten zu meistern. Dem Voraus gingen viele von ihr, und der Kirchgemeinde initiierte Spendenaktionen, um das notwendige Eigenkapital aufzubringen. Ähnlich lief es auch für die Sanierung der Kirche in Lichtenhain oder auch die der in Ulbersdorf. Sie kam letztlich auch dem Wunsch von Einwohnern in Lichtenhain, Mittelndorf und Altendorf nach und hat auf dem Lichtenhainer Friedhof ein Urnengemeinschaftsgrab für die anonyme Bestattungen freigegeben.

Viel gab es für sie zu tun und zu managen. Auf die Hilfe in ihren Gemeinden konnte sie zählen. Gerade an die Gemeinschaft und die Lebendigkeit in den Gemeinden und an vielen Stellen in der Kirche und den Kommunen wird sie sich gern erinnern. Katrin Jell war nicht nur Baumeisterin. Sie hat sich auch politisch engagiert. So zum Beispiel in der Aktion „Die Sächsische Schweiz ist bunt“. Ihre Meinung hielt sie nicht hinterm Berg, wie zum Beispiel bei der angestrengten Asyl-Diskussion in Hohnstein 2015. Bei einer der Veranstaltungen fand sie klare Worte:. „Ich selbst bin Ausländerin und nehme damit einem Deutschen den Arbeitsplatz weg“, sagte sie, da sie einen österreichischen Pass besitzt. Dort wo sie aufgewachsen sei, habe es einen 30-prozentigen Migrationsanteil gegeben. Sie erinnerte an die Wendezeit, als viele Ostdeutsche in Richtung Österreich unterwegs waren. Man habe sich nicht darüber gefreut, weil die Ostdeutschen Jobs wegnahmen, da sie für weniger Geld arbeiteten. Die Gegenwart zeige, dass es doch funktioniert hat. „Warum versuchen wir nicht, die Menschen erst einmal kennenzulernen?“, fragt sie damals in die Runde. Auch das ist Pfarrerin Katrin Jell. Sie sagt nun: „Auf Wiedersehen!“