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„Wir kennen uns eine Ewigkeit“

Das Trainer-Duell zwischen Uwe Kuhl und Uwe Rahle fiel aus, weil auch die Fußball-Landesklasse Ost pausiert.

Die Rasenplätze und Sportanlagen sind gesperrt. Am vergangenen Samstag hätten sich der BSV Sebnitz und der SV Wesenitztal gegenübergestanden. Dann aber fiel das Trainer-Duell aus.
Die Rasenplätze und Sportanlagen sind gesperrt. Am vergangenen Samstag hätten sich der BSV Sebnitz und der SV Wesenitztal gegenübergestanden. Dann aber fiel das Trainer-Duell aus. © Steffen Unger

Sieben Spieltage sind in der Fußball-Landesklasse Ost absolviert und der BSV 68 Sebnitz führt die Tabelle ungeschlagen mit 19 Punkten an. Der SV Wesenitztal hat erst vier Partien absolviert, hält aber mit drei siegen und einem Remis Kurs auf die Spitzengruppe. Bis zum 30. November ruht nun der Trainings- und Wettkampfbetrieb. Im Doppel-Interview blicken BSV-Coach Uwe Kuhl (56) und SVW-Coach Uwe Rahle (54) zurück und geben Auskunft, wie sie die kommenden Wochen mit ihren Schützlingen vernünftig überbrücken wollen.

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Kuhl: Darauf kann ich nicht mit ja oder nein antworten. Der Männer-Fußball muss pausieren, gut, da geht die Welt nicht unter. Es gibt wichtigere Dinge. Aber für unseren Nachwuchs ist die Pause nicht gut. Den Kids geht dadurch viel verloren und das nicht zum ersten Mal in diesem Jahr.

Rahle: Da kann man sicher stundenlang drüber diskutieren. Fakt ist, dass etwas passieren musste, dafür waren aus meiner Sicht zu viele Leute in den letzten Monaten zu unvernünftig. Muss ich zum Beispiel unbedingt nach Prag fahren, nur weil dort das Feiern in Diskotheken erlaubt ist? Dafür bekommen wir jetzt alle die Quittung und ob es dabei die Richtigen trifft, ist sicher diskussionswürdig.

Was haben Sie Ihren Schützlingen mit auf den Weg gegeben?

Kuhl: Sie wissen, was sie tun müssen, um gesund und fit zu bleiben. Ich habe den Jungs gesagt, sollte ich im Sommer 2021 nicht mehr da sein, ist mein Vertrag nicht verlängert worden. Aber Spaß beiseite, ich denke, in diesem Jahr spielen wir nicht mehr. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, über die wir Kontakt halten, auch mit der Vereinsführung.

Rahle: Frohe Weihnachten?! Ehrlich gesagt glaube ich kaum, dass wir dieses Jahr noch ein Punktspiel bestreiten werden. Aber die Situation kennen wir ja aus dem Frühjahr und damals sind unsere Spieler halbwegs fit aus dem Lockdown zurückgekommen. Es geht also um viel Eigenverantwortung. Von Online-Training oder angeordneten Aufgaben halte ich nicht viel. Wenn man sowas macht, müsste man auf ein bestimmtes Ziel hin Trainingspläne vorgeben. Und das Ziel beziehungsweise einen Starttermin haben wir nicht.

Angenommen, ab dem ersten Dezember-Wochenende darf gespielt werden. Geht das, ohne vorher das Mannschaftstraining aufgenommen zu haben?

Kuhl: Ich würde es nicht verantworten wollen, einfach zu spielen, ohne die Jungs vorher zwei-, dreimal im Training gesehen zu haben. Ich vertraue meinen Spielern, aber Kontrolle ist besser. Wenn einer vier Wochen nichts macht, könnte es aus medizinischer Sicht problematisch sein, plötzlich in den Wettkampfmodus zu gehen.

Rahle: Gibt es eine Alternative, wenn wir die Serie halbwegs vernünftig zu Ende spielen wollen? Sollte das so sein, dann müssen alle damit leben. Der Terminplan ist jetzt schon fast nicht mehr zu bewältigen. Zusätzlich Zeit für vorheriges Training halte ich in unserer Spielklasse aus diesem Grund für vollkommen überflüssig.

Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Kuhl: Nach sechs Siegen und einem Remis fällt sie selbstverständlich positiv aus. Ich weiß, dass wir auch Glück hatten, denn gegen Königswartha oder bei Stahl Rietschen hätten wir auch deutlich in Rückstand geraten können, aber Torhüter Dominic Oppitz hat uns jeweils im Spiel gehalten. Richtig stolz bin ich darauf, dass wir selbst die Ausfälle von vier Leistungsträgern, so wie beim 6:0 in Zittau, kompensiert haben.

