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Wie wichtig die Rettungsgasse ist

Nach dem tödlichen Unfall auf der A17 vor einigen Tagen gab es viel Kritik am Verhalten von Autofahrern. Konsequenzen hatte das keine.

Auf der Autobahn A17 stauten sich am 31. August nach einem Unfall die Fahrzeuge kilometerlang.
Auf der Autobahn A17 stauten sich am 31. August nach einem Unfall die Fahrzeuge kilometerlang. © Marko Förster

Die Bilder vom Unfall auf der Autobahn A17 erschütterten. Am 31. August war eine 23-Jährige mit einem Pkw auf einen Laster aufgefahren. Dabei verletzte sie sich so schwer, dass sie noch an der Unfallstelle starb. Feuerwehrleute mussten sie aus dem Autowrack bergen.

Neben sehr vielen Beileidsbekundungen gab es in Sozialen Netzwerken auch viel Kritik an Autofahrern im danach folgenden Stau. Viele hätten die Rettungsgasse nicht ordnungsgemäß gebildet oder nicht bis zur Freigabe der Autobahn eingehalten.

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Auf Facebook schrieb zum Beispiel Richard Viehrig: "Die Rettungsgasse war stellenweise kaum befahrbar." Anonym schrieb jemand, dass der Abschleppdienst auf der Autobahn kaum durchkam. "Im Zick Zack und quälend langsam mussten wir uns durch den Stau quälen", der zu diesem Zeitpunkt etwa zwei Kilometer lang gewesen sein soll.

Polizei kam noch gut durch

Der Polizeidirektion Dresden sind keine Probleme aufgrund einer nicht vorhandenen Rettungsgasse in diesem Fall bekannt. Die jeweiligen Anfahrten zur Unfallstelle erfolgten laut Aussage der vor Ort befindlichen Polizeikräfte ohne Probleme oder Behinderungen, heißt es auf Nachfrage von Sächsische.de.

Bei der Polizei ist auch keine Anzeige diesbezüglich eingegangen. "Inwieweit nachfolgende Rettungskräfte oder Bergedienste Probleme aufzeigen können, ist nicht bekannt", erklärt Polizeisprecher Stefan Grohme.

Allerdings haben Augenzeugen im Stau auch festgestellt, dass in dem Bereich nahe der Unfallstelle die Rettungsgasse noch gut eingehalten wurde. Wer also die Unfallstelle sehen kann erkennt, wie wichtig es jetzt ist, dass Rettungskräfte und Polizei schnell durch die sich aufstauenden Fahrzeuge gelangen.

Problematischer werde es mit zunehmender Länge des Staus. Besonders wer als Letztes zu einer Unfallstelle gerufen wird, berichtet ganz anders. Das bestätigt auch Richard Viehrig auf Facebook. Nahe der Unfallstelle sei die Rettungsgasse vorbildlich gewesen. "Aber davor gab es etliche Engstellen, welche man nur im Schritttempo durchfahren konnte."

ADAC fehlen konkrete Daten

"Als ADAC Sachsen können wir feststellen, dass immer mehr Verkehrsteilnehmer von der Rettungsgasse durch die Medien gehört haben und wissen, wie man sie bildet", erklärt Florian Heuzeroth, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit des ADAC Sachsen. 

Angaben dazu, wie häufig es mit der Rettungsgasse nicht funktioniert, gibt es beim Automobilclub aber nicht. "Das können wir nicht sagen", erklärt Heuzeroth. 

Auch zum konkreten Unfall an der A17 habe er keine Informationen erhalten. Das sei nur mit größerem Aufwand zu recherchieren. Die Abschlepp-Unternehmen sind sogenannte Mobilitätspartner. Sie sind zwar vertraglich gebunden, gehören aber nicht direkt zum ADAC. 

Härtere Strafen beschlossen

Die Rettungsgasse auf Autobahnen wird gebildet, indem alle Fahrzeuge, die auf der linken Spur unterwegs waren, an den äußersten linken Fahrbahnrand fahren. Alle anderen orientieren sich so weit wie möglich nach rechts. Dazu sind Autofahrer verpflichtet, sobald auf Autobahnen nur noch in Schrittgeschwindigkeit gefahren wird oder die Fahrzeuge zum Stillstand kommen.

Das ist in Paragraph 11 Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO) festgehalten. Das gilt nach Paragraph 38 Absatz 1 ebenfalls, wenn sich Fahrzeuge mit blauem Blinklicht und Martinshorn nähern.

Verstöße können mit bis zu 320 Euro Bußgeld und zwei Punkten in Flensburg geahndet werden. Ursprünglich sollte auch ein einmonatiges Fahrverbot für Sünder verhängt werden können. Das sah die Novelle der StVO vom April dieses Jahres vor, bei der es jedoch Formfehler gab. Zum Vergleich: In Österreich kann ein Bußgeld von bis zu 2.180 Euro fällig werden.

Vorschlag: Dash-Cams für Einsatzfahrzeuge

Wie solche Verstöße geahndet werden können, da hatten auch schon einige Kommentatoren in Sozialen Netzwerken Ideen parat. Marco Hähner schlug beispielsweise vor, jedes Rettungs- und Bergefahrzeug mit einer Dash-Cam auszustatten. Im Anschluss der Einsatzfahrt könnte man die Aufzeichnung an die entsprechenden Behörden weiterleiten und nach Bußgeldkatalog abstrafen. "Wobei das auch noch zu günstig ist", erklärt Hähner.

Das ist nicht so leicht, heißt es von der Polizei. "Ermittlung über die Kennzeichen würden sich regelmäßig als schwierig gestalten, da lediglich der Halter einfach festzustellen wäre, nicht jedoch der Fahrer", erklärt Polizeisprecher Stefan Grohme. Wenn es die Einsatzsituation zulässt, würden aber schnell vor Ort Personalien aufgenommen.

Bei der Polizei werden zwar neuerdings auch Körperkameras, sogenannte Bodycams, von einzelnen Beamten sichtbar bei Einsätzen getragen. Über Dashcams verfügt die Polizei dagegen nicht. "Eine Verwendung durch die Polizei würde auch hohen rechtlichen Hürden unterliegen", erklärt Grohme.

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