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Pirna verbannt Verkehr vom Markt

Testweise soll die Durchgangsroute am Rathaus gesperrt werden - allerdings erst im kommenden Jahr.

Blick auf den Pirnaer Markt: Aus der Route entlang des Rathauses wird 2021 eine Sackgasse.
Blick auf den Pirnaer Markt: Aus der Route entlang des Rathauses wird 2021 eine Sackgasse. © Daniel Schäfer

Seit fast drei Jahrzehnten wogt in Pirna eine Debatte darüber, wie der Markt weitgehend autofrei werden könnte. Mehrfach schon wurde dieses Ziel in verschiedenen Verkehrsentwicklungsplänen (VEP) verankert.

Nachdem sich in dieser Hinsicht lange nichts tat, sollte es nun ganz schnell gehen. In diesem Jahr ploppte das Thema erneut auf, Stadtrat André Liebscher brachte im Frühjahr einen entsprechenden Antrag im Rat ein. Im Juli beschloss das Kommunalparlament dann, den Markt sowohl für den fließenden als auch für den ruhenden Individualverkehr testweise zu sperren. 

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Die Linken drängten darauf, rasch mit dem Versuch zu beginnen, möglichst schon im August, um Ferienzeiten und normale Zeiten in den Test einzubeziehen. 

Doch so einfach funktioniert das nicht. Die Stadt sah sich außerstande, den Versuch in so kurzer Zeit seriös vorzubereiten. Zudem sollten nach Aussage des Rathauses die Testergebnisse nicht durch Baustellen im angrenzenden Straßennetz verfälscht werden, zumindest die B 172 und die Maxim-Gorki-Straße sollten in diesem Zeitraum frei sein.

Auf der Gorkistraße verlegen die Stadtwerke aber derzeit eine Fernwärmeleitung, die Trasse ist Einbahnstraße, es gibt dadurch mehr Stau als sonst in der Innenstadt. Somit kommt die Strecke als Alternativroute für die Marktdurchfahrt derzeit nicht in Betracht - und da sollte nicht auch noch der Markt dicht sein.

Bauarbeiten riegeln den Markt ohnehin ab

Feststeht aber nun: Der Versuch kommt, allerdings erst im kommenden Jahr. Pirna hatte im Vorfeld bei den Stadtwerken geplante Bauarbeiten im Zentrum abgefragt, um den Test dann mit den dadurch ohnehin einhergehenden Einschränkungen zu kombinieren.

So werden 2021 sowohl der Kanal auf der Badergasse als auch auf der Schloßstraße saniert, die Schloßstraße wird voraussichtlich von April bis September 2021 gesperrt.

Zudem dauert die Kanalsanierung auf der Külzstraße bis Juni 2021, wobei der Tischerplatz teilweise abgeriegelt werden muss. 

Mit dieser Kenntnis legt die Stadt den Verkehrsversuch "Autofreier Markt" in den Zeitraum ab April 2021, der Test soll bis zu zwölf Wochen dauern. 

Das Rathaus wird nun ein Konzept dafür erarbeiten. Gemeinsam mit dem Verein "Citymanagement Pirna" befragt die Stadt Einzelhändler und Gastronomen im Marktbereich, unter anderen werden dabei die notwendigen Anlieferwege ergründet. Die Ergebnisse will die Stadt im November dem Beirat für Stadtentwicklung und Lokale Agenda und anschließend dem Stadtrat vorstellen.

Wird aus dem Versuch eine Dauerlösung?

Der Versuch verfolgt mehrere Ziele: "Damit wollen wir ergründen, ob und wie sich der Plan von einem verkehrsberuhigten Markt realisieren lässt", sagt André Liebscher. Der Test soll auch ausloten, wie die Pirnaer und ihre Gäste das Vorhaben akzeptieren, wie er Handel und Gastronomie am Markt beeinflusst und wie sich der geänderte Verkehrsfluss auf das übrige Verkehrsgefüge in der Stadt auswirkt - noch ehe die Südumfahrung fertig ist. Daraus soll sich ableiten, ob und wann Pirna den Markt dauerhaft für den Durchgangsverkehr dicht macht. 

Zuspruch zum Antrag der Freien Wähler kommt von den Linken, von der CDU und von der Fraktion "Bündnis 90/Die Grünen/SPD, die einen solchen Versuch ebenfalls für längst überfällig halten. 

Die AfD-Fraktion hingegen kritisiert den Test, vor allem deswegen, weil sie Nachteile für am Markt ansässigen Händler und Gastronomen befürchtet, sollten dann weniger Gäste mit dem Auto auf den Markt kommen. 

Ein Schleichweg wird gekappt

Bei dem Test geht es allerdings nicht darum, den Markt für jeglichen Verkehr abzuriegeln, vielmehr will Pirna den Durchgangsverkehr für eine Weile unterbinden. Bislang gilt die Strecke von der Badergasse vorbei am Rathaus und über die Schloßstraße als Schleichweg in Richtung Sonnenstein, um die Staus in der Innenstadt zu meiden. 

Während des Versuchs sollen die derzeitigen Parkplätze bestehen bleiben. Auch Anwohner, Lieferverkehr und Rettungsfahrzeuge können den Markt weiterhin erreichen. Wenn der Durchgangsverkehr unterbrochen wird, soll es Wendemöglichkeiten an der Nordwestseite (Schuh-Eppstädt/Tchibo) sowie an der Schloßstraße geben.

Planer votieren für den Test

In mehreren Verkehrsentwicklungsplänen ist bereits das Ziel dokumentiert, die Altstadt grundsätzlich von Verkehr und Verkehrslärm zu entlasten und den Markt vom Individualverkehr zu befreien. Ebenso ist vorgesehen, die Fußgängerzone auf die nordöstliche Seite (vor dem Tom-Pauls-Theater) auszuweiten.

Verkehrsplaner sehen den Versuch sehr wohlwollend. Das Dresdner Ingenieurbüro "VKT", das im Auftrag der Stadt den Verkehrsentwicklungsplan 2030 modifiziert, sieht in der Sperrung des Marktes ein zentrales und für die Innenstadtentwicklung sehr wichtiges Projekt. Die Planer befürworten den Test ausdrücklich. Dieser Versuch sei überdies keinesfalls ein Vorgriff auf noch ausstehende Planungen der Ingenieure, auch sei er für die VEP-Modifizierung völlig unschädlich. 

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