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Pirna ist wieder Kinofilm-Kulisse

Harriet und Peter Meining drehen den Streifen "Der Kopf der Katze" - eine düstere Vision mit einer prominenten Hauptdarstellerin.

Hauptdarsteller Oskar Brandt, Rosa Henriette Löwe, Petra Schmidt-Schaller (v.l.): Eine Welt im Ausnahmezustand.
Hauptdarsteller Oskar Brandt, Rosa Henriette Löwe, Petra Schmidt-Schaller (v.l.): Eine Welt im Ausnahmezustand. © Daniel Schäfer

Alles liegt jenseits der Idylle, jenseits der vorherrschenden Moral, die Figuren, der Schauplatz, die Geschichte. Eine Mutter lebt mit ihrer siebenjährigen Tochter in einem einsamen Haus, isoliert, ohne Nachbarn, erst später gesellt sich ein schweigsamer Junge hinzu, dann spitzt sich alles zu. 

Eine der drei Figuren wird nicht überleben, am Ende kommt der Tod, fast zwangsläufig, aber nicht gewaltsam. Getötet wird eher aus Menschlichkeit, aus dem letzten bisschen Gerechtigkeitsgefühl heraus, was noch vorhanden ist. 

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So düster, so abgründig kommt der Plot des neuen Kino-Kurzfilms "Der Kopf der Katze" daher, der in Pirna entsteht, produziert von "42 Film" aus Halle und "MauserFilm" aus Dresden. 

Zehn Drehtage sind geplant, dann soll alles im Kasten sein. Die Hauptrolle spielt Petra Schmidt-Schaller, längst ein großer Name in Kino und Fernsehen, wo sie unter anderem in mehreren Tatort-Folgen an der Seite von Wotan Wilke Möhring zu sehen war. Die Filmtochter wird gespielt von Rosa Henriette Löwe, den Part des schweigsamen Jungen, im Film "Hund" genannt, übernimmt Oskar Brandt.

Gedreht wird im Stellwerk Rottwerndorf

Der Film spielt an einem fiktiven Ort, realer Drehort ist das ehemalige Befehlsstellwerk Pirna-Rottwerndorf, gelegen an der einstigen Bahnstrecke von Pirna nach Bad Gottleuba. Von hier aus wurden früher Weichen und Signale gestellt, nach dem Aus der Bahntrasse stand es lange leer und verfiel.

Inzwischen ist das Haus saniert, man kann es als Ferienhaus mieten. Die Architektur ist schlicht, aber dennoch ungewöhnlich, besonders die schräge Fensterfront, die einmal zu den Gleisen zeigte, prägt das Gebäude. 

Den Filmemachern schien das Gebäude im Stadtteil Alt-Rottwerndorf wie geschaffen für den neuen Streifen. Es ist spartanisch, aber modern eingerichtet, es wirkt ein wenig bedrückend, es steht allein mitten im Grünen, ringsum gibt es einen großen Garten.

Dass aus der beklemmenden Filmwelt nichts nach außen dringen soll, dass sich Mutter und Tochter abschotten, macht schon die Kulisse deutlich. Den Eingang des Grundstücks verschließt ein schweres Eisentor, die Zäune sind obenauf mit Stacheldraht gespickt, im Garten steht ein Käfig - für wen auch immer. Neben dem Haus es gibt gut geschützte Beete, um sich mit dem Notwendigsten selbst zu versorgen. 

Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller: Das Thema des Films "Der Kopf der Katze" hat mich sehr gereizt.
Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller: Das Thema des Films "Der Kopf der Katze" hat mich sehr gereizt. © Daniel Schäfer
Regisseur Peter Meining: Es bleibt dem Zuschauer überlassen, wie er die Bedrohung interpretiert.
Regisseur Peter Meining: Es bleibt dem Zuschauer überlassen, wie er die Bedrohung interpretiert. © Daniel Schäfer
Regisseurin Harriet Maria Meining: Das Drehbuch entstand schon im November 2019.
Regisseurin Harriet Maria Meining: Das Drehbuch entstand schon im November 2019. © Daniel Schäfer
Drehort altes Stellwerk: Stacheldraht auf dem Grundstückszaun. 
Drehort altes Stellwerk: Stacheldraht auf dem Grundstückszaun.  © Daniel Schäfer
Filmlicht am alten Stellwerk: Das Haus wirkt ein wenig bedrückend.
Filmlicht am alten Stellwerk: Das Haus wirkt ein wenig bedrückend. © Daniel Schäfer

Film-Debüt heimst viele Preise ein

Das Drehbuch stammt von Harriet Maria Meining, Jahrgang 1967, und Peter Meining, Jahrgang 1971, aus Dresden, die beiden führen auch Regie. Hinter der Kamera steht Tochter Rebecca Meining.

