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Fahrzeugelektrik Pirna setzt Kurzarbeit aus

Wegen Corona büßte der Autozulieferer im Frühjahr 70 Prozent des Umsatzes ein. Doch es geht wieder bergauf, inzwischen sucht das Werk sogar neue Mitarbeiter.

Fahrzeugelektrik Pirna: Die Produktion läuft inzwischen wieder nahezu auf Vorjahresniveau.
Fahrzeugelektrik Pirna: Die Produktion läuft inzwischen wieder nahezu auf Vorjahresniveau. © Archiv: Daniel Förster

Am Beginn dieses Jahres deutete nur wenig auf die bevorstehende Krise hin. Der Betrieb bei der Fahrzeugelektrik Pirna (FEP), größter Industrie-Arbeitgeber in der Stadt mit 460 Mitarbeitern, lief wie gewöhnlich auf Hochtouren. „Wir sind wie immer volle Last gefahren“, sagt Peter Weber, Vorsitzender der FEP-Geschäftsführung. Üblicherweise stehen die Maschinen niemals still, über eine Milliarde Kunststoffteile stellt das Werk jährlich her, der Jahresumsatz liegt bei reichlich 100 Millionen Euro.

Doch dann kam im Frühjahr die Corona-Pandemie mit Wucht, und mit ihr nahezu ein weltweiter Stillstand. Binnen kurzer Zeit waren viele Firmen geschlossen. Damit brachen auch für die FEP, die hauptsächlich Teile für die Automobilindustrie liefert, wichtige Absatzmärkte weg. Das Unternehmen war gezwungen, die Produktion zu drosseln, an einigen Tagen standen die Maschinen gänzlich still. „Das war schon sehr deprimierend“, sagt Weber.

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Kurzarbeit sichert die Arbeitsplätze bei der FEP

Mit dem weltweiten Lockdown, sagt FEP-Geschäftsführerin Evelyn Duarte Martinez, sei innerhalb eines Monats 70 Prozent des Umsatzes weggebrochen. Die FEP lebt zu 75 Prozent vom Export, doch auf einmal fehlten internationale Abnehmer, globale Lieferketten funktionierten nicht mehr. Das schlug sich auch in den Zahlen nieder. Im zweiten Quartal ging die Produktion bei dem Pirnaer Unternehmen um 50 Prozent zurück, im dritten Quartal um 20 Prozent.

Angesicht der dramatischen Situation hatte das Werk rasch einen Notfall-Fahrplan erarbeitet, um für die ungewisse Zeit gerüstet zu sein. „Es war wichtig, dass wir schnell reagieren können, um den Standort nachhaltig zu sichern“, sagt Weber.

So schickte der Betrieb Ende März einen Großteil der Mitarbeiter in Kurzarbeit, vor allem, um flexibel zu bleiben, die Beschäftigten zu schützen und Arbeitsplätze zu sichern. Der Plan ging bislang auf, niemand wurde entlassen. „Die Kurzarbeit war für uns eine große Hilfe“, sagt Evelyn Duarte Martinez, „dank dessen konnten wir unsere Belegschaft halten.“

FEP will Belegschaft aufstocken

Seit Wochen geht es nun wieder aufwärts bei der FEP. Im vierten Quartal liegt die Produktion wieder im Plan und bewegt sich nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Das liegt laut Weber zum einen daran, dass Automobilhersteller weltweit ihre Produktionen hochfuhren und Kunden wieder FEP-Produkte in Größenordnungen abnehmen.

Zum anderen hat die FEP schon seit Jahren darauf hingearbeitet, neue Teile zu entwickeln, beispielsweise für Elektroautos. Weil immer mehr dieser Fahrzeuge auf den Markt kommen, werden die speziellen Bauteile derzeit stark nachgefragt.

Das wirkt sich auch auf den Betrieb insgesamt aus. Für den Monat Dezember hat die FEP die Kurzarbeit vollständig ausgesetzt. Wie es dann im Januar aussieht, steht noch nicht fest, aber die Aussichten sind gut, die Auftragslage auch.

