merken
PLUS Pirna

„Die Vereine werden auf eine harte Probe gestellt“

Der Chef des VfL Pirna-Copitz, Stefan Bohne, hofft, dass die November-Hilfen barrierefreier zugänglich werden. Bei Dynamo sieht er positive Zeichen.

Einst bei Dynamo, jetzt schon seit neun Jahren an der Spitze beim VfL Pirna-Copitz: Stefan Bohne.
Einst bei Dynamo, jetzt schon seit neun Jahren an der Spitze beim VfL Pirna-Copitz: Stefan Bohne. © Daniel Schäfer

Mit mehr als 1.300 Mitgliedern ist der VfL Pirna-Copitz 07 nach dem SC Freital der zweitgrößte Sportklub im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Corona-Krise hat den Sport in und um das Willy-Tröger-Stadion zum zweiten Mal in diesem Jahr komplett zum Erliegen gebracht. Stefan Bohne ist bereits seit 2011 der 1. Vorsitzende des VfL. Wie der vierfache Familienvater mit seinen Mitstreitern die Pirnaer durch die Krise steuert, berichtet der 46 Jahre alte Unternehmer im ausführlichen Interview.

Herr Bohne, vor acht Monaten haben wir uns zum gleichen Thema verständigt. Zunächst die Frage, wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?

Anzeige
Lost im Karrieredschungel
Lost im Karrieredschungel

Abitur, Ausbildung oder Studium in Dresden machen? Die AFBB, die AWV und die FHD laden zum Online-Infotag ein!

Danke der Nachfrage. Das Jahr 2020 hat sicherlich überall Spuren hinterlassen, aber ich denke dabei vornehmlich an die Menschen, welche krankheits- oder altersbedingt in Pflege-, Krankenhäusern oder Rehaeinrichtungen betreut werden und coronabedingt auf die enorm wichtigen, sozialen Kontakte verzichten müssen beziehungsweise diese stark eingeschränkt werden. Aufgrund eines Falles im engsten Freundeskreis wird einem die Tragweite dieser Zwangs-Isolierung erst richtig bewusst.

Sie leiten eine große Firma in Dresden. Leidet die Auftragslage aufgrund der Pandemie?

Auch die Logistik, und somit unsere Branche, steht vor großen Herausforderungen infolge der Corona-Krise. Weltweite Lieferketten werden beispielsweise neu bewertet und daraus Risiken abgeleitet, die Digitalisierung hat an Speed zugenommen. Wir haben frühzeitig begonnen, unsere Dienstleistungsumfänge und speziell für die Bereiche der Logistik entwickelten Softwarelösungen auf die veränderten Bedarfe abzustellen, was uns auch in der aktuellen Situation Auftragsstabilität bringt.

Die Fallzahlen sind immer noch hoch. In der Landesliga-Mannschaft des VfL gab es einen positiven Covid-19-Test. Wie geht es dem betroffenen Spieler?

Der Spieler zeigte erfreulicherweise keine Symptome, auch sind weitere Ansteckungen zum Glück ausgeblieben. Zwar war unser Team enttäuscht, dass unser Landesliga-Spiel gegen Kamenz quarantänebedingt ausfallen musste, aber aus gesundheitlicher Perspektive war dies die einzig richtige Entscheidung. Leider hat anschließend der bundesweite Teil-Lockdown dazu geführt, dass das Überleben der lokalen Vereine – egal, ob Sport oder Kultur – erneut auf eine harte Probe gestellt wird.

Dietmar Wagner, Geschäftsführer des Kreissportbundes, merkte kürzlich an, dass bislang nur wenige Vereine die millionenschweren Corona-Hilfen vom Bund in Anspruch nehmen konnten, weil sie Förderkriterien nicht erfüllen. Betrifft das auch den VfL?

Zum Teil. Leider konnten auch wir aufgrund der Förderkriterien nicht alle aufgelegten Corona-Hilfen in Anspruch nehmen. Geholfen haben uns jedoch die Unterstützungen in Form der Soforthilfe und des Kurzarbeitergeldes. Damit konnten wir allerdings nicht die erlittenen Umsatzverluste vollständig abfedern. Wir hoffen, wie viele andere Vereine, dass der Zugang zu den November-Hilfen deutlich barrierefreier gestaltet wird.

Wie groß ist der bereits entstandene wirtschaftliche Schaden für den Verein?

