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Pflegeeinrichtungen buhlen um Mitarbeiter

Schon jetzt müssen Riesas Heimleiter kreativ sein, um Personal zu gewinnen. Nun wird die Konkurrenz noch größer.

© dpa

Von Britta Veltzke, Christoph Scharf und Stefan Lehmann

Riesa. Das neue Azurit-Heim öffnet erst in einigen Monaten, aber schon jetzt hat Stefan Lux das Personal für den Anfang beisammen: Zehn Pflegefachkräfte bilden derzeit die Startmannschaft, auch bei den Pflegehelfern habe man bereits eine engere Auswahl getroffen. Stück für Stück sollen noch weitere dazukommen, sagt der Heimleiter. Das Haus an der Dr.-Scheider-Straße ist die zweite Pflegeeinrichtung, die in diesem Jahr eröffnet. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen. Denn der Arbeitsmarkt gibt nicht viel her. Man habe deshalb offensiv um die neuen Mitarbeiter geworben, bestätigt Stefan Lux. „Gute Pflegefachkräfte sind einfach in Arbeit, das ist heute so.“ Trotzdem sei das Team gut durchmischt, von den zehn Kollegen, die im Herbst starten, sind laut Lux vier Berufsanfänger.

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Das Seniorenhaus an der Dr.-Scheider-Straße öffnet im Herbst. Bei voller Belegung wären 70 Mitarbeiter nötig.
Das Seniorenhaus an der Dr.-Scheider-Straße öffnet im Herbst. Bei voller Belegung wären 70 Mitarbeiter nötig. © Sebastian Schultz
Advita hat sein Seniorenhaus in Weida gerade erst eröffnet. Bis zu 40 Mitarbeiter könnten hier angestellt werden.
Advita hat sein Seniorenhaus in Weida gerade erst eröffnet. Bis zu 40 Mitarbeiter könnten hier angestellt werden. © Sebastian Schultz

Die Leiter der Pflegeeinrichtungen müssen kreativ sein, um Personal zu werben oder zu behalten, auch in Riesa. Von Abwerbeprämien, wie es sie anderswo schon gibt, will aber keiner etwas wissen. „Die Leute werden sehr gut vergütet“, sagt Stefan Lux. „Aber wir können und wollen auch nicht alles übers Geld regeln.“ Arbeitsbedingungen, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten zählt er als weitere Argumente auf, mit denen man Bewerber lockt. „Viele nehmen es auch als Chance wahr, in einem großen und neuen Haus anfangen zu können.“ Ähnlich sieht es im Haus Am Lutherplatz aus. Die Fluktuation unter den Mitarbeitern sei dort üblicherweise sehr gering, sagt Regionaldirektorin Steffi Maron. „Wir haben in Riesa eine hohe Zufriedenheit bei den Mitarbeitern.“ Man habe erst dieses Jahr die Löhne erhöht. Aber Geld sei nicht alles. Neu gebaute Einrichtungen locken natürlich. „In älteren Häusern gibt es unter Umständen schwierigere Arbeitsbedingungen mit kleinen Bädern und wenig Bewegungsfreiheit. In Riesa haben wir aber gute Voraussetzungen.“

In den Einrichtungen des Pflege- und Betreuungszentrums Riesa (PBZ) gebe es immer mal wieder offene Stellen, sagt Geschäftsführerin Heike Eulenfeldt. „Selbstverständlich ist der Bedarf an Mitarbeitern immer wieder unterschiedlich und von verschiedenen Umständen abhängig, etwa von Wegzug, Renteneintritt oder Kündigung.“ Viele Branchen hätten ein Fachkräfteproblem, nicht nur die Pflege. Sie weist wie viele ihrer Kollegen darauf hin, dass die Politik reagieren müsse. Eine bessere Vergütung und die Anpassung des Personalschlüssels sowie die Fachkraftquote seien die großen Stichworte dazu. Derzeit könne man sich nur die vorhandenen Fachkräfte am Markt teilen, sagt die Chefin des PBZ. „Mehr Einrichtungen führen ja nicht unweigerlich zu mehr Personal.“

Im soeben neu eröffneten Seniorenhaus des Unternehmens Advita in Weida arbeiten aktuell 18 Leute. Bei voller Belegung sollen es 30 bis 40 werden. Trotz Fachkräftemangels sieht Advita-Sprecher Uli Schuppach für sein Unternehmen gute Chancen. Denn am wichtigsten sei den Mitarbeitern, Zeit für die Pflege der Bewohner zu haben. Und da habe man in der Kombination von betreutem Wohnen und ambulantem Pflegedienst Vorteile. Außerdem könne man als großer Arbeitgeber mit pünktlicher Gehaltszahlung, Fortbildungsangeboten, betrieblicher Altersvorsorge und Kita-Zuschüssen punkten. Auch im Seniorenhaus Albert Schweitzer sind wegen der Neueröffnungen keine Abgänge zu verzeichnen, sagt Leiter Dario Perrone. Neben guter Arbeitsatmosphäre achte man darauf, die Belastung möglichst gering zu halten: „Pflege ist ein Knochenjob. Da beschönige ich nichts, auch nicht in den Vorstellungsgesprächen.“

Ausländische Fachkräfte sind in den Riesaer Einrichtungen noch kein großes Thema. „Wir haben gerade eine Kollegin aus Polen in der Weiterbildung“, sagt PBZ-Chefin Heike Eulenfeldt. „Sie spricht sehr gut Deutsch. Bei vielen ist aber die Sprachbarriere ein Problem.“ Freie Pflegekräfte sind in der Region schon aus finanziellen Gründen keine Option, das sagen alle Betreiber. „Von dem Geld könnte man mehrere Mitarbeiterstellen finanzieren“, so Heike Eulenfeldt. Die Mehrkosten würden die Heimbewohner tragen und das ist dem Bewohner wohl kaum zuzumuten.