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Pfeifenglanz dank Autolack

Die Kirchenorgel hat eine Rundum-Erneuerung für 50000 Euro hinter sich. Jetzt ist sie schöner – und klingt besser.

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© Sebastian Schultz.

Von Eric Weser

Gröditz. Fünfzehn Jahre hat sie sich hier „einen abgekämpft“, erzählt Christina Müller. „Vor allem im Winter, da kriegte man die Tasten kaum runter.“ Das ist jetzt vorbei, alles geht viel leichter. Sanft drückt die Kantorin auf die Klaviatur, ein mächtiger Akkord ertönt. Die Kantorin kann gar nicht anders, als zu lächeln. So voll, so sauber klingend kennt auch sie „ihre“ Gröditzer Orgel erst seit wenigen Tagen.

Die neue Klangqualität verdankt das Instrument der monatelangen Arbeit von Fachleuten: Mitarbeiter der Orgelbau-Firma Wünning aus dem Erzgebirge haben das Gerät zerlegt, gereinigt, repariert, wieder zusammengesetzt und neu gestimmt.

Die Orgel sauber zu machen, das sei dringend nötig gewesen, erzählt Orgelbauer Joachim Jehmlich. „Sie war schon tüchtig verdreckt.“ Neben dem Schmutz aus von Jahrzehnten gab es aber auch noch „so ein paar Wehwehchen“, die eine Reparatur nötig gemacht hätten, so Jehmlich. Teile der Mechanik seien verschlissen gewesen. Und auch viele Orgelpfeifen waren längst nicht mehr im besten Zustand.

Um alles wieder flott zu machen, wanderten die Teile von Gröditz in die Fachwerkstatt nach Großolbersdorf bei Chemnitz. Hunderte Einzelstücke haben die Orgelbauer für sich inspiziert und repariert: Blasebälge wurden mit neuem Leder bezogen, Holzpfeifen erhielten neue Stöpsel, verbeulte Metallpfeifen wurden ausgedellt. Um die Tonerzeuger aus Zink in einen in jeder Hinsicht glänzenden Zustand zu bringen, kam zum Schluss eine Art Autolack zum Einsatz, so Joachim Jehmlich. „Jetzt sehen sie ein bisschen wie neu aus.“

Aber nicht nur kosmetisch, sondern auch klanglich ist etwas passiert. Dazu muss man wissen, dass die Gröditzer Kirchorgel aus zwei Einheiten besteht. Die größere ist die Hauptorgel aus den 1890ern. In den 1960ern kam eine kleine Teilorgel hinzu, die in der Emporenbrüstung hängt. Damals sei aber auch der Klang an der Hauptorgel verändert worden, hin zu einem seinerzeit modernen, hellen Klang. Das haben die Orgelbauer jetzt wieder rückgängig zu machen versucht. Zwei Klangfarben sind dort jetzt enthalten, die „zurückgehen auf das, was ursprünglich mal war.“

Dass die Orgel wieder in Schuss ist, freut auch den Pfarrer Christian Thiele. Insgesamt 50 000 Euro hat die Reparatur des Instruments gekostet, rechnet er vor. Was Thiele zufolge eher ungewöhnlich ist: Rund die Hälfte des Geldes hat die Landeskirche beigesteuert. Daneben halfen Spender, der Gemeindehaushalt durch das Auflösen einer Rücklage, das Projekt zu finanzieren. Die Orgelreparatur markiert auch den Schlusspunkt unter die Sanierung der Gröditzer Kirche. In zwei Bauabschnitten waren in den vergangenen Jahren das Dach, der Turm, die Fassade und die Bleiverglasung repariert worden. Der erhoffte Anbau für Toiletten ist aber finanziell nicht mehr zu stemmen, da weder die Kirchgemeinde noch die Stadt das Geld dafür haben. Für die 800-Jahrfeier 2017 ist die Kirche jedoch fit. Doch jetzt steht erst mal das Konzert anlässlich der abgeschlossenen Orgelsanierung an. Am Sonnabend spielen Kantorin Christina Müller und Co-Organist Tobias Lange ab 14 Uhr ein einstündiges Konzert. Dann können sich auch die Gröditzer und deren Gäste von der Klangfülle des Instruments überzeugen.