merken
PLUS Pirna

Gewürgt bis zur Bewusstlosigkeit

Das Amtsgericht verurteilt einen 39-jährigen Heidenauer, weil er seine ehemalige Freundin mehrfach attackiert hatte.

Amtsgericht Pirna.
Amtsgericht Pirna. © Archiv: Daniel Förster

Die Beziehung dauerte reichlich drei Jahre, dann war alles aus. Kai G. aus Heidenau und seine Freundin A. hatten sich 2017 kennengelernt, man fand schnell zueinander. Doch bald überschatteten Konflikte die anfängliche Harmonie. Sie eskalierten derart, dass Kai G. vor dem Amtsgericht Pirna landete, angezeigt von seiner Ex-Freundin.

Möglicherweise wäre es gar nicht so weit gekommen, hätte der 39-jährige Deutsche nicht seiner Verflossenen nach dem Ende der Beziehung in unzähligen, teils beleidigenden Nachrichten nachgestellt. Er wollte sie so zurückgewinnen, sie fühlte sich bedroht.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Schließlich ging sie zur Polizei, wo die 35-Jährige den Beamten auch lang zurückliegende Vorfälle schilderte, die nun in einem Strafverfahren mündeten.

Mit den Händen am Hals gewürgt

Vor Gericht fällt es A. nicht leicht, all das Vergangene noch einmal hervorzuholen, sie stockt oft, sie atmet schwer. Anfangs, sagt sie, sei alles gut gelaufen, doch dann stritt man oft, auch sei ihr Freund häufig betrunken gewesen.

Im Sommer 2019 kam es schließlich zum ersten schweren Zwischenfall. Kai G., so schildert die Zeugin, sei morgens betrunken nach Hause gekommen. Weil er vermutete, dass sie einen anderen hat, habe er zunächst ihr Handy nach Nachrichten von der vermeintlichen Affäre durchsucht.

Danach habe sich der Angeklagte mit seinem ganzen Gewicht auf sie gesetzt und sie mit den Händen am Hals gewürgt. Sie habe keine Luft mehr bekommen und sei auch einen kurzen Moment bewusstlos gewesen.

Wütend aus Eifersucht

Im September 2019 wiederholte sich beinahe das gleiche Szenario. Abermals sei Kai G. betrunken und eifersüchtig heimgekommen. Er habe geschrien, sich auf sie gesetzt und gewürgt. Zudem habe er mit einem Lautsprecher nach ihr geworfen. Sie konnte aber rechtzeitig ausweichen.

Kai G. bestreitet, seine Freundin so brutal attackiert zu haben. Gleichwohl räumt er ein, sehr eifersüchtig gewesen zu sein. Bei dem Vorfall im Sommer 2019 habe er A. am T-Shirt gepackt, aber nur, um sie zu beruhigen.

Danach sei sie bei seinem Versuch, sie in der Wohnung zurückzuhalten, über einen Staubsauger gestürzt. Gewürgt habe er sie keinesfalls.

Bei dem Vorfall im September, sagt der Angeklagte, sei er sehr wütend gewesen, vor allem aus Eifersucht. Er habe ein Regal von der Wand geschlagen. Den Lautsprecher habe er in eine ganz andere Richtung geworfen, um sie nicht zu treffen. Angerührt habe er seine damalige Freundin nicht.

Mehrere einschlägige Vorstrafen

Danach lief es noch ein paar Monate mehr schlecht als recht, im Herbst 2020 beendete sie die Beziehung. Er wollte das nicht akzeptieren und bedrängte sie mit Nachrichten, zu ihm zurückzukehren. Daraufhin zeigte sie ihn an.

Das Gericht will wissen, ob bei den Taten auch Drogen eine Rolle spielten. Kai G. sagt, er sei lange clean gewesen, habe dann aber 2020 wieder Crystal genommen, um den Trennungsschmerz zu betäuben. Er sei aber schon bei einer Entgiftung gewesen und bekomme das Problem in den Griff.

Generell ist Kai G. strafrechtlich kein unbeschriebenes Blatt. Er kassierte bereits mehrere Vorstrafen, unter anderem wegen räuberischer Erpressung, versuchten Raubs, gefährlicher Körperverletzung, Diebstahl, Bedrohung, mehrerer Verkehrsdelikte und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz.

3.900 Euro Geldstrafe

Gleichwohl plädierte die Verteidigung auf Freispruch, weil sich die Vorwürfe der Freundin nicht beweisen ließen. Die Staatsanwaltschaft forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

Das Gericht blieb etwas milder. Es verurteilte Kai G. wegen mehrfacher Körperverletzung, durch den Lautsprecher-Wurf kam noch eine versuchte gefährliche Körperverletzung hinzu. Er muss nun eine Geldstrafe von 3.900 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier.

Den täglichen kostenlosen Newsletter können Sie hier bestellen.

Mehr zum Thema Pirna