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Pfefferkuchen bei 30 Grad Hitze

In allen Supermärkten lagert schon Weihnachtsgebäck. Aber will das jetzt tatsächlich schon jemand essen?

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© Klaus-Dieter Brühl

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Seit Anfang September, ein Vierteljahr vor Nikolaus, liegen die ersten Pfefferkuchen in den Discountern und Supermärkten. Man hätte darauf wetten können. Vielleicht wäre das alljährliche Herbstangebot, das mit Weihnachten gar nichts mehr zu tun zu haben scheint, gar keine schlechte Idee gewesen – wenn schon fast die erste Schneeflocke ans Fenster stupst.

Aber diesen September haben wir 30 Grad Hitze. Kein Mensch will da Pfefferkuchen essen! „Stimmt nicht“, sagt Marcel Strauß von Edeka-Scheller auf dem Kupferberg. „Wir haben schon gut verkauft.“ Ganz abgesehen davon, dass die Lieferanten irgendwo hin müssen mit der bereits produzierten Ware, hätten einige Kunden schon Appetit auf Lebkuchen und Spekulatius. Bei Edeka kommen die Schokoladenhohlkörper – sprich Weihnachtsmänner – und der Stollen aber erst in sechs bis acht Wochen in die Regale. Denn die Sachen dürfen ja nicht davonschmelzen.

Herbstgebäck statt Weihnachten

In anderen Supermärkten wie Netto oder Kaufland ist das anders. Da liegt schon Stollen. Allerdings ohne weihnachtliche Motive. Der Handel erfand für den Verkauf dieser Weihnachtsware im September den passenden Namen „Herbstgebäck“. So kann man auch jetzt schon Appetit auf Zimt, Nelken, Kardamom oder Marzipan machen, wenn die Zeit für diese Gewürze eigentlich noch in weiter Ferne liegt.

Allerdings ist der Einzelhandel auch in der Zwickmühle, wie Marko Hoffmann von den Einkaufsmärkten in Lauterbach und Sacka erklärt. „Wir bekamen schon vor einem Dreivierteljahr den Liefertermin für die ersten Pfefferkuchen vorgegeben“, so Hoffmann. Das war gerade zu Ostern. Angesichts des überraschend warmen Spätsommers hätte sich der Großhandel, sprich Edeka, noch mit der Lieferung zurückgehalten. Doch dieser Tage müsste halt die Ware abgenommen werden, auch wenn die Leute sie noch nicht kaufen. Erst im Oktober, so Markus Hoffmanns Erfahrung, setzt das Geschäft mit dem eigentlichen Jahresendgebäck bei ihm richtig ein.

Bäcker noch in Spätsommer-Laune

Die Bäcker der Region lassen sich vorerst noch vom launigen Sommer inspirieren. Da gibt es bei Raddatz in Gröditz schon mal Zwiebel- und Kirmeskuchen, wie für den Herbst typisch, und passend zum Wein. Die nun 125-jährige Bäckerei Brade in Riesa setzt auf Kirsch-Holunderbeer-Dessert statt Dominosteinen, Spekulatius und Co.

Doch ab Freitag soll es ja wieder kälter werden. Und irgendwann sind wir dann doch im Advent. Laut Umfragen will nur ein Fünftel der Deutschen, dass der Staat etwas gegen die spätsommerliche Lebkucheninvasion im Supermarkt unternimmt. Die Hersteller schieben die Verantwortung sowieso an den Handel zurück. Wenn der ruft, liefern die Hersteller. Auch wenn das im September schon mal bedeuten kann, dass Kühlketten eingehalten werden müssen, damit der Schokolebkuchen es im Ursprungszustand ins Regal schafft.