Allein in der Sauna und in unserem Klubcasino haben wir auf Grund der verordneten Sportanlagenschließung sowie den weiteren behördlichen Auflagen erhebliche Umsatzverluste zu verzeichnen. Dazu kommen fehlende Zuschauereinnahmen, der Ausfall von gebuchten Trainingslagern auf unserer Anlage sowie Testspielen mit hohem Zuschauerpotenzial. Umso mehr gilt unser Dank unseren zahlreichen Unterstützern, Sponsoren und Vereinsmitgliedern, welche dem VfL auch in diesem Jahr wieder die Treue gehalten haben.

Was halten Sie vom Lockdown, der den Nachwuchssport nahezu komplett zum Erliegen gebracht hat?

Mir tun in erster Linie die Kinder und Jugendlichen sowie alle Aktiven leid. Es ist schade, dass keine Differenzierung vorgenommen, sondern ein grundsätzlicher Stopp verabschiedet wurde. In vielen Vereinen – auch bei uns – gab es sehr sorgfältig ausgearbeitete Hygienekonzepte. Unser Geschäftsführer Oliver Herber und sein Team haben da ganze Arbeit geleistet. Abteilungsleiter, Trainer, Sportler – sie alle haben ihren Teil beigetragen und sehr umsichtig trainiert. Leider waren unsere gemeinsamen Anstrengungen umsonst, da der neuerliche Lockdown kam.

Sie haben vier Kinder, wie kommen die mit der Situation klar?

Die Jungs spielen auch Fußball beim VfL und müssen nun genauso wie alle anderen auch mit der aktuellen Situation klarkommen. Dass das die Kinder nervt und der natürliche Bewegungsdrang damit nicht kleiner wird, ist klar. Positiv ist, dass nun mehr Zeit für schulische Hausaufgaben und sonstige Unterstützung im Haushalt bleibt. Zumindest sehen das die Eltern so. (Lacht)

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz für die drei Männer-Mannschaften aus?

Gemischt. Grundsätzlich sind wir zufrieden, mit der Ersten in der Landesliga und der Zweiten in der Landesklasse uns in den höchsten beiden sächsischen Staffeln etabliert zu haben. Dadurch ermöglichen wir unseren Nachwuchstalenten einen idealen Übergang in den Herrenfußball. Aber: Speziell der Saisonstart der ersten Mannschaft war stark ausbaufähig, das wissen Trainerteam und Spieler auch selbst. Die „Dritte“ nimmt die Rolle einer ambitionierten Freizeitmannschaft ein.

Sie sind selbst noch in der „Dritten“ aktiv, die aufgestiegen ist. Was sagt der Körper zum Sprung eine Klasse höher?

Die Gegner sind noch ein bisschen jünger geworden, aber körperlich problematischer empfinde ich eher diese coronabedingten Trainings- und Wettkampfpausen im Frühjahr und nun aktuell auch schon wieder. Man läuft gelegentlich mal eine Runde, was aber nicht ansatzweise mit dem üblichen Rhythmus vergleichbar ist.

Die B-Jugend trifft im Landespokal auf die Bundesliga-Junioren der SG Dynamo Dresden. Eigentlich ein Anlass für ein Stadionfest, oder?

Wir hatten alle gehofft, dass dieser Pokal-Kracher am 19. oder 20. Dezember regulär stattfinden kann. Das wäre ein besonderer Jahresabschluss für das U 17-Team und den gesamten Fußballnachwuchs beim VfL gewesen. Nun müssen wir uns gedulden. Generell freue ich mich über die Entwicklung, auch unsere U 19 spielt ja auf höchster sächsischer Ebene. Zudem wird im Kleinfeld-Bereich eine sehr engagierte Arbeit beim VfL geleistet.

Sie sind Dynamo Dresden noch sehr eng verbunden. Gelingt die schnelle Rückkehr in die 2. Liga?

Dynamo Dresden hat einen großen Umbruch vollzogen – nicht nur in der Mannschaft, sondern auch auf der sportlichen Führungsebene. Bis alle Einzelteile ineinandergreifen, braucht es Zeit. Dass man aktuell im vorderen Tabellendrittel mitmischt, ist ein positives Zeichen. Nun muss es darum gehen, zunehmend stabiler und konstanter zu agieren. Gelingt dies, wird Dynamo zumindest bis zum 38. Spieltag um den Aufstieg mitspielen können. Am Ende gehört in dieser Liga und bei all den Corona-Auswirkungen auch immer ein Quäntchen Glück dazu.

Mehr zum Thema Pirna