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Ein Tännchen Hoffnung

Ein Liebstädter spendiert in diesem Jahr den Weihnachtsbaum für Pirna. Ob es aber drumherum den Canalettomarkt geben wird, ist noch offen.

Eingeschwebt: Mit dem Kran wird der Weihnachtsbaum am Pirnaer Rathaus aufgestellt.
Eingeschwebt: Mit dem Kran wird der Weihnachtsbaum am Pirnaer Rathaus aufgestellt. © Daniel Förster

Mit Gekreisch frisst sich die Kettensäge ins Holz, Späne fliegen, nach nicht einmal zwei Minuten ist der Schnitt vollbracht, damit sind 37 Jahre Wachstum Geschichte.

Ort des spanabhebenden Vorgangs am Sonnabendvormittag ist ein Grundstück an der Glashütter Straße in Liebstadt, hier ist etwas emporgewachsen, wohlfeil geformt, dem nun eine besondere Ehre zuteil wird: eine Colorado-Tanne, 16 Meter hoch, unten misst der Stamm im Durchmesser 60 Zentimeter, an der dicksten Stelle breitet sich das Nadelkleid mit einem Durchmesser von sechs Meter aus. Bestimmt ist der Baum für Pirna, dekoriert mit tausenden LED-Lämpchen, wird das Nadelgehölz zur Weihnachtszeit den Markt schmücken.

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Ein wenig wehmütig schaut Dietmar Urwank dann doch auf den Beginn der letzten Reise seines Ziehgewächses, aber er hat es so entschieden. Urwank, 67, hat die Tanne 1983 gepflanzt, an einem Hang gleich hinterm Haus. Sie stand immer frei und konnte prächtig gedeihen.

Mit jedem Meter Höhe wuchs aber auch Urwanks Sorge, ein Sturm könnte den Baum einmal erfassen und aufs Haus werfen. Daher hatte er mit seiner Familie schon vor einiger Zeit beschlossen, das Gehölz zu entfernen. Doch den Baum einfach so zu fällen, hätte nicht funktioniert, ringsherum stehen Obstbäume, auf die hätte er nicht kippen dürfen.

Liebstädter Colorado-Tanne macht das Rennen

Aber dann nahte ein rettendes Angebot: Urwank las in der Zeitung einen Aufruf, dass ein Weihnachtsbaum für Pirna gesucht wird. Von einem Freund ließ er per Drohne Luftaufnahmen von der Tanne machen, dann bewarb er sich. "Weil die Tanne so schön gewachsen ist, haben wir sie angeboten", sagt er, "und nun erfüllt sie noch einen schönen Zweck."

Über 20 Bäume, mehr als in den Vorjahren, standen diesmal zu Auswahl. Der Standort auf Urwanks Grundstück war günstig, vor seinem Haus gibt es viel Platz für Kran und Tieflader. "Daher fiel die Entscheidung relativ schnell", sagt Mirco Kammann, Zugführer beim Technischen Hilfswerk (THW).

Die Truppe des Ortsverbandes Pirna fungiert, wie seit 1996 schon, erneut als Ernte-, Transport- und Aufstellhelfer. Mit 16 Einsatzkräften ist das THW vor Ort.

Bevor sie den Stamm der Tanne durchtrennen, klettert ein THW-Helfer in die Baumkrone, dort befestigt er ein Sicherungsseil. An diesem nimmt Bernd Reichelt, Chef des gleichnamigen Abschlepp- und Bergungsdienstes in Pirna, den Baum an den Haken seines 50-Tonnen-Kranes. Unten sichern THW-Einsatzkräfte das Gehölz zusätzlich mit Seilen, damit der Baum schön in der Senkrechten bleibt. Denn als die Tanne in Stumpf und Stamm geteilt ist, folgt ein kritischer Moment.

Kritischer Moment über dem Garagendach

Urwank war in Liebstadt 30 Jahre lang der Chef des Fuhrunternehmens seiner Schwiegereltern, nun muss der Baum über die Garagen der Spedition hinweg. Fünf, sechs Meter hängt das Gehölz in der Luft, behutsam schwenkt Reichelt den Kranausleger, sicher erreicht der Baum den Platz vorm Haus.

Ein THW-Mann setzt hier gleich noch einmal die Säge an, er formt an Ort und Stelle das Stammende, damit es auf dem Pirnaer Markt in die Bodenhülse passt, sie ist 1,20 Meter tief, oben 55, unten 35 Zentimeter breit, der Baum muss etwas angespitzt werden. 

