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Pirna trauert um einst schnellste Läuferin der DDR

Elfriede Preibisch war die erste Leichtathletin der DDR, die die 100 Meter unter zwölf Sekunden lief. Nun ist sie im Alter von 94 Jahren gestorben.

Besondere Ehre für Ausnahmesprinterin Elfriede Preibisch. Anlässlich ihres 90. Geburtstages durfte sie sich ins Goldene Buch der Stadt Pirna eintragen.
Besondere Ehre für Ausnahmesprinterin Elfriede Preibisch. Anlässlich ihres 90. Geburtstages durfte sie sich ins Goldene Buch der Stadt Pirna eintragen. © Daniel Förster

Die einst schnellste Läuferin der DDR, Elfriede Preibisch, ist tot. Nach Angaben ihrer Familie starb die gebürtige Pirnaerin am 2. August im Alter von 94 Jahren in einem Seniorenpflegeheim im bayrischen Amberg in der Oberpfalz. Dort war die frühere Leistungssportlerin vor zehn Monaten hingezogen, um ihren Lebensabend in der Nähe ihrer Tochter verbringen zu können. Zuvor war Pirna der Lebensmittelpunkt von Elfriede Preibisch, einer geborenen Stäps. Hier war sie aufgewachsen, arbeitete und lebte sie bis zum Oktober 2020.

Ausgebombt im Zweiten Weltkrieg

Die Ausnahmesprinterin hatte in ihrer Jugend eine steile Sportlerkarriere hingelegt. Für Furore sorgte sie im September 1952 beim Länderkampf in Rumäniens Hauptstadt Bukarest. Dort lief sie die 100 Meter in nur 11,9 Sekunden. Elfriede Preibisch war die erste Frau der Deutschen Demokratische Republik, die auf dieser Strecke unter 12 Sekunden blieb.

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Schon im Zweiten Weltkrieg, Anfang der 40er-Jahre, hatte sich die Sportlerin der Leichtathletik verschrieben. Bereits 1942 nahm sie an den Deutschen Jugendmeisterschaften in Breslau teil und erreichte dort den Endlauf. 1945 musste sie ihre Laufbahn zunächst unterbrechen. Die Familie, die damals im Rundhaus in Pirna-Copitz lebte, war am 19. April ausgebombt worden. Erst nachdem sie sich ein neues Zuhause geschaffen hatten, setzte Elfriede Preibisch 1947 ihre Karriere fort - zunächst beim ESV Lokomotive Pirna und später in Leipzig.

Ausschluss von den Olympischen Spielen 1952

Nach nur drei Jahren Training feierte sie 1950 große Erfolge, errang unter anderem den DDR-Meister-Titel in allen drei Sprintdisziplinen über 100 und 200 Meter sowie in der 4x100-Meter-Staffel. Ein Jahr später wurde sie bei den Weltfestspielen in Berlin zweifache Studenten-Weltmeisterin. Im 100-Meter-Sprint, ihrer Paradedisziplin, landete sie mit 12,0 Sekunden zunächst einen DDR-Rekord und stellte zugleich einen Studenten-Weltrekord ein. Außerdem triumphierte sie in der 4x200-Meter-Staffel gemeinsam mit Alice Karger (Alice Karger-Köckritz), Linde Anders und Irmgard Piep.

Im Erfolgsjahr 1952 musste sie allerdings einen bitteren Wermutstropfen verschmerzen. Bei der Olympiade in Helsinki durften DDR-Sportler und somit Elfriede Preibisch nicht starten.

Wie ihr Sohn Ullrich berichtet, beendete seine Mutter 1956 die aktive Laufbahn und war danach als Sportlehrerin tätig. Zunächst unterrichtete sie fünf Jahre lang an der Goethe-Schule in Pirna, ab 1961 bis zu ihrem Ruhestand 1986 an der Pestalozzi-Oberschule in Pirna-Copitz. Zu ihrem 90. Geburtstag vor vier Jahren wurde ihr eine besondere Ehre zuteil. Sie durfte sich im Goldenen Buch der Stadt Pirna verewigen.

Übrigens war Elfriede Preibischs Tochter Gundy Ende der 70er- und Anfang der 80er-Jahre auch eine erfolgreiche Leichtathletin. Sie wurde 1980 u.a. DDR-Meisterin in der 4-mal-100-Meter-Staffel.

Ihre letzte Ruhe wird Elfriede Preibisch auf dem Friedhof in Graupa finden, kündigt ihre Familie an. Dort wurde vor zehn Jahren ihr Ehemann Gunther - ebenfalls Sportlehrer - zu Grabe getragen.

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