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15 neue Botschafter für den Nationalpark

Bad Schandau

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Im trüben Regendunst zieht sich der Lehnsteig vor der Seminargruppe den Berg hinauf. Nach stundenlanger Theorie in den Fächern Naturschutz und Tourismus ist heute Praxis im Nationalpark angesagt. Vornweg stiefelt Andreas Knaak, Referent für Besucherlenkung der Bad Schandauer Schutzgebietsverwaltung. Hinter ihm schnaufen 15 angehende Nationalparkführer einher. Es ist ihre Ausbildungswoche, an deren Ende ein Zertifikat als ausgewiesener Profi für naturverträglichen Tourismus im Nationalpark Sächsische Schweiz steht.

Mit dabei sind etliche lokale Outdoor-Anbieter, aber auch Firmen aus anderen Teilen Sachsens: René Hofmann, Inhaber der Königsteiner Tourismusfirma Kanu Aktiv Tours, Doris Fritsche von der Event-Agentur Elbtal-Insider. Das Aktiv-Reise-Team Chemnitz ist dabei, ebenso jemand, der gelegentlich für die Firma Hobbit-Hikes arbeitet.

Vor fünf Jahren hat die Nationalparkverwaltung schon einmal eine ähnliche Schulung angeboten. 20Führer wurden damals zertifiziert. Die ergänzten fortan die Wanderangebote der Nationalparkwacht. Dass die Behörde jetzt erneut Tourenführer anlernt, kommt nicht von ungefähr. Die Verwaltung sucht neue Partner und Multiplikatoren, die ihre Prinzipien und Schutzziele einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Und sie will weg von einer Öffentlichkeitsarbeit nach dem Gießkannen-Prinzip – hin zu gezielteren und verlässlicheren Kampagnen.

Das wöchentliche Wanderprogramm für Jedermann – mit der Wacht – gab es 2008 zum letzten Mal. So hatte es Amtschef Jürgen Stein schon vor einigen Wochen angekündigt: „Unsere Resourcen sind nicht unbegrenzt.“ Führungen mit der Nationalparkwacht sollen künftig nicht mehr für die breite Masse, sondern für spezielle Partner angeboten werden – für Kommunen und Vereine zum Beispiel, und eben für zertifizierte Partner-Unternehmen.

Die eigene Basis schützen

Die kostenlosen wöchentlichen Touren ab Bastei, Waldhusche und Buchenparkhalle wird es nicht mehr geben. Die Nachfrage sei ohnehin zu gering, wie es heißt. Die Verwaltung will die Führungen künftig vielmehr wie einen Spezialschlüssel einsetzen – um im lokalen Umfeld des Nationalparks Akzeptanz-Barrieren abzubauen. Unter Touristen hingegen stoße der Schutzgebietsgedanke schon auf breites Verständnis.

Den heimischen Outdoor- Anbietern kommt das gerade recht: Der Nationalpark mache damit „ein Feld frei“, sagt René Hofmann von Kanu Aktiv Tours. Vielleicht könne sich manch ein Privater bald als zertifizierter Nationalpark-Führer eine Existenz aufbauen. Auch als starker Werbe-Partner sei der Nationalpark interessant. Doch Hofmann sieht nicht nur den eigenen wirtschaftlichen Vorteil. Auch der Natur nütze es, wenn sich jene, die von ihr leben, möglichst gut mit deren Schutzbedürfnissen auskennen. Hofmanns Credo lautet: Wer im Outdoorgeschäft mit dem Nationalpark rücksichtslos umgeht, macht sich die eigene finanzielle Basis kaputt. Man könne nicht einerseits mit der Natur arbeiten – und zugleich gegen sie.

Auch Andreas Knaak geht davon aus, dass Naturnutzer – auch kommerzielle – und Naturschützer einen gemeinsamen Weg finden können, auf dem alle weiterkommen. Manchmal, so deutet er an, müsse der Vernunft im Gelände zwar auch von Amts wegen nachgeholfen werden. Das aber soll „mit Augenmaß und ohne Paragraphengefuchse“ passieren, sagt Knaak.