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Belgische Kunst im Robert-Sterl-Haus

Das Museum in Naundorf führt erstmals Arbeiten von Sterl und Constantin Meunier zusammen. Anlass ist ein runder Geburtstag.

Dr. Inga Remmers mit Bronzen und einem Gemälde von Constantin Meunier, Leihgaben des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, im Robert-Sterl-Haus in Naundorf.
Dr. Inga Remmers mit Bronzen und einem Gemälde von Constantin Meunier, Leihgaben des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, im Robert-Sterl-Haus in Naundorf. © Thomas Morgenroth

Ein belgischer Bergmann steht im Robert-Sterl-Haus und wartet auf den Beginn seiner Schicht. Der muskulöse Vierziger ruht in sich. Er konzentriert sich auf das, was vor ihm liegt: Schwerstarbeit. Am Ende des Tages wird das Schweißband unter seinem Hut nicht mehr weiß sein und sein Gesicht schwarz wie die Steinkohle, die er in mühsamer Handarbeit unter der Erdoberfläche aus dem Flöz schlägt.

Der „Bergmann mit dem Grubenbeil“ ist ein lebensgroßes Gemälde des belgischen Bildhauers und Malers Constantin Meunier (1831 – 1905). Es gehört zu einer Sonderausstellung in dem original erhaltenen Künstlerhaus in Naundorf in der Sächsischen Schweiz. Inga Remmers, die Leiterin des Museums, führt dort Bilder und Bronzen von Meunier mit Zeichnungen und Gemälden von Robert Sterl (1867 – 1932) zusammen. „Die Arbeiter im Blick“ heißt die Schau, die erstmals Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Künstler in ihrer Darstellung arbeitender Männer und Frauen aufzeigt.

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Besuch in Brüssel

„Komme soeben von Meunier und von seinen Arbeiten. Ich habe vollauf das gefunden, was ich mir vorgestellt habe“, schreibt Sterl am 12. November 1902 an seine Frau Helene in Dresden. Es ist die erste und einzige Begegnung Sterls mit Meunier. Sterl ist dafür extra nach Brüssel gereist. Was genau er bei dem von ihm bewunderten Kollegen fand, hat er leider nirgendwo notiert. Inspiration vielleicht oder Bestätigung. Aber die hat er längst: Wegen der engen inhaltlichen Verbindung, wird Sterl in der zeitgenössischen Presse als „sächsischer Meunier“ bezeichnet.

Sterl hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits intensiv mit dem Thema Arbeit beschäftigt: in Hessen mit der Feld- und Erntearbeit der Bauern, der Tätigkeit der Handwerker sowie dem Gewerbe der Töpfer, in der Sächsischen Schweiz mit der schweren körperlichen Arbeit der Steinbrecher. Meunier ist für seine Darstellungen der Bergarbeiter bekannt geworden – in Deutschland über die Internationale Kunstausstellung 1897 in Dresden, wo er auf Einladung von Georg Treu, dem Direktor der Skulpturensammlung, zwei Säle bespielen darf.

40 Jahre Museum

Anders als für Meunier sind für Sterl die Armut und das Elend der Arbeiter kein Thema. Er interessiert sich vielmehr für die Bewegungen, für die Kraft, die Muskeln, die Energien, die aufgebracht werden müssen, um unglaubliche Lasten zu bewegen. Sterls Arbeiter in den Steinbrüchen sind Teil eines Vorganges. Meunier hingegen widmet sich zwar auch der Arbeit, zudem aber in Gemälden und Skulpturen dem Individuum. Und er zeigt die Menschen zerlumpt und erschöpft nach der Schicht, ein Sujet, was bei Sterl gänzlich fehlt.

Mit der aufwendigen Ausstellung, zu der ein Katalog erscheint, feiert das Robert-Sterl-Haus den 40. Geburtstag des Museums. Der noch heute aktive Freundeskreis hatte sich dafür eingesetzt, Atelier und Wohnhaus des impressionistischen Malers und Akademieprofessors Robert Sterl der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Wechsel an der Spitze des Hauses

Mit der Idee, Meunier und Sterl in Naundorf zusammenzuführen, hatte sich Inga Remmers auf die Stelle der Leiterin des Sterl-Hauses beworben. Es wird nun ihr Abschiedsgeschenk: Nach nur einem Jahr verlässt sie Sachsen in Richtung Hessen. Sie übernimmt ab 1. Juni die Leitung des Stadtmuseums der Stadt Hofheim im Taunus.

Die Sammelstiftungen des Bezirkes Dresden, Träger des Sterl-Hauses, das jährlich um die 2.000 Besucher zählt, haben wohl bereits einen Nachfolger gefunden. Wer das sein wird, weiß Inga Remmers noch nicht. Er oder sie darf dann die belgischen Bergleute betreuen – und hoffentlich bald das Museum öffnen. Der Saisonstart, geplant für den 1. Mai, wie jedes Jahr, musste wegen der Restriktionen im Zuge der Corona-Pandemie verschoben werden.

Infos im Internet unter https://robert-sterl-haus.de/

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