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Mann schubst schwangere Frau auf Gleise

Ein 25-Jähriger soll seine Frau zur Abtreibung gedrängt haben. Nun steht er in Pirna wegen Körperverletzung, Entziehung Minderjähriger und Nötigung vor Gericht.

Symbolbild.
Symbolbild. © André Braun/Döbelner Anzeiger

Von Friederike Hohmann

Die sorgfältig geschminkte junge Frau wirkt während der mehrstündigen Zeugenvernehmung sehr nervös. Oft nickt sie nur als Antwort, knetet die lackierten Fingernägel. Jetzt, als die Richterin sie aus dem Zeugenstand entlassen will, möchte sie noch etwas sagen. Sie habe Angst, denn sie werde bedroht. Die Mutter des Angeklagten hätte einer Bekannten gesagt, dass ihr etwas zustoßen werde, wenn ihr Sohn nach der Verhandlung zurück ins Gefängnis muss. Sie bittet deshalb noch vor Gericht um Polizeischutz. 

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Draußen auf dem Gang warten ihre fünf und sieben Jahre alten Söhne. Der Kleinere greift nach dem Rock der Mutter, als diese aus dem Gerichtssaal kommt. Sie solle sofort die Polizei rufen, wenn sie sich ernsthaft bedroht fühle, sagt die Staatsanwältin und gibt der jungen Mutter auch ihre Telefonnummer. Als die Zeugin mit ihren Kindern und in Begleitung mehrerer Freundinnen das Pirnaer Amtsgericht verlässt, warten gegenüber an einem Parkhaus mehrere junge Männer. Sie lassen den Ausgang des Gerichts nicht aus den Augen. Auch sie werden beobachtet: von den Wachtmeistern des Gerichts. Sie behalten die Gruppe so lange im Blick, bis die Zeugin weggefahren ist.

In den Bauch getreten und bedroht

Die 28-jährige Frau, die aus Syrien stammt, hat zuvor Wais A. vor Gericht schwer belastet. Im Dezember 2019 hatte sie Wais A. in Dresden nach islamischem Recht geheiratet und damit eine nach deutschem Recht unwirksame Ehe geschlossen - zuvor hätten sie standesamtlich heiraten müssen. Weil Waid A. mit ihr auch ein gemeinsames Kind haben wollte, hätte sie sich von ihrer Frauenärztin beraten lassen und Medikamente eingenommen, um schwanger zu werden. Als sie schon ahnte, schwanger zu sein, hätte er es sich plötzlich anders überlegt. Seinen Sinneswandel könne sie sich bis heute nicht erklären. Als sie ihm, selbst noch glücklich, im August dieses Jahres vom positiven Testergebnis erzählte, hätte er von ihr verlangt, das Kind abzutreiben. 

Es sei zu einem heftigen Streit gekommen. Wais A. habe ihr dabei auch in den Bauch getreten. Am 17. August habe sie ihm dann mitgeteilt, dass sie mit den Kindern zu ihrer Frauenärztin nach Neustadt/Sa. fahren wolle. Am Haltepunkt Pirna-Copitz hätte er auf sie gewartet. Dort sei es zu einem weiteren Streit gekommen. Der Angeklagte hätte sie nur wenige Minuten vor der Einfahrt des Zuges auf die Bahngleise geschubst und ihr anschließend die Kinder weggenommen. Wais A. ist nicht deren Vater. Die junge Frau hätte danach vergeblich Hilfe bei seinen Eltern gesucht. Die Schwiegermutter hätte sie jedoch aus dem Haus geworfen. 

Kinder als Druckmittel

Waid A. bestreitet das alles über seinen Anwalt. Der versucht, die Zeugin in Widersprüche zu verwickeln und fragt sie, ob nicht sie diejenige gewesen sei, die das Kind habe abtreiben wollen. Die Zeugin erlaubt dem Gericht, den Chatverlauf mit Schrift- und Sprachnachrichten von der Nacht vom 17. zum 18. August auf ihrem Handy mit Hilfe des Dolmetschers nachzuvollziehen. Auf ihre Nachricht „Ich werde unseren Sohn nach dem, was passiert ist, nicht behalten“ antwortet er: „Das ist Gerede, ich brauche Taten.“ Sie schreibt: „Mal würgst du mich, mal schmeißt du mich auf die Gleise. Ich soll eine taube, blinde Frau sein, eine Sklavin… Denke nicht, dass ich das zulassen werde und dass ich schwach bin.“ Er antwortet: „Das alles wird dir nichts nützen. Du kennst meinen Wunsch.“ Immer wieder bettelt sie, dass er ihre Kinder zurückbringt. Er droht ihr, dass sie sie nicht wiedersehen wird, wenn sie nicht tut, was er von ihr erwartet. Man hört die Verzweiflung in ihrer Stimme, als sie ihn immer wieder anfleht, ihre Kinder zurückzubringen. Auch jetzt im Gerichtssaal kämpft die Mutter mit den Tränen, als sie das hören muss.

Er habe ihr die Kinder dann zwar gebracht, ihr gleichzeitig aber die Wohnungsschlüssel weggenommen und sie mit einem Messer bedroht. Am nächsten Tag bedrohte Waid A. sie noch einmal. Diesmal war ihre Freundin dabei und rief die Polizei. Die Freundin und weitere Zeugen sollen an weiteren Verhandlungstagen vom Gericht befragt werden. Der Angeklagte bleibt bis dahin weiter in Untersuchungshaft.

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