Danach hievt Reichelt den Baum auf den bereitstehenden Tieflader, dort wird er gesichert, dann schnüren THW-Helfer die abstehenden Äste zusammen. "Wir müssen auf eine Breite von 4 Meter kommen", sagt Kammann, "damit es beim Transport an engen Stellen nicht kritisch wird."

Baum-Spender: Dietmar Urwank vor der Colorado-Tanne an seinem Haus in Liebstadt.
Baum-Spender: Dietmar Urwank vor der Colorado-Tanne an seinem Haus in Liebstadt. © Marko Förster
Kranführer Bernd Reichelt: Den Baum behutsam auf den Transporter bugsiert. 
Kranführer Bernd Reichelt: Den Baum behutsam auf den Transporter bugsiert.  © Marko Förster
Der erste Akt: THW-Mitarbeiter durchsägen den Stamm der Colorado-Tanne.
Der erste Akt: THW-Mitarbeiter durchsägen den Stamm der Colorado-Tanne. © Marko Förster
Kritischer Moment: In Liebstadt muss der Baum über das Garagendach gehoben werden. 
Kritischer Moment: In Liebstadt muss der Baum über das Garagendach gehoben werden.  © Marko Förster
THW-Einsatzleiter Mirco Kammann (Mitte) bespricht mit Mitarbeitern den bevorstehenden Transport. 
THW-Einsatzleiter Mirco Kammann (Mitte) bespricht mit Mitarbeitern den bevorstehenden Transport.  © Marko Förster
Auf dem Tieflader: THW-Helfer verschnüren die Äste. 
Auf dem Tieflader: THW-Helfer verschnüren die Äste.  © Marko Förster
Blick auf den Kreisverkehr an der Zehistaer Straße: der Transport nach Pirna verlief reibungslos.
Blick auf den Kreisverkehr an der Zehistaer Straße: der Transport nach Pirna verlief reibungslos. © Daniel Förster
Es ist angespitzt: Ein THW-Helfer macht den Stamm passend für die Bodenhülse.
Es ist angespitzt: Ein THW-Helfer macht den Stamm passend für die Bodenhülse. © Daniel Förster
Am Kran schwebt der Baum in Pirna vom Tieflader an seinen Platz vor dem Rathaus. 
Am Kran schwebt der Baum in Pirna vom Tieflader an seinen Platz vor dem Rathaus.  © Daniel Förster
Ein Geschenk: Dietmar Leppert, ein Nachbar von Dietmar Urwank, hat dieses Schild gedruckt, das nun am Baum befestigt ist.
Ein Geschenk: Dietmar Leppert, ein Nachbar von Dietmar Urwank, hat dieses Schild gedruckt, das nun am Baum befestigt ist. © Marko Förster

Schaulustige erwarten den Weihnachtsbaum

An der Engstelle am Liebstädter Markt wird es dann doch etwas knifflig, aber der Tieflader passt durch, die restliche Tour nach Pirna verläuft reibungslos, auch durch die beiden Kreisverkehre an der Zehistaer Straße und an der Einsteinstraße. 

Kurz vor halb zwei trifft die Tanne auf dem Pirnaer Markt ein, erwartet von vielen Schaulustigen, die die Gehwege säumen. Kurz vor zwei hängt der Baum am Haken, Reichelt bugsiert das Gehölz per Kran zu Bodenhülse. Die THW-Männer müssen unten noch einmal kurz nachschnitzen, dann passt alles. 

Am Sonntag wird der Baum mit den Lämpchen behangen, planmäßig leuchten wird er dann in der Adventszeit. 

Weiter hoffen auf den Canalettomarkt

Eine Frage ist aber nach wie vor ungeklärt: Wird es in diesem Jahr rings um den Baum wegen der Corona-Pandemie überhaupt einen Canalettomarkt geben? Ursprünglich sollte der am 24. November starten, aber daraus wird wegen der derzeit geltenden Einschränkungen nichts. 

"Einen Canalettomarkt, wie wir in kennen", sagt Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke, "wird es in diesem Jahr sicher nicht geben können." Gleichwohl wünsche sich die Stadt einen Weihnachtsmarkt und hoffe, dass er stattfinden könne - in welcher Form auch immer. 

Auch die Agentur Plan de Saxe, die den Markt seit Jahren organisiert, hält weiter an ihren Plänen fest. "Wir werden nicht vorschnell aufgeben", sagt Agentur-Mitinhaber Holger Zastrow. Derzeit verhandelt Plan des Saxe mit dem Gesundheitsamt des Landkreises über ein geeignetes Hygienekonzept, damit der Markt doch noch stattfinden kann. Eine Entscheidung soll in Kürze fallen.

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