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Rentner helfen in Kitas mit

In Freital ist der Personalmangel besonders groß. Die Stadt setzt auf zielgenaue Werbe-Maßnahmen.

Angelika Mergner ist Rentnerin und arbeitet trotzdem noch in einer Kita in Freital als Erzieherin.
Angelika Mergner ist Rentnerin und arbeitet trotzdem noch in einer Kita in Freital als Erzieherin. © Oberthür

Dieser Arbeitsweg ist ihr sehr vertraut. Dabei müsste ihn Angelika Mergner gar nicht mehr gehen. Die gelernte Erzieherin bezieht bereits Altersrente. Dennoch hat sie wieder einen Arbeitsvertrag mit der Stadt Freital abgeschlossen. Zweimal die Woche arbeitet sie für ein paar Stunden in der Kindertagesstätte "Kinderland am Wiesenhang". 

Gerade guckt sie mit einem Kind ein Buch an. "Meist begleite ich die Schwimm-Kinder, wenn sie zum Hains fahren", sagt Mergner. Das wird zwar unter den aktuellen Corona-Bedingungen nicht mehr möglich sein, aber dann gibt es eben etwas anderes zu tun. Die städtische Einrichtung ist für die Unterstützung sehr dankbar.

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Nach Kündigung Anfang der 90er Umschulung gemacht

Für Angelika Mergner war es eine Herzensangelegenheit, nach einer jahrelangen Pause doch noch mal mit Kindern zu arbeiten. Erzieherin war ihr Wunschberuf. Doch weil nach der politischen Wende 1990 die Zahl der Geburten abrupt gesunken war, wurden plötzlich viel weniger Beschäftigte in Kinderkrippen und Kindergärten gebraucht. 

Im Jahr 1995 erwischte es dann auch Mergner. Die Stadt Freital hatte ihr betriebsbedingt gekündigt. In der Kita an der Schreberstraße in Birkigt wurde sie nicht mehr gebraucht. Die damals 40-Jährige setzte sich noch mal auf die Schulbank und absolvierte eine dreijährige Ausbildung zur Krankenschwester. "Da war ich nicht die einzige Ältere in dem Jahrgang", sagt sie.

Danach arbeitete die Freitalerin im Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt. Gern wollte sie Menschen helfen, freute sich, wenn Patienten wieder gesund die Klinik verlassen haben. Aber auch Leid und Tod waren tägliche Begleiter. Bis zum Schluss war sie in drei Schichten im Einsatz. Im Oktober 2019 gab es dann die berufliche Vollbremsung. Von maximalem Stress ging es in die Altersrente.

Arbeit in der Freitaler Wunsch-Kindertagesstätte

"Das fühlte sich für mich irgendwie nicht richtig an", sagt Angelika Mergner. Für sie war mit ihrem letzten Arbeitstag im Krankenhaus der "Kreis noch nicht geschlossen", wie sie es formuliert. Zu schön waren die Erinnerungen an die Arbeit mit den Kindern in Freital. Dass die Stadt erziehrinnen braucht, wusste sie. Ihre Tochter ist auch Erzieherin. Aber ob auch Rentnerinnen gefragt waren?

Sie stiefelte direkt ins Sozialamt in Freital-Deuben und fragte einfach mal nach. Da empfing man die ausgebildete Erzieherin mit offenen Armen. Sie wollte nicht in den Hort, sondern mit kleineren Kindern arbeiten. Außerdem wünschte sie sich, wieder in der Einrichtung an der Schreberstraße zu arbeiten. Beides klappte.

Dort, wo sie vor 30 Jahren schon Kinder betreute, ist jetzt das Christliche Kinderhaus Samenkorn beheimatet. Am Gebäude wird gerade gebaut. Auf der anderen Straßenseite befindet sich die städtische Kita, in der Angelika Mergner nun fünfeinhalb Stunden die Woche arbeiten geht. "In der Umgebung kenne ich mich bestens aus. Ich freue mich, dass das so geklappt hat", sagt die 65-Jährige, die jetzt in Gompitz wohnt.

Botschaft an unzufriedene Erzieherinnen in Dresden

In Freital hat hauptsächlich der erfreuliche Zuzug von vielen Familien dazu geführt, dass es einen enormen Bedarf an Personal in Kindertagesstätten und Horten gibt. Im gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stieg die Zahl der Kinder im Kita-Alter von 2015 bis 2019 um rund 1.600. Entsprechend mussten mehr Kita-Plätze geschaffen und das nötige Personal gefunden werden. Die Kommunen haben dabei auch kaum Ermessensspielraum, denn die Eltern haben seit 2013 ein Recht auf einen Betreuungsplatz für ihre Sprösslinge. Aktuell liegen dem Landratsamt tatsächlich eine  Klagen von Eltern vor, denen in ihrer Wohnort-Kommune kein Platz zur Verfügung steht.

In Freital hat sich die Lage seit vergangenem Sommer etwas stabilisiert. Es gab 23 Neueinstellungen, mit denen 17 sogenannte Vollzeit-Äquivalente als Planstellen besetzt werden konnten. Damit zahlt sich die massive Werbe-Kampagne der Stadt offenbar aus. So wurden zahlreiche Spots im Radio geschaltet. Rentner gehörten aber nicht explizit zu den Zielgruppen, heißt es aus dem Rathaus.

Im neusten Spot weist Freital ausdrücklich darauf hin, dass man in der Stadt auch gern in Vollzeit arbeiten kann. Möglicherweise spricht das unzufriedene Erzieher und Erzieherinnen in Dresden an. Dort wurde im Oktober entschieden, dass nur noch bis zu 32 Wochenstunden in den städtischen Kitas gearbeitet werden kann. Zur Begründung hieß es: Es wurden weniger Kinder angemeldet, als erwartet. Nun gäbe es einen Personalüberhang. Steigt der Bedarf, könne die Stundenzahl wieder angehoben werden.

Verdienst für Rentnerin in der Kita ist nicht zu verachten

In den Dienstplan in ihrer Kita in Freital ist Angelika Mergner eingebunden wie alle anderen Kolleginnen auch. Manche fragten sie, weshalb sie nicht ihre Altersrente genießen will, sondern stattdessen arbeiten geht. "Ich bin ja noch fit. Es sind ja auch nur wenige Stunden", erklärt sie. Der Hinzu-Verdienst sei auch nicht zu verachten. "Das ist gutes Geld für den Urlaub", sagt Mergner. Ihr Ehemann ist auch noch stundenweise bei einem Hausmeisterservice beschäftigt.

Im Krankenhaus hätte sie das aber nicht gemacht. Diese Arbeit habe sie zum Schluss doch zu sehr ausgelaugt. In der Kita werde ihr aber auch nichts geschenkt. "Die Verantwortung bleibt ja. Aber ich muss keine Elterngespräche mehr führen und habe auch keine eigene Gruppe", sagt sie. Es sei aber schön, zu einem Team zu gehören und etwas gebraucht zu werden.

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