SZ + Pirna
Merken

Pirna: Halbzeit in den Sandsteingärten

Pirnas neuer Wohnpark wächst: Der Rohbau der elf Gebäude in den Sandsteingärten ist fast fertig. Die Investoren halten an einem Ziel fest.

Von Thomas Möckel
 6 Min.
Teilen
Folgen
Wohnpark "Sandsteingärten" an der Rädelstraße: Neues Stadtviertel mit 107 Quartieren in elf Häusern.
Wohnpark "Sandsteingärten" an der Rädelstraße: Neues Stadtviertel mit 107 Quartieren in elf Häusern. © Visualisierung: Seidelstudios

Genau in der Mitte, wo einmal das zentrale Beet-Rondell sein wird, zeichnet sich auf der Betondecke der Tiefgarage ein heller Fleck ab, der Rest ringsum ist schon etwas nachgedunkelt. An dieser Stelle stand bis vor Kurzem ein großer Kran, der Baustoffe nach oben hievte.

Inzwischen aber ist der Stahlriese demontiert und abtransportiert, die Bauleute benötigen ihn nicht mehr. Seine Arbeit ist vollbracht, den Rest schaffen die Arbeiter auch ohne seine Hilfe.

Der Abbau des Lastenbeförderers markiert nun einen wichtigen Zwischenstand bei einem ganz speziellen Vorhaben in Pirna. Es geht um die Sandsteingärten, eines der ambitioniertesten, größten und teuersten Wohnungsneubau-Projekte seit Jahrzehnten in der Stadt. Es geht um insgesamt 107 Wohnungen, die Gesamtinvestition liegt bei rund 25 Millionen Euro.

Wagnis Wohnungsneubau

An solche Neubauten, sagt der Pirnaer Architekt Uwe Seidel, der die Gebäude entworfen hat, habe sich lange niemand herangewagt. Wohnungsneubau, vor allem in dieser Größenordnung, versprach bis vor ein paar Jahren noch wenig Ertrag. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Seit einiger Zeit schon profitiert Pirna vom Zuzug, nach Jahren des Bevölkerungsschwundes wächst die Einwohnerzahl wieder, damit steigt auch die Nachfrage nach Wohnraum. Und so reifte letztendlich die Idee, quasi ein ganzes Mini-Stadtviertel neu entstehen zu lassen.

Dafür gründete sich eigens eine neue Firma, die VKSH Invest GmbH & Co.KG, darin haben sich vier Unternehmer aus Pirna zusammengeschlossen. „Wir wollten schließlich hier in Pirna investieren und etwas für unsere Stadt tun“, sagt Sven Vater, Geschäftsführer der Geva-Unternehmensgruppe und einer der VKSH-Gesellschafter.

Mitinvestor Sven Vater (l.), Architekt Uwe Seidel: Wir nehmen der Stadt eine Brache und geben ein neues Stadtviertel zurück.
Mitinvestor Sven Vater (l.), Architekt Uwe Seidel: Wir nehmen der Stadt eine Brache und geben ein neues Stadtviertel zurück. © Daniel Schäfer
Blick auf die Parkvillen: An der Fassade ist schon die finale graugrüne Farbe zu sehen.
Blick auf die Parkvillen: An der Fassade ist schon die finale graugrüne Farbe zu sehen. © Daniel Schäfer
Nah am Wasser gebaut: Oberhalb der Gottleuba-Böschung entstehen die Gartenvillen.
Nah am Wasser gebaut: Oberhalb der Gottleuba-Böschung entstehen die Gartenvillen. © Daniel Schäfer
Im Untergrund: Die große Tiefgarage unter den Parkvillen umfasst eine Fläche von 4.000 Quadratmeter.
Im Untergrund: Die große Tiefgarage unter den Parkvillen umfasst eine Fläche von 4.000 Quadratmeter. © Daniel Schäfer

Zwei Häuser komplett umgeplant

Mit dem neuen Wohnpark verschwindet zugleich ein bislang recht wenig ansehnliches Areal in der Pirnaer Innenstadt. Die Sandsteingärten entstehen auf einem reichlich 18.000 Quadratmeter großen Gelände zwischen der Siegfried-Rädel-Straße und der Gottleuba, die an dieser Stelle parallel zum Baugebiet und zur Bahnhofstraße fließt, direkt gegenüber liegen die Landestalsperrenverwaltung und der Busbahnhof.

Das Gebiet ist traditionell ein Industriestandort. Früher wurden dort Schleifersteine aus Sandstein für die Papierindustrie hergestellt, zuletzt befanden sich dort Büros und Produktionsstätten der Sächsischen Sandsteinwerke. Das Unternehmen gab diesen Standort aber vor einiger Zeit auf und verkaufte das Grundstück an die VKSH. „Wir nehmen der Stadt sozusagen eine Brache“, sagt Vater, „und geben ihr ein neues Stadtviertel zurück.“

Ursprünglich bestand der Wohnpark aus zwölf Häusern, in den vier Gartenvillen, sechs Parkvillen und zwei Stadtvillen gab es zunächst 89 Wohnungen. Doch in der Zwischenzeit wurden zwei der Parkvillen zu einem Gebäude zusammengelegt, darin entstehen spezielle Quartiere für betreutes Wohnen. Weil dafür eher kleinere Domizile gefragt sind, plante Seidel die Grundrisse noch einmal vollständig um, nunmehr gibt es in den Sandsteingärten 107 Wohnungen.

