merken
PLUS Pirna

Pirna: Stadtgraben bleibt unter Verschluss

Angesichts einer Großbaustelle an der Külzstraße gab es den Vorschlag, einen Teil der Wallanlagen freizulegen. Doch mehrere Gründe sprechen dagegen.

Einmündung Külzstraße/Gerichtsstraße: Ein guter Ort, um ein Teilstück des freigelegten Stadtgrabens zu zeigen.
Einmündung Külzstraße/Gerichtsstraße: Ein guter Ort, um ein Teilstück des freigelegten Stadtgrabens zu zeigen. © Daniel Schäfer

Es war ein großes und aufwendiges Bauvorhaben. Im August 2020 begannen die Stadtwerke Pirna, den 150 Jahre alten Mischwasserkanal an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße in der Innenstadt zu erneuern.

Saniert wurden 230 Meter des Bestandskanals, dabei zogen die Fachleute zwei Rohrleitungen übereinander liegend in den Sandsteinkanal ein.

Gesundheit und Wellness
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de
Gesundheit und Wellness auf sächsische.de

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit und Wellness haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Der bestehende Kanal wurde etwa 1870 im Zuge der Verfüllung des alten Stadtgrabens als sogenannter Steindeckerkanal - ein aus Sandsteinen gesetzter rechteckiger Kanal - errichtet.

Der alte Kanal liegt im Bereich des früheren Stadtgrabens, dort, wo sich jetzt der Grünstreifen entlang der Külzstraße befindet. Er ist Bestandteil des Pirnaer Kulturdenkmals "Sachgesamtheit Stadtmauer und Wallanlagen".

Aus diesem Grund durfte das Areal für die Kanalbauarbeiten nur punktuell aufgegraben werden, um die Eingriffe möglichst gering zu halten. Und doch entsprang diesem Bauvorhaben eine ungewöhnliche Idee - mit einem weitaus größeren Grabe-Potenzial.

Neuer Anziehungspunkt für Pirnaer und Gäste

Die Großbaustelle nahe dem einstigen Stadtgraben veranlasste die beiden Stadträte der Wählervereinigung "Pirnaer Bürgerinitiativen", Bernd Köhler und Walter Matzke, zu dem Vorschlag, etwas von dem verschütteten historischen Erbe wieder freizulegen.

Schon vor Monaten stellten sie einen Antrag mit folgendem Begehr: Die Verwaltung wird beauftragt, ein Projekt zu erarbeiten, das es ermöglicht, den historischen Stadtgraben auf einem kleinen Teilstück wieder zu öffnen, sichtbar zu machen und dieses Projekt zu realisieren.

Weil zu dieser Zeit ohnehin in diesem Bereich gearbeitet wurde, war dies aus Sicht der beiden Abgeordneten eine günstige Gelegenheit, dabei gleich einen Teil des Grabens freizulegen.

Damit, so argumentierten sie, würde der historischen Altstadt ein weiteres, sehenswertes Stück Stadtgeschichte hinzugefügt, welches für Bewohner und Besucher ein neuer Anziehungspunkt wäre.

Als Standort wäre der Bereich an der Einmündung Külzstraße/Gerichtsstraße geeignet, da dort eine unmittelbare Verbindung zum Markt bestehe. Der Stadtrat stimmte diesem Antrag im März mit 16 Ja- gegen sechs Nein-Stimmen zu.

Das Problem allerdings: Aller Voraussicht nach wird aus diesem Vorhaben trotz des positiven Votums nichts.

Stadtwerke-Baustelle an der Külzstraße in Pirna: Teile des Stadtgrabens tauchten bei der Buddelei nicht auf.
Stadtwerke-Baustelle an der Külzstraße in Pirna: Teile des Stadtgrabens tauchten bei der Buddelei nicht auf. © Archiv: Daniel Schäfer

Stadtgraben taucht nicht auf

Einerseits wurden die Bauarbeiten inzwischen beendet, Teile des alten Stadtgrabens tauchten dabei nicht auf. Und es gibt eine Reihe von Gründen, die ein solches Projekt schon im Ansatz zunichtemachen.

Das Rathaus hatte schon zum Jahresanfang empfohlen, dem Antrag der beiden Stadträte nicht stattzugeben. Es sei noch gar nicht erwiesen, so argumentierte die Stadt, dass in diesem Teilstück ein verwertbarer Anteil des Denkmals zum Vorschein komme.

Zudem bedürfe die eine Öffnung ab einer Tiefe von einem Meter einer Absturzsicherung, also eines Geländers. Aber keiner könne die Tiefe des Stadtgrabens in diesem Bereich genau benennen. Schätzungen gingen davon aus, dass die Sohle des Grabens reichlich vier Meter unter der Geländeoberkante liegt.

Zudem, so die Stadt, seien die Folgekosten, beispielsweise für Pflege und Müllentsorgung, zu beachten.

Und lege man tatsächlich einen Teil des Stadtgrabens frei, werde somit in das bestehende Gartendenkmal - der Grünstreifen an der Külzstraße - eingegriffen, was nicht gerechtfertigt sei.

Überdies seien im Bereich des ehemaligen Stadtgrabens unterirdisch verschiedene Leitungen in unterschiedlichen Tiefen verlegt, die einer Öffnung entgegenstünden. Denn müssten sie umverlegt werden, hätte das erhebliche Kosten zur Folge.

Nicht den Grünstreifen zerstören

Und noch aus anderen Gründen bleibt der Stadtgraben wohl dauerhaft unter Verschluss. Nach Aussage der Stadt lasse sich der vom Stadtrat beschlossene Antrag in dieser Form nicht umsetzen.

Denn einer Freilegung müssten sowohl das Landesamt für Denkmalpflege (LfD) als auch das Landesamt für Archäologie (LfA) zustimmen. Beide Behörden lehnen den Eingriff aber ab.

Laut des LfD sei das ausgewiesene Denkmal der Pirnaer Wallanlagen eine nach Abbruch der ursprünglichen Stadtbefestigung gartenkünstlerisch gestaltete Promenadenanlage - die zugleich den Verlauf der alten Stadtbefestigung markiere.

Eine Kombination von offenem Stadtgraben und Promenade sei aufgrund der Lage auf gleicher Linie nicht ohne Zerstörung des gewachsenen Kulturdenkmals möglich. Insofern stünde der Denkmalschutz einer Freilegung entgegen.

Furcht vor Vandalismus

Auch das LfA lehnt das Projekt ab. Werde der Stadtgraben nicht von der Baugrube der Stadtwerke erfasst, so die Behörde, seien weitere Überlegungen überflüssig. Denn das Landesamt würde ein erweitertes "Suchschürfen", um den Graben zu finden, ablehnen.

Überdies sei eine Sichtbarmachung des Stadtgrabens generell mit einigen Schwierigkeiten behaftet. So sei ein offener Graben nur ungenügend gegen die Witterung geschützt. Insbesondere der Frostschutz müsste optimiert werden, damit die Substanz keinen Schaden nimmt.

Zudem befürchtet das LfA, dass ein offener Graben schnell vermüllen und zum Opfer von Vandalen werden könnten. Schütze man aber den archäologischen Befund mit Glas, müsse der Graben aufwendig belüftet werden, um Schimmel und Pilzbefall zu vermeiden.

Zugleich liefert die Behörde einen Alternativvorschlag: Eine hochwertige Info-Tafel mit Erklärungen und guten Bilden zum Befestigungswesen nach historischen Quellen und archäologischen Befunden, so das LfA, sei die weitaus sinnvollere Art der Information.

Mehr zum Thema Pirna