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Sandstein und Musik ohne Bläserweihnacht

Nur sieben von 27 Konzerten des Festivals konnten wegen der Restriktionen im Zuge der Corona-Pandemie stattfinden. Die Bilanz ist ernüchternd.

Ludwig Güttler im vergangenen Jahr bei einem Konzert in der Marienkirche in Pirna.
Ludwig Güttler im vergangenen Jahr bei einem Konzert in der Marienkirche in Pirna. © Thomas Morgenroth

In den vergangenen beiden Jahren sang Ludwig Güttler zum Abschluss der Bläserweihnacht in der jeweils zweimal ausverkauften Marienkirche in Pirna mit dem Publikum die erste und die zweite Strophe des Weihnachtsliedes „Es ist ein Ros entsprungen“. Sehr zur Freude des Dirigenten und Trompeters wuchs der Chor an jedem Abend auf 1.300 Stimmen an. Im nächsten Jahr sei die dritte Strophe dran, sagte Güttler gut gelaunt im Dezember 2019.

Ein Versprechen, das der 77-jährige Dresdner Musiker nun nicht einlösen darf. Die Bläserweihnacht, der traditionelle Abschluss des Festivals Sandstein und Musik, ist ersatzlos abgesagt. Wie auch alle anderen Konzerte, die im November und Dezember stattfinden sollten. Überhaupt wird der 28. Jahrgang als ein Desaster in die Geschichte des Festivals eingehen – bei dem es nur ein einziges Konzert mit Ludwig Güttler gab, des Mitbegründers und künstlerischen Leiters von Sandstein und Musik. Eine Einmaligkeit, die mit der gestrichenen Eröffnung, die am 21. März mit Güttlers Virtuosi Saxoniae in der Marienkirche sein sollte, ihren Anfang nahm.

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Damals untersagte das Landratsamt Pirna alle Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 100 Personen, mit der Begründung, eine Ausbreitung des Coronavirus bremsen zu wollen. Diese Verfügung trat am 11. März in Kraft, viel zu knapp für die veranstaltende Festivalkultur Sächsische Schweiz, um noch irgendetwas zu richten. Zudem sprach im Frühjahr noch keiner von Hygienekonzepten, nur von Verboten. Die Genehmigung zu Konzerten mit Auflagen gab es erst viel später, rettete das Festival aber nicht mehr.

Immer wieder musste Geschäftsführer Martin Steude den Saisonstart verschieben. Nach einem außerplanmäßigen Sonderkonzert im Juli in Hellerau mit Teilnehmern des Wettbewerbs „Jugend musiziert“, wollte Ludwig Güttler am 30. August mit einem Sonderkonzert in der Stadtkirche Königstein das Festival endlich eröffnen. Fünfzehn Konzerte waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits ausgefallen. Eine Woche lang hatte Steude mit dem Regionalkirchenamt Dresden und dem Gesundheitsamt des Landkreises geackert, um ein genehmigungsfähiges Konzept auf die Beine zu stellen – für maximal 190 Gäste.

Das Konzert war gerade ausverkauft – da musste Ludwig Güttler krankheitsbedingt absagen. Das Festival startete dann mit dem regulären 16. Konzert auf Schloss Weesenstein, das wegen der staatlichen Restriktionen zweigeteilt werden musste. Sandstein und Musik gastierte danach noch in Tharandt, zweimal in Bad Schandau und in Lohmen, bevor Ludwig Güttler am 4. Oktober mit seinen Blechbläsern in der Marienkirche in Dohna 220 Gäste erfreuen konnte. Es war das Abschlusskonzert des 28. Jahrgangs, was zu diesem Zeitpunkt freilich noch keiner wusste.

Vergangenen Mittwoch hat die Festivalkultur die restlichen Konzerte für dieses Jahr abgesagt. „Das tut schon weh“, sagt Geschäftsführer Steude. Die Auflagen der Behörden umzusetzen, sei organisatorisch nicht mehr machbar. Zudem gebe es keinerlei Garantien, dass die Veranstaltungen überhaupt stattfinden dürfen. Gerade ist ja wieder alles verboten. „Wir können nicht ständig die Systeme hoch und runter fahren.“ 

Das mache auch das Publikum nicht mit, das total verunsichert sei. „Deshalb ist jetzt Schluss“, sagt der 59-Jährige.

So haben also nur sieben von 27 Konzerten und ein Sonderkonzert stattgefunden, mit insgesamt 870 Besuchern – im vergangenen Jahr waren es um die 8.000. Was das finanziell bedeutet, sei noch nicht klar, sagt Steude. Die meisten Sponsoren aber seien nicht abgesprungen, auch der Freistaat stehe zu seiner Förderung. 

Die Festivalkultur verantwortet auch das Schostakowitsch-Festival in Gohrisch, das 2020 nur als Stream im Internet stattfand.

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Eventuell, sagt Steude, wäre das eine Möglichkeit, um die diesjährige Bläserweihnacht wenigstens virtuell zu retten. Ludwig Güttler könnte dann mit seinem Publikum vor den Bildschirmen die dritte Strophe von „Es ist ein Ros entsprungen“ singen. Allerdings wäre der Chor nicht zu hören. Vielleicht warten wir dann doch lieber auf den nächsten Advent. Die Planungen für das 29. Festival, sagt Steude, würden bereits auf Hochtouren laufen.

Am 27. November ist Ludwig Güttler zu Gast in der Sendung „Riverboat“ des MDR-Fernsehens und will dort auch etwas zu Sandstein und Musik sagen.

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