Rahle: Wir haben ja erst vier Punktspiele hinter uns. Bei drei Siegen und einer Niederlage, wobei die überflüssig war, können wir eigentlich zufrieden sein. Schade sind die Spielausfälle. Da haben wir in Dittersbach sicher mit die schlechtesten Bedingungen der Liga. Unser Rasenplatz verträgt Regen nur sehr schlecht und einen Kunstrasen, wie viele andere Vereine, haben wir leider nicht.

Seit wann kennen Sie sich?

Kuhl: Wir kennen uns eine Ewigkeit. Wir waren beide Torhüter bei Stahl Freital, haben, obwohl wir verschiedene Jahrgänge waren, zusammen trainiert.

Rahle: Genau, kann ich das auch nicht sagen. An die Trainingseinheiten in der Turnhalle Turnerstraße in Freital kann ich mich aber gut erinnern, da haben wir uns stundenlang Abschläge um die Ohren gehauen. Das war beim damaligen TZ-Trainer Dieter Götze, bei dem wir sehr viel gelernt haben.

Kuhl: Ja, stimmt. Bis 1978 haben wir zweimal pro Woche zusammen trainiert, haben aber nie in einer Mannschaft gespielt. Ich bin dann nach Dresden zur Sportschule gegangen und habe für Dynamo gespielt.

Rahle: Ich wurde leider von Dr. Klein aufgrund einer Skoliose, einer seitlichen Verbiegung der Wirbelsäule, ausgemustert.

Ihre Teams haben zwar noch nicht gegen alle Teams gespielt, aber vielleicht haben Sie trotzdem ein Gefühl für die Stärke der Landesklasse Ost entwickelt?

Kuhl: Im Sommer dachte ich, die Ost-Staffel ist vom Niveau her besser als die Mitte-Staffel. Da bin ich mir aber nicht mehr so sicher. Die Ergebnisse sind teilweise schon recht eigenartig. Generell ist das Niveau in der Landesklasse gegenüber der ehemaligen Dresdner Bezirksliga aber nach unten gegangen. Aber ich sehe derzeit unsere 26 erzielten Tore und die fünf Gegentreffer. Zweimal Bestwert in der Staffel, das finde ich schon bemerkenswert.

Rahle: Eine Aussage dazu fällt mir sehr schwer – ich habe bisher eventuell die Hälfte der Mannschaften gesehen. Die vielen klaren Spielergebnisse mit sechs oder sieben Toren Unterschied legen den Schluss nahe, dass es mit dem Niveau nicht sehr weit her sein kann. Andererseits habe ich das Gefühl, dass in unserer Staffel fast jeder jeden schlagen kann.

Glauben Sie daran, dass die Serie bis zu Ende gespielt werden kann?

Kuhl: Vielleicht gibt es nur eine Hinrunde und danach wird abgerechnet? Ich beneide diejenigen, die jetzt eine vernünftige Lösung finden sollen, nicht. Vielleicht sollte man aber trotzdem darüber nachdenken, auch mal mittwochs zu spielen. Da ist ohnehin meistens Training angesetzt und ich kenne keinen Fußballer, der die Übungseinheit einem Spiel über 90 Minuten vorzieht.

Rahle: Ich hoffe das! Es gibt ja offensichtlich mehre momentan diskutierte Varianten von „nur Hinrunde“ bis zu „Serie über zwei Jahre spielen“. Ich würde hier mal noch eine dritte Variante in die Runde werfen wollen: Warum sollte man nicht Spieltage mit drei oder vier Mannschaften abhalten. Verkürzte Spielzeit, jeder gegen jeden als Turnier und man hat drei oder vier Spieltage an einen Tag durchgebracht. Sicher gibt es da auch Ungerechtigkeiten, aber wir haben einfach keine Zeit.

Sie waren beide als Trainer in Freital tätig. Was sagen Sie zum Landesliga-Start des Sportclubs?

Kuhl: Ich habe sie in der Spitzengruppe erwartet. Eine eingespielte Mannschaft, die durch die Fusion und einige erfahrene Landesliga-Spieler noch verstärkt wurde. Ich halte auch den Durchmarsch in die Oberliga für möglich.

Rahle: Das habe ich definitiv so erwartet. Die Truppe ist personell derart gut besetzt, dass es einfach für die ersten fünf Plätze reichen muss. Momentan kommt dann noch der gute Lauf hinzu.

Wie schwer trifft der Lockdown Ihren Job, dem Sie nachgehen?

Kuhl: Meine Schülerhilfe in Freital, die wir 2016 eröffnet haben, läuft derzeit weiter. Wie in jeder Schule müssen auch wir alle Hygiene-Vorschriften beachten.Rahle: Wir haben Kurzarbeit und Maskenpflicht, arbeiten teilweise in Schichten, damit sich die Leute im Büro nicht begegnen. Das ist aus meiner Sicht alternativlos.

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