Lieferengpässe und Corona-Verzug

Mittlerweile werkeln die Arbeiter an allen Gebäuden. Die Besonderheit an diesem Wohngebiet: Erschließung und Hochbau laufen parallel, sonst eher unüblich. Bislang, sagt Falk Heinze, Geschäftsführer der „Karl Köhler Bauunternehmung“, wurden über 800 Tonnen Bewehrungsstahl und reichlich 6.000 Kubikmeter Beton verarbeitet. Der Rohbau ist weitgehend fertig, in Kürze ziehen die Innenausbau-Gewerke in die Gebäude.

Doch so ganz problemfrei verlief der Bau bislang nicht. Pandemiebedingt gab es Lieferengpässe bei einigen Materialien, vor allem der Stahl für die Geschossdecken war schwer zu haben. Das Coronavirus sorgte auch für Ausfälle bei der Belegschaft, zeitweise arbeiteten zehn bis 20 Prozent weniger Fachleute auf der Baustelle als üblich. „Daher sind wir etwa zwei Monate in Bauverzug“, sagt Vater.

Hinzu kam noch: Früher führte einmal ein Gleisanschluss auf das Gelände, davon zeugt noch eine alte Brücke über die Gottleuba, die aber im Zuge der Bauarbeiten abgerissen wird. Doch im Verlauf der Brücke liegen zwei riesige Kabel, die vor dem Abriss umverlegt werden müssen. Das klärte sich vor erst vor kurzem, sodass die beiden in unmittelbarer Nähe geplanten Gartenvillen erst jetzt in die Höhe wachsen können.

Darüber hinaus fiel auch das Richtfest, das traditionell das Finale des Rohbaus markiert, der Corona-Pandemie zum Opfer.

Alle Wohnungen sind verkauft

So führen die Bauherren die Wohnungseigentümer nun einzeln zu Besichtigungen über die Baustelle, das Interesse der künftigen Bewohner an diesem Angebot ist groß. Generell hat die Corona-Pandemie, die kurz nach Vermarktungsstart für die Sandsteingärten übers Land kam, der Nachfrage kaum Abbruch getan. Die „normalen“ Wohnungen sind längst alle verkauft, die Preise lagen zwischen 3.300 und 3.500 Euro je Quadratmeter. Für die Quartiere im betreuten Wohnen ist der Verkauf vor Kurzem angelaufen, auch da sind schon 50 Prozent der Domizile reserviert.

„Wir waren sehr erstaunt, dass die Sandsteingärten so positiv angenommen und die Wohnungen so schnell verkauft wurden“, sagt Vater. Etwa ein Drittel der Käufer stamme aus Pirna und der näheren Umgebung, ein Drittel aus Dresden, beim dritten Drittel handle es sich um Rückkehrer, die einst aus Pirna und der Region fortgingen, nun aber wieder hier leben wollen.

Für die Bewohner gibt es außerhalb der Häuser künftig viel Grün, Bäume, Beete und Rasenflächen werden das Wohngebiet zieren. Im Untergrund ruhen zwei Tiefgaragen, die größere umfasst eine Fläche von 4.000 Quadratmeter. Über spezielle Kanäle kann die Abluft entweichen, eine Absauganlage muss nicht extra installiert werden. Im unterirdischen Parkdeck wird es einmal 40 sogenannte Wallboxen geben, um E-Autos aufzuladen. Damit der Wohnpark nicht im Dunkeln liegt, falls alle Ladestationen belegt sind, gibt es ein spezielles Energiemanagement: Es zieht nachts nicht benötigten Strom aus den Häusern ab und speist damit die Wallboxen.

Bezugsfertig im Sommer 2022

Trotz des Bauverzuges halten die Investoren an einem bestimmten Ziel fest: Zum 30. Juni 2022 sollen die Quartiere bezugsfertig sein. Ob das zu schaffen ist, hängt vordergründig nicht davon ab, dass der coronabedingte Verzug aufgeholt wird. Es liegt vor allem daran, wie der Winter ausfällt, bei relativ mildem Wetter könnten die Bauleute durchweg arbeiten. Ansonsten könnten die Wohnungen auch vier bis sechs Wochen später fertig werden als geplant.

Wie die Häuser einmal aussehen werden, lässt sich an einer der Parkvillen schon gut erkennen, die finale graugrüne Farbe ziert dort bereits die Außenhaut, hervorstehende Bauteile sind dagegen in hellem Ton gehalten. Bei den Entwürfen setzte Architekt Uwe Seidel auf den Neoklassizismus, der Stil ähnelt der Bäderarchitektur an der Ostsee. Geprägt ist das Ganze von einer klaren, schnörkellosen und zeitlosen Formensprache. „Ich habe lange über den Architekturstil nachgedacht“, sagt Seidel, „und etwas gewählt, was man auch noch nach Jahren anschauen kann, ohne dass es alt wirkt.“