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Bekommt Pirna eine Kunsteisbahn?

Im aktuellen Etat ist Geld für den Kauf einer solchen Anlage eingeplant. Ob sie tatsächlich angeschafft wird, ist aber noch unklar.

Das waren noch Zeiten: Schlittschuhläufer 2017 auf der Spritzeisbahn im Pirnaer Friedenspark.
Das waren noch Zeiten: Schlittschuhläufer 2017 auf der Spritzeisbahn im Pirnaer Friedenspark. © Archiv: Daniel Förster

Dietmar Wagner, Chef des Kreissportbundes Sächsische Schweiz (KSB), verabschiedete sich Ende 2017 mit gehörigem Groll innerlich von einem seiner Lieblingsprojekte. Er war vorerst durch mit dem Thema und kündigte schon mal prophylaktisch an, dass sich der KSB möglicherweise gänzlich mit seinem bisherigen Engagement aus Pirna zurückziehen werde. "Wir müssen das alles nicht machen, wenn der Rückhalt fehlt", sagte er damals.

Mit diesen Worten legte Wagner zunächst ein Vorhaben ad acta, was er zuvor mit viel Herzblut verfolgt hatte: eine Eisbahn für Pirna.

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Von 2011 bis Anfang 2017 hatte der KSB stets im Winter eine Spritzeisbahn auf der Asphaltfläche im hinteren Teil des Pirnaer Friedensparks betrieben. Das frostige Vergnügen zog viele Kufenflitzer an, vor allem Kinder und Jugendliche. Dank Flutlicht konnten sie auf der gefrorenen Oberfläche bis in den Abend hinein ihre Runden drehen.

Spritzeisbahn war zu aufwendig

Dann aber gab es ein Problem: knackig kalte Winter blieben aus, im Frühjahr 2017 kündigte Wagner an, im selben Jahr auf eine Spritzeisbahn zu verzichten. Der Grund: zu viel Aufwand, zu wenig Nutzen - vor allem dann, wenn es nicht einige Wochen am Stück dauerhaft kalt bleibt. Seither blieb der Friedenspark eisfrei.

Wagner hatte aber längst eine Alternative im Blick: Eine Kunsteisbahn für den Friedenspark, 500 Quadratmeter groß, betrieben mit Kühlaggregaten, sie sollte drei Monate im Dauerbetrieb laufen, Weihnachts- und Winterferien eingeschlossen.

Die Idee dahinter war, Pirna in den Wintermonaten attraktiver zu machen und den Menschen ein sinnvolles Freizeitangebot zu bieten. Doch mehrere Stadträte machten Ende 2017 das angedachte Projekt zunichte, es schmolz, ehe es richtig gefrieren konnte.

Geld für Kunsteisbahn im Etat eingeplant

Nun aber könnte aus diesem Vorhaben tatsächlich etwas werden. Im aktuellen Haushalt für 2021/22, den der Stadtrat im November 2020 beschloss, ist Geld für eine Kunsteisbahn eingeplant - einmalig 65.000 Euro für den Kauf einer solchen Anlage sowie 35.000 Euro für den erforderlichen Stromanschluss.

Die 35.000 Euro benötigt die Stadt, um im Friedenspark einen Starkstromanschluss für eine Kunsteisbahn zu installieren. Nach Aussage des Rathauses sei der Betrieb einer solchen Eisbahn mit den derzeit vorhandenen technischen Anlagen nicht möglich.

Freie Wähler und Linke plädieren für Testbetrieb

Dabei hätte Pirna eine solche Eislauffläche schon längst haben oder zumindest schon einmal testen können. Ende 2017 ergab sich die Chance, eine Kunsteisbahn für eine Wintersaison probeweise zu mieten, um zu sehen, wie das Angebot angenommen wird.

Die Fraktionen der Freien Wähler und der Linken beantragten im Stadtrat, diese Kunsteisbahn zu mieten, um wieder ein Wintersportangebot zu etablieren, was in den Jahren zuvor auf Spritzeis gut lief.

Wagner hatte bereits alles durchkalkuliert. Etwa 5.000 Euro Stromkosten waren für den dreimonatigen Betrieb der Eisbahn prognostiziert und mit der Energieversorgung Pirna ausgehandelt. Imbiss sowie höhere Preise für Imbiss und Schlittschuh-Ausleihe sollten Einnahmen einspielen.

Erste Kunsteisbahn-Idee scheitert

Insgesamt wäre das Projekt kostendeckend gewesen, denn auch die Stadt befürwortete die Eisbahn und sagte ihrerseits einen Zuschuss zu: einmalig 30.000 Euro, das Geld war am Jahresende übrig, weil der Etat für die Schulsozialarbeit nicht vollständig ausgeschöpft worden war.

Am Anfang dieser Idee sah das Eisbahn-Projekt nach einem Durchläufer aus, kaum einer hatte auf der Rechnung, dass es scheitern könnte.

Doch dann kam alles anders. Der zuständige Ausschuss für Ordnungs-, Kultur- und Bürgerschaftsangelegenheiten (OKB) des Stadtrates lehnte das Vorhaben im November 2017 ab.

Neuer Anlauf fürs Wintersportvergnügen

Widerstand kam vor allem aus den Reihen der SPD, der CDU und der Pirnaer Bürgerinitiativen. Ihre Argumente: Das Projekt sei überhastet und zu teuer, zudem sei die Deckungsquelle für den städtischen Zuschuss zweifelhaft. SPD-Stadtrat Ralf Wätzig plädierte damals dafür, das Geld für die Schulsozialarbeit zu belassen, als es dafür zu verwenden, Luft und Wasser abzukühlen. Entsprechend groß war der Frust bei den Antragstellern - und bei Wagner.

Doch so ganz aufgeben mochte der KSB-Chef das Vorhaben dann doch nicht. Im Sommer 2020 beantragte Wagner, inzwischen selbst Stadtrat in Pirna für die Freien Wähler, dass die Stadt die technischen, räumlichen und finanziellen Voraussetzungen prüfen soll, um in den Monaten Dezember bis Februar eine Kunsteisbahn im Friedenspark zu betreiben. Diesmal votierte der Stadtrat mehrheitlich für den Antrag der Freien Wähler und erteilte den Prüfauftrag.

Die Miete für die Kältetechnik fehlt

Ob diese Eisbahn aber tatsächlich kommt, ist noch offen. Der Haushalt, obwohl beschlossen, ist noch mit vielen Fragezeichen versehen.

Um zunächst einen ausgeglichenen Etat zu präsentieren, wurden vorerst 14 Prozent aller Ausgaben gesperrt - weil noch nicht sicher ist, wie viel Geld Pirna tatsächlich zur Verfügung haben wird.

Um das Geld in Höhe des Sperrvermerks einzuspielen, will Pirna im ersten Quartal 2020 gemeinsam mit dem Stadtrat weitere Einnahmemöglichkeiten sowie weiteres Sparpotenzial ausloten. Nach Auskunft des Rathauses könne daher eine abschließende Aussage zur Eisbahn erst getroffen werden, nachdem das Landratsamt den Haushalt bestätigt und der Stadtrat die Diskussion über mögliche Einsparungen geführt habe.

Und es gibt noch ein Hindernis: Bislang nicht im Haushalt enthalten ist die jährliche Miete von 20.000 Euro für die Kältetechnik der Eisbahn. Sollte der Stadtrat gleichwohl für eine Eisbahn votieren, müsste dieses Geld dann aus der Sportförderung zulasten anderer Bereich - beispielsweise Kinder- und Jugendsport - entnommen werden. Somit würde das Geld dann an anderer Stelle fehlen.

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