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Busse fast so voll wie vor Corona

Der Verlust beim Regionalverkehr ist etwas geringer als erwartet. Der Grund dafür liegt in der Sächsischen Schweiz. Das Osterzgebirge hinkt hinterher.

Wegen guter Auslastung überlegt der RVSOE, den Sommerfahrplan zu verlängern.
Wegen guter Auslastung überlegt der RVSOE, den Sommerfahrplan zu verlängern. © Daniel Schäfer

Klaus und Elfie Schneider aus der Nähe von Oranienburg stehen am Busbahnhof in Pirna und warten auf den nächsten Linienbus ins Bielatal. Dort wollen die beiden eine Wanderung starten. "Bei uns fährt nicht so oft ein Bus oder eine Bahn", erklären sie. Mit Blick auf das hiesige Angebot fiel es ihnen leicht, das Auto gleich ganz zu Hause zu lassen.

Urlauber wie die Schneiders sind ein Grund dafür, dass die Fahrgeldeinnahmen beim Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (RVSOE) seit dem Corona-Lockdown im März wieder kontinuierlich steigen. Im September näherten sie sich schon dem Rekordniveau aus dem Vorjahr für diesen Monat an. Immerhin war 2019 das beste Jahr seit Längerem. Bei den Einnahmen aus dem Linienverkehr von 1. bis 27. September dieses Jahres liege aber der RVSOE immer noch 40.000 Euro unter dem Vorjahr, erklärt Geschäftsführer Uwe Thiele.

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Das Minus erstaunt so manchen angesichts voller Busse und Bahnen. Die Einnahmen an den Verkaufsstellen im Landkreis spiegeln auch nicht unbedingt die tatsächlichen Fahrgastzahlen wider. Wer beispielsweise in Dresden eine Fahrkarte kauft und dann in die Sächsische Schweiz oder nach Altenberg fährt, dessen Einnahmen werden auch nicht beim RVSOE verbucht.

Landkreis ist zweigeteilt

Bei den Einnahmen im ÖPNV stellt sich der Landkreis außerdem zweigeteilt dar. So liegen beispielsweise die Einnahmen der Kirnitzschtalbahn seit dem Sommer sogar über denen des Vorjahres, ebenso die der Elbfähren und der Busse im Elbsandsteingebirge. "Das ist eindeutig auf die Vielzahl an Urlaubern und Ausflüglern zurückzuführen", erklärt Thiele. Im Sommer wurden vom Statistischen Landesamt  so viele Übernachtungen in Hotels und Pensionen registriert wie nie zuvor. Freiluftaktivitäten im Urlaub und Naherholung stehen hoch im Kurs.

Einen solchen Boom gibt es im Osterzgebirge nicht ganz so ausgeprägt. Altenberg mit seiner relativ guten Verkehrsanbindung bis Dresden nimmt sich da noch positiv aus. "Verluste machen wir hauptsächlich im ehemaligen Weißeritzkreis", erklärt Thiele. Neben dem Tourismus spiele auch Kurzarbeit und verstärktes Homeoffice eine Rolle. So seien beispielsweise eine Reihe von Jobtickets vorübergehend zurückgegeben worden.

Wie hoch sind die Verluste seit Corona?

Das Defizit in diesem Jahr summiert sich beim Regionalverkehr inzwischen auf mehr als 1,4 Millionen Euro. Und das ist nur die Differenz zum Vorjahr. Der Abstand zu den ursprünglich für 2020 geplanten Einnahmen ist noch größer. Investitionen müssten deswegen aber noch nicht verschoben werden, so Thiele. Demnächst soll es vier neue Busse geben.

Für Planungssicherheit hatte unter anderem der Bund gesorgt, der zusätzlich 2,5 Milliarden Euro für den Nahverkehr zur Verfügung stellt. Das ließ das Wettbewerbsrecht der EU zwar lange nicht zu. Doch inzwischen machte Brüssel eine Corona-Ausnahme. Allerdings nur befristet von Anfang März bis Ende August dieses Jahres.

In dieser sogenannten Phase 1 machte der RVSOE Verluste von 1,4 Millionen Euro. Geschätzt hatte das Unternehmen 1,7 Millionen Euro, also sogar noch mehr. Bis Jahresende rechnet Thiele mit weiteren 1,8 Millionen Euro Minus.

Im Frühjahr konnte er noch den Fahrplan ausdünnen, Mitarbeiter bauten ihre Überstunden ab. Der Nachtverkehr wurde fast komplett eingestellt. "Der niedrige Dieselpreis hat uns auch geholfen", so Thiele. Über eine Liquiditätshilfe, bis die Unterstützungsgelder vom Bund angekommen sind, stimmt der Kreistag als Aufgabenträger des Regionalverkehrs am Montag ab.

Warum erhält die Bahn einen höheren Anteil?

Paradox: Der RVSOE bekommt jetzt weniger aus dem Topf der Einnahmen des Verkehrsverbundes, obwohl das Fahrgastaufkommen gar nicht entscheidend nachgelassen hat. Der Grund dafür ist die S-Bahn. Die fährt planmäßig jetzt öfter von Pirna nach Dresden und hat damit offenbar den Nerv der Leute getroffen, es wurden jedenfalls erheblich mehr Fahrgäste gezählt. 

So konnte die Bahn einen erheblichen Sprung bei der Beförderungsleistung nachweisen und bekommt nun einen größeren Anteil aus dem VVO-Topf, in dem allerdings nicht mehr drin ist als voriges Jahr. So bekommen die anderen Verkehrsunternehmen entsprechend weniger raus.

Wird der Sommerfahrplan verlängert?

Der RVSOE hat zwar auch in 200 Bussen Zählsysteme eingebaut. Die Daten müssen aber nachträglich manuell noch einer Fehlerkorrektur unterzogen werden, damit sie plausibel sind. "Das ist personell derzeit nicht abzudecken", erklärt Thiele. Aber wenn dann mehr Geld für das Unternehmen rausspringt?

Grundlage für die Verteilung des Geldes sind Erhebungen von 2016/17. Eine Überprüfung ist erst für 2022 vorgesehen. Ein kleiner Anstieg ist zwischendurch nicht relevant. Die Bahn konnte jedoch einen großen Sprung nachweisen. Das wird dann schon vor 2022 eingepreist.

Die Busfahrer und Fährleute beim RVSOE werden regelmäßig abgefragt, wie sich die Fahrgastzahlen entwickeln. Sollte sich dabei ein enormer Anstieg abzeichnen, werde Thiele selbstverständlich eine genaue Analyse stemmen. 

Um die Einnahme-Situation zu verbessern, hat er eine weitere Idee. "Wenn der Urlauberansturm in der Sächsischen Schweiz anhalten sollte, könnten wir auch den Sommerfahrplan über Ende Oktober hinaus verlängern", sagt er. Die aktuell gute Auslastung sorgt für mehr Fahrgeld in der Kasse.

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Artikel wurde 19 Uhr aktualisiert.

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