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Deutliche Kritik am neuen Sport-Lockdown

Die Corona-Maßnahmen rufen in der Region viele Zweifel hervor. Vor allem eine Regelung stößt auf wenig Verständnis.

Vor Kurzem noch Normalität: Amateursport mit Zuschauern, wie hier bei den Kickern des SC Freital. Nun dürfen weder Fans noch die Spieler selbst mehr in die Stadien - nicht einmal zum Training.
Vor Kurzem noch Normalität: Amateursport mit Zuschauern, wie hier bei den Kickern des SC Freital. Nun dürfen weder Fans noch die Spieler selbst mehr in die Stadien - nicht einmal zum Training. © Egbert Kamprath

Den Sportvereinen der Region steht ein trauriges Wochenende bevor. Wenn in den Stadien und Hallen die Spiele starten, wird den Beteiligten bewusst sein, dass es der letzte Anpfiff für unbestimmte Zeit sein wird. Die neuen Corona-Maßnahmen untersagen ab Montag jeglichen Mannschaftssport im Amateur- und Freizeitbereich, egal ob Training oder Wettkampf. Der in den vergangenen Wochen erst wieder in Fahrt gekommene Spielbetrieb wird zum zweiten Mal in diesem Jahr ausgebremst.

Noch in der Vorwoche hatten behördliche Angaben für Hoffnung bei den Klubs gesorgt. Nachdem das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zunächst Zuschauer bei Sportveranstaltungen im Landkreis verboten hatte, wurde diese Beschränkung wenig später wieder aufgehoben, da auf übergeordneter Ebene die sächsische Staatsregierung keine Notwendigkeit sah. Die nun ab Montag geltenden Bestimmungen verbieten Vereinssport gänzlich. Zwar vorerst nur für einen Monat – doch wann der neue Lockdown tatsächlich endet, ist unklar.

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„Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs richtet sich nach den weiteren gesetzlichen Regelungen, die im November durch Bund und Länder beschlossen werden“, erklärt dazu etwa der Sächsische Handballverband. Beim Fußballkreisverband (KVFSOE) hat man sich darauf verständigt, vorerst alle Partien vom 2. bis 15. November auszusetzen. Das weitere Vorgehen werde dann von den laufenden Entscheidungen der Behörden bestimmt.

Die neuen Maßgaben sorgen für gemischte Gefühle. „Das ist eine äußerst schmerzhafte Entscheidung, die unsere Mitgliedsorganisationen wieder vor große Herausforderungen stellt“, erklärte Landessportbund-Präsident Ulrich Franzen nach Verkündung der neuen Regelungen am Mittwoch. Man sei überzeugt von der gemeinschaftsstiftenden und vor allem gesundheitsfördernden Wirkung des Sports. Gerade jetzt sei es besonders wichtig, sportliche Angebote unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen aufrechtzuerhalten. Es gebe aber auch, so ergänzt Franzen, eine gesellschaftliche Notwendigkeit zur radikalen Kontaktreduzierung. „Wir appellieren deswegen schweren Herzens an unsere Mitgliedsorganisationen: Bitte werdet eurer Verantwortung gerecht und stellt den Vereinssport für den angegebenen Zeitraum erneut ein!“

Unverständnis löst vielerorts die Regelung aus, Profisport – wenn auch ohne Zuschauer – weiterhin zu gestatten. Die Beschränkungen setzten an der falschen Stelle an, schreibt eine Besucherin der Facebook-Seite des SC Freital: „Die Großen dürfen, die Kleinen nicht“. Jörg Schneider, Präsident des größten Vereins im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, findet dies ebenfalls unverständlich. „Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Entwicklung ist das Ziel absolut nachvollziehbar“, sagt er mit Blick auf die gestiegenen Corona-Zahlen. „Allerdings wirkt die Umsetzung chaotisch und ohne Struktur. Warum darf Profisport weiter durchgeführt werden und der Vereinssport mit seiner positiven Wirkung für das Allgemeinbefinden der Mitglieder wird verboten?

“Er hätte es noch verstanden, wenn verschiedene Sportarten in der Halle einschränkt werden, sagt Schneider. „Aber ich sehe zum Beispiel beim Tischtennis oder der rhythmischen Sportgymnastik und den bestehenden Hygienekonzepten nur ein sehr eingeschränktes Risiko.“ Und warum seien Freiluftsportarten genauso betroffen? „Mehr lüften kann man nicht.“ Nachdem sich nun der Vereinssport nach dem ersten Lockdown etwas geordnet habe, werde er jetzt wieder im Mark getroffen. „Kollateralschäden inbegriffen“, sagt Schneider.

Julian Schiebe, Präsident des Fußballkreisverbandes, hat ebenfalls die Folgen der Maßnahmen für die Vereine im Blick. „Die neuerlichen Beschlüsse sind ein herber Rückschlag für den Amateursport. Unsere Mitglieder haben sich in den vergangenen Monaten diszipliniert verhalten, Hygienekonzepte erarbeitet und umgesetzt, um der aktuellen Situation Rechnung zu tragen“, sagt er. „Vor allem für unsere Nachwuchssportler, für die der Fußball einen wichtigen Ausgleich zum Schulalltag darstellt, bedauere ich die Entscheidung sehr.“

Schiebe sieht nun die Politik in der Pflicht. „Ich erwarte, den Lockdown im Sport zeitnah auf Maß und Mitte zu überprüfen, da ja gerade von der Bewegung eine gesundheitsfördernde Wirkung ausgeht.“ Weil zudem abermals Eintritts- und Verkaufseinnahmen wegbrechen würden, erhoffe er sich weiterhin „eine angemessene Unterstützung der Vereine, die nicht erst im Falle der Zahlungsunfähigkeit greift, sondern die tatsächlichen Ausfälle ersetzen muss.“ Auch der Landessportbund hat bereits Unterstützung gefordert.

Für das anstehende, vorerst letzte Amateursport-Wochenende gibt es unterschiedliche Vorgaben. Im Fußball sollen alle Partien stattfinden. „Es gelten die bisher bestehenden Regelungen und Hygienevorgaben“, teilt der Sächsische Dachverband (SFV) mit. Handball-Oberligist Lok Pirna Heidenau wird ebenfalls planmäßig am Sonnabend auf dem Sonnenstein gegen Apolda antreten. Einschränkungen gibt es bei den Zuschauern. So untersagte das Gesundheitsamt dem Klub den Verkauf weiterer Tickets im Vorfeld sowie am Spieltag selbst. Andere Handballpartien, etwa das Pokalspiel der zweiten Mannschaft der SG Kurort Hartha, fallen aus.

Der Sächsische Volleyballverband hat seinen Mitgliedsvereinen freigestellt, ob sie am Wochenende noch mal antreten wollen. Die Top-Teams aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge haben ohnehin spielfrei.

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