Daher sucht das Unternehmen inzwischen wieder neue Mitarbeiter. Laut FEP-Personalchef Daniel Rabe werden hauptsächlich Beschäftigte für die Produktion benötigt, beispielsweise Anlagenfahrer und Mitarbeiter für verschiedene Montageprozesse. Um derzeit alle Aufträge abzuarbeiten, hat sich die Firma mit Zeitarbeitern verstärkt. „Generell wollen wir aber die Stammbelegschaft aufstocken“, sagt Rabe.

Auf den Schutz aller Kollegen legt die Unternehmensleitung besonders großen Wert. Laut Weber werden die Mitarbeiter regelmäßig belehrt, wie sie sich und andere schützen können. Damit sich das Virus angesichts der anhaltend hohen Fallzahlen im Landkreis nicht weiter ausbreitet, müssen die Beschäftigen am Arbeitsplatz einen Mund-Nase-Schutz tragen und, wo es geht, den Mindestabstand einhalten. Die Produktionsbereiche sind voneinander getrennt, bei den Schichtwechseln und Übergaben sind die Kontakte auf ein Minimum reduziert. Zugleich appelliert Weber an die Mitarbeiter, auch außerhalb der Arbeitsstätte auf einen ausreichenden Schutz zu achten.

Peter Weber, Vorsitzender der FEP-Geschäftsführung: Der Bedarf an Mobilität wird weltweit steigen.
Peter Weber, Vorsitzender der FEP-Geschäftsführung: Der Bedarf an Mobilität wird weltweit steigen. © Archiv: Daniel Förster

Großkonzern aus den USA stärkt Pirnaer Unternehmen

Wie es generell in naher Zukunft weitergeht, ist noch offen, langfristige Prognosen sind derzeit schwierig. „Wir planen momentan nur von Monat zu Monat und fahren auf Sicht“, sagt Weber.

Gleichwohl zeigt sich der Geschäftsführer optimistisch. Die FEP sei ein gesundes Unternehmen und gut aufgestellt. Zudem habe man einen starken Konzern im Hintergrund. Das Pirnaer Werk gehört zur US-amerikanischen Amphenol Corporation, sie ist weltweit einer der größten Hersteller von Steckverbindungen.

Darüber hinaus, prognostiziert Weber, werde es weltweit einen großen Bedarf an Mobilität geben, damit werde auch der Automobil-Absatz wieder steigen. Gerade in der Pandemiezeit bevorzugten viele Menschen eher das eigene Auto, statt sich in volle Busse und Bahnen zu setzen.

Chinesischer Automarkt hat sich schnell erholt

Zum Aufschwung tragen auch die internationalen Produktionsstätten bei. Zwar läuft die Produktion im FEP-Werk im mexikanischen Monterrey noch vergleichsweise ruhig, weil der amerikanische Automarkt nach wie vor schwächelt und damit wichtige Abnehmer fehlen.

Dafür läuft es an den chinesischen Standorten umso besser, die Produktion ist wieder auf einem guten Niveau. „Diese Betriebe produzieren vorrangig für den chinesischen Binnenmarkt“, sagt Weber. Da dieser, auch mit staatlicher Hilfe, wieder angezogen habe, funktioniere das Geschäft. „Dass der chinesische Markt so schnell gesundet ist, hat uns sehr geholfen“, sagt Evelyn Duarte Martinez.

Besuche an den internationalen Standorten blieben allerdings, anders als in den Vorjahren, in diesem Jahr coronabedingt aus. „Geschäftlich hat von uns in diesem Jahr keiner im Flugzeug gesessen“, sagt Weber.

Dass das globale Netzwerk dennoch funktioniert, zeigt ein Beispiel in Fernost. Im chinesischen FEP-Werk sollte kürzlich eine neue Maschine in Betrieb gehen. Normalerweise hätte Fachleute aus Pirna dorthin reisen müssen, um die Technik abzunehmen und freizugeben. Weil das nicht ging, filmten Mitarbeiter die Anlage in China, die Bilder wurden live nach Pirna übertragen. Auf einer Videoleinwand schauten sich die heimischen Experten die Technik an und stellten via Tablet sogar wichtige Parameter aus der Ferne ein. Die Maschine konnte wie geplant anlaufen.

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