Seichte Kost war ihre Sache noch nie, alles ist abgründig, hintergründig, provokant. Seit 1993 entwickelt das Paar Meining gemeinsam Theaterinszenierungen, Performances, Experimentalspielfilme, Videoinstallationen, Kunstaktionen und Hörspiele. Einen Großteil dieser Produktionen realisierten sie unter dem Namen "norton.commander.productions".

Seit 2017 widmen sich Harriet Maria und Peter Meining ausschließlich der Filmarbeit und gründeten die Firma "MauserFilm", um Kurz- und Langspielfilme sowie Serienkonzepte zu entwickeln. Meinings debütierten 2019 mit ihrem Erstling "Falter", auch ein Kurzfilm, unter anderem mit André M. Hennicke und Bernhard Schütz in den Hauptrollen. Der Streifen beschreibt die romantischen Anfänge eines posthumanen Zeitalters, er lief weltweit auf 25 Festivals und heimste 15 Preise ein. 

Verzicht, Askese und drakonische Strafen

Im Werk "Der Kopf der Katze" widmen sie sich nun erneut der Zukunft, diesmal aber in anderer Form. 

Der Film offeriert eine Welt im Ausnahmezustand, die außerhalb eines geschützten Raumes, in dem Mutter und Tochter leben, entweder bereits entsteht oder droht zu entstehen. Ob die Welt der Mutter dieser Ausnahmezustand ist, ob eine Paranoia dahintersteckt, eine Apokalypse bevorsteht, eine Bedrohung tatsächlich existiert - das alles lässt der Film offen. "Es bleibt dem Zuschauer überlassen, wie er es interpretiert", sagt Peter Meining.

In ihrer Welt bereitet die Mutter ihre siebenjährige Tochter auf eine unbekannte Zukunft vor, mit befremdlichen Erziehungsmethoden, Verzicht, Askese, drakonischen Strafen, Arbeit, Ertüchtigung. 

Offenkundig ist in der Welt der Mutter etwas aus den Fugen geraten, ein Problem, mit denen sich aus Sicht der Regisseure vor allem Helikoptermütter in einer Zeit der Pandemie-Panik oft konfrontiert sehen. 

Der Tochter indes fehlt, da es keinen anwesenden Vater oder andere Personen gibt, ein vergleichbarer Wertekompass. Sie kann die Forderungen der Mutter nicht infrage stellen, auch wenn sie gegen instinktive Bedürfnisse verstoßen. Im Film geht es auch im die Grundfragen der Moral und was passiert, wenn sich die Parameter für moralische Entscheidungen ändern und verschieben. 

Lange Zeit leben Mutter und Tochter isoliert. Doch als das Kind ein Geschenk bekommt, ändert sich auf einmal alles.

Die aktuelle Corona-Pandemie war nicht Auslöser für den Film, das Drehbuch entstand bereits im November 2019. "Doch nun hat uns die Realität eingeholt, die Zuspitzung war auf einmal da", sagt Peter Meining. 

Der Film soll international auf Festivals laufen

Das Drehbuch schickten Meinings an ihre Wunsch-Darstellerin Petra Schmidt-Schaller, selbst Mutter einer Tochter. Nachdem sie es gelesen hatte, sagte sie für den Film zu. "Wir transportieren ja unsere Werte als Eltern auf die Kinder und müssen uns dabei immer hinterfragen, was richtig ist", sagt die Schauspielerin. Es habe sie sehr gereizt, dieses Thema filmisch umzusetzen. 

Wenn die Szenen in Pirna abgedreht sind, wollen Meinings den Film so schnell wie möglich fertigstellen. Wann er allerdings zu sehen sein wird, steht noch nicht fest. Wegen der Corona-Pandemie ist alles noch ungewiss. 

Die Regisseure wollen sich mit dem Streifen bei vielen Filmfestivals bewerben, auch international. "Entscheiden können wir das aber erst im nächsten Jahr, wenn wir wissen, welche Festivals überhaupt stattfinden", sagt Peter Meining. 

Etwas anderes scheint hingegen schon festzustehen: die weitere Zusammenarbeit von Meinings mit Petra Schmidt-Schaller. "Es macht riesengroßen Spaß, mit den beiden zu arbeiten", sagt die Schauspielerin, "in Zukunft möchte ich gern noch viel mehr mit ihnen drehen."

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