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Pläne für S 177 in der Kritik

Der Ausbau der Staatsstraße soll fortgesetzt werden. Doch bei Naturschützern und in Pirna macht man sich Sorgen.

© Katja Frohberg

Von Alexander Müller

Es ist eindeutig eine Erleichterung und eine Zeitersparnis dazu. Wer die inzwischen bis über den nördlichen Pirnaer Ortsteil Bonnewitz hinaus ausgebaute Staatsstraße S 177 entlangfährt, bemerkt und genießt die Vorteile dieser Trasse sehr schnell. Wer könnte also etwas gegen diesen Ausbau haben? Der nächste Bauabschnitt zwischen Bonnewitz, Wünschendorf und Eschdorf soll noch in diesem Jahr starten. Und trotzdem – auch wenn das Projekt generell nicht infrage gestellt wird – gibt es Sorgen, dass beim Ausbau die Belange der Natur und der Umwelt nicht ausreichend berücksichtigt werden.

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So hatte es jüngst eine Anhörung bei der Landesdirektion Sachsen gegeben, die für das Baurecht für den nächsten Teilabschnitt sorgen muss. Mit dabei war auch Dr. Harald Kubitz aus Graupa. Der anerkannte Biologe nahm für den Naturschutzverband BUND teil. Er äußert sich nach dem Treffen bei der Landesdirektion skeptisch: „Große Sorgen bereitet die Trassenführung am Doberberg, einem Angelpunkt von Ökosystem und Landschaftsstruktur.“

Trassenverlauf führt durch Natur- und Landschaftsraum

Das Teilstück vom Knoten Wünschendorf bis zum Schnittpunkt mit der alten S 177 vor Eschdorf verlaufe durch den Natur- und Landschaftsraum Doberberg, führen sowohl Kubitz als auch das Pirnaer Rathaus an. Hier gebe es einladende Wanderwege zu den Hohen Brücken, nach Bonnewitz, Eschdorf, zum Triebenberg und zur Schönen Höhe. Der geplante Trassenverlauf der S 177 liegt direkt auf der Wegeverbindung vom Triebenberg in Richtung der beliebten Schönen Höhe, etwa auf dem Kamm des Doberberges in Richtung Triebenberg. In Pirna wünscht man sich deshalb, dass die Trasse tiefer gelegt wird, als bisher angedacht, sodass sie die Blickbeziehungen nicht beeinträchtigt. Zudem soll eine Brücke, die bisher zwar die weitere Benutzung der vorhandenen Wanderwege erlaubt, mehr aber nicht, als begrünte Brücke gebaut werden. Das sei zum einen optisch viel passender und würde zum anderen auch einen Wildwechsel erlauben. In der Stellungnahme der Landesdirektion wird nach Auskunft von Harald Kubitz dazu aber bemerkt: „Die Notwendigkeit einer Grünbrücke lässt sich im Ergebnis der faunistischen Bestandsaufnahmen nicht begründen.“ Regionale und überregionale Biotopverbundkorridore seien nicht betroffen. Dieser Meinung widerspricht Fachmann Harald Kubitz vehement. „Das Landschaftsmosaik zwischen Elbsandsteingebirge und Elbtal ist als Ökosystem weltweit fast einmalig durchforscht.“

Offener Brief an Politiker

Manche fordern sogar noch mehr. „Selbst eine breite Brücke, die für Wildwechsel geeignet ist, reicht aus meiner Sicht nicht aus“, so unser Leser Thomas Krohner aus Dresden im Nachgang zu einem ersten Bericht über dieses Projekt. Mit einem offenen Brief wendet er sich an Bundes-, Landes, und lokale Politiker. „An dieser Stelle müsste – aus Verantwortung gegenüber der Landschaft und der Natur sowie mit Rücksicht auf die Menschen in Wünschendorf und auf die zahlreichen Wanderer – ein Tunnel gebaut werden.“

Ganz so weit geht man in Pirna nicht. Man wäre schon mit einer Grünbrücke zufrieden. Da sich die aber nicht mehr auf dem Terrain der Stadt befinden würde, seien die Möglichkeiten begrenzt, heißt es aus dem Rathaus. Eine Antwort auf SZ-Nachfrage, wie die Landesdirektion selbst zum Vorhaben steht, lag bis gestern Nachmittag noch nicht vor. Harald Kubitz hat jedenfalls trotz Krankheit angeboten, den Behördenmitarbeitern die Probleme auch vor Ort zu verdeutlichen.