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Plätze in Pflegeheimen werden erheblich teurer

Die steigenden Kosten für Personal und Leistungen müssen die Bewohner tragen. Verbände fordern eine Finanzreform.

© Bodo Marks/dpa

Von Gabriele Fleischer

Dresden/Görlitz. Die Pflegereform hat für Pflegebedürftige zwar mehr Geld gebracht. Doch vor allem für Heimbewohner steigen auch die Kosten. Nach Informationen der Deutschen Stiftung Patientenschutz müssen sie schon jetzt allein für die Pflege im Bundesschnitt mehr als 600 Euro im Monat aus eigener Tasche zahlen. Hinzu kämen noch einmal bis zu 1 200 Euro für Lebenshaltung und Nebenkosten.

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Seit September erhöhen viele der fast 1 000 Pflegeheime in Sachsen den Eigenanteil für die Bewohner. „Zwischen 100 und 500 Euro müssen die meisten Pflegebedürftigen mehr bezahlen“, sagt Matthias Steindorf vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Sachsen. Für Hubert Thiem aus Görlitz zum Beispiel kostet der Platz im Luisenstift der Diakonie seit vergangenem Monat 1 600 statt bislang 1 200 Euro. „Dafür reicht unsere Rente von zusammen 2 000 Euro nicht mehr“, sagt seine Frau Monika Thiem. Wenn das Ersparte aufgebraucht sei, müsse das Paar Sozialhilfe beantragen. Auch bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) steigen die Eigenanteile. „Je nach Heim sind das 200 bis 450 Euro“, sagt Klaus-Peter Buchmann vom Landesverband.

Der Eigenanteil, der unabhängig vom Pflegegrad für jeden Heimbewohner gleich ist, setzt sich aus Kosten für Pflege, Unterbringung und Investitionen zusammen. Da die von der Pflegeversicherung gezahlten Leistungen für ein bis zwei Jahre im Voraus fest vereinbart worden sind, werden steigende Kosten auf die Bewohner umgelegt. Mehrkosten entstehen nicht nur durch höhere Preise für Wäscherei und Essen, sondern vor allem durch die mit der Pflegereform beschlossene Verbesserung der Personalsituation in den Heimen. So sollen die Gehälter der Pflegekräfte steigen.

Der AWO-Landesverband hält die steigenden Kosten für Heimbewohner für eine „ungerechtfertigte und einseitige Lastenverteilung“. Bund und Freistaat würden sich an der Finanzierung der Pflegeaufwendungen nicht beteiligen. Eugen Brysch, Vorstand der Stiftung Patientenschutz, fordert die Übernahme der gesamten Pflegekosten durch die Pflegeversicherung. „Zwischenzeitlich sollten die Versicherungsleistungen einmalig um 500 Euro erhöht werden – unabhängig vom Pflegegrad“, sagt er. Die Pflegesätze seien jährlich an die Einkommensentwicklung in Deutschland anzupassen. Matthias Steindorf vom Wohlfahrtsverband indes schlägt vor, den Eigenanteil der Bewohner einzufrieren und dafür die Zuschüsse der Pflegeversicherung zu erhöhen.

Die Pflegekosten werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Nach Prognosen der AOK plus gibt es bis 2030 in der Altenpflege in Sachsen einen Mehrbedarf von über 16 000 Vollzeitstellen.