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Plaudern gehört bei Otto zur Feuerzangenbowle

Seit zwölf Jahren steht Otto Karitzki aus Großenhain auf dem Döbelner Weihnachtsmarkt. Aber die Zeit geht zu Ende.

Von Jens Hoyer
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Otto Karitzki ist immer fürs Plaudern oder einen Scherz zu haben. Die Weihnachtsmannmütze gehört zur Ausstattung des 72-Jährigen, der seit zwölf Jahren auf dem Weihnachtsmarkt Feuerzangenbowle ausschenkt.
Otto Karitzki ist immer fürs Plaudern oder einen Scherz zu haben. Die Weihnachtsmannmütze gehört zur Ausstattung des 72-Jährigen, der seit zwölf Jahren auf dem Weihnachtsmarkt Feuerzangenbowle ausschenkt. © André Braun

Großenhain/Döbeln. An einen Weihnachtsmarkt vor ein paar Jahren kann sich Otto Karitzki noch gut erinnern. „Es war 20 Grad kalt und Schneesturm, die Leute waren trotzdem da und mir waren die Feuerzangenbowle und der Glühwein eingefroren. Da habe ich das im Wasserbehälter warm gemacht. Und als das Getränk endlich heiß war, sind die Kunden heimgegangen“, sagt der 72-Jährige. 

Otto kann manche Erinnerung vom Döbelner Weihnachtsmarkt erzählen. Seit zwölf Jahren steht er mit Feuerzangenbowle vor dem Rathaus. Allerdings wird er künftig kein neues Kapitel in seine Erinnerungen einfügen. „Ich bin zum letzten Mal da, eigentlich wollte ich schon vor zwei Jahren aufhören und habe mich immer wieder überreden lassen, zu helfen.“

Vor zwei Jahren hatte er die Marktbude samt Zubehör schon verkauft. Das Alter machte sich immer mehr bemerkbar, erzählt der Markthändler, der aus der Nähe von Großenhain kommt. „Das Kreuz tut weh, ich muss ja den ganzen Tag stehen. Aber die Leute wollen nun mal schwatzen und ein bisschen unterhalten sein. Und mir gefällt das auch“, sagte Karitzki. 

Ein bisschen habe es gedauert, bis die Döbelner aufgetaut sind, erzählt er. „Ich bin inzwischen ein Döbelner. Die Leute kennen mich alle. Das gefällt mir.“ Sogar seine Goldene Hochzeit hatte Otto in Döbeln gefeiert – vor ein paar Jahren, als es die Gaststätte im Ratskeller noch gab. „Wir sind mit der Pferdebahn gefahren. Ich dachte, das ist mal etwas anderes. Die Verwandtschaft war begeistert. Fast alle waren zum ersten Mal in Döbeln. Die Bahn musste dreimal fahren.“

Dieses Jahr läuft der Marktbetrieb noch nicht so gut. Schlechtes Wetter mit Regen bedeutet auch schlechtes Geschäft für die Händler. „Die Leute haben den Willen zu kommen, aber wer stellt sich bei Regen hin“, sagte Otto. An richtig guten Tagen gehen auch mal 80 oder 100 Liter Glühwein und Feuerzangenbowle über den Tresen. Letztere ist die Spezialität des Händlers und wird von ihm immer selbst gebraut. 

Alle paar Tage setzt Otto dafür den großen Kupferkessel in der Marktbude in Gang. Inhalt: 100 Liter. Zehn Kilo Zucker gehen unter Zugabe von etlichen Litern hochprozentigem Rum in Flammen auf und werden in Rotwein überführt. Dazu kommen noch die Gewürze im großen Teesieb. Dann muss das Gebräu noch eine Nacht stehen, damit sich der Geschmack entwickeln kann. „Den Tipp hat mir ein Winzer gegeben“, sagte Otto. Vor dem Ausschenken wird das Gemisch in Behälter umgefüllt und gekühlt.

Otto Karitzki hat schon einiges ausprobiert im Leben. Er war 13 Jahre Bürgermeister in einem kleinen Dorf bei Großenhain, danach zehn Jahre Geschäftsführer in der Firma Großenhainer Kartoffeln. „Wir haben 10 000 Tonnen im Jahr verkauft oder veredelt“, sagte er. Langweilig werde ihm mit großem Haus und Garten auch nicht werden. Außerdem ist da noch das Kajütboot, mit dem er unterwegs ist. „Wir legen jedes Jahr 1500 Kilometer zurück.“