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Döbeln

250 Quadratmeter für jedes Kind

Die evangelische Grundschule ist vor 20 Jahren in einem Raum gestartet. Heute bietet ein riesiges Areal viel Freiraum.

Der Astronautentestlauf, den Emma und Sina absolvieren, gehören zu den Wettbewerben, die sich die Eltern der Drittklässler zum Geburtstag der evangelischen Grundschule Technitz ausgedacht haben.
Der Astronautentestlauf, den Emma und Sina absolvieren, gehören zu den Wettbewerben, die sich die Eltern der Drittklässler zum Geburtstag der evangelischen Grundschule Technitz ausgedacht haben. © Dietmar 'Thomas

Technitz. Der Anfang war holprig, die Entwicklung rasant. „Wachsen lassen“ ist das Motto der einzigen freien Schule in der Region Döbeln. Der Lernraum Technitz ist gewachsen und besteht nun bereits seit 20 Jahren.

Dass die evangelische Grundschule diesen Geburtstag einmal feiern würde, war anfangs kaum vorstellbar. Die Schließung der staatlichen Schule in Technitz war 1999 schon beschlossene Sache. Doch einige Eltern wollten das nicht hinnehmen. 

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„Es entstand eine Elterninitiative mit acht Gründungsmitgliedern“, erzählt Peggy Mielke, Schatzmeisterin im Vorstand des christlichen Schulvereins. Unterstützung bekam die Initiative von Pfarrer Lutz Behrisch, der auch der erste Vorsitzende des Vereins wurde.

Nächtelang arbeiteten die Eltern eine Konzeption aus und tauschten sich mit anderen freien Schulen aus. Den Antrag auf die Eröffnung und den Betrieb einer freien Grundschule stellten sie im November 1999. 

Monatelang lag das Papier bei den Behörden. Dann änderte sich auch noch die Zuständigkeit. „Einen Tag vor dem Schulanfang im Jahr 2000 kam die Genehmigung per Fax“, so Peggy Mielke. Daraufhin unterrichtet eine Lehrerin zwölf Kinder in einem Raum des Pfarrhauses.

Heute werden 96 Mädchen und Jungen von sieben Lehrern und sieben Mitarbeitern im Hort betreut. Insgesamt haben die Grundschule schon mehr als 450 Kinder besucht. Und es gibt 86 engagierte Vereins- sowie 51 Fördermitglieder.

Zwischen den Anfangs- und den heutigen Zahlen liegen die Schließung der staatlichen Schule, die Modernisierung der Sanitäranlagen, der Neubau von Turnhalle und Hort nach dem Hochwasser 2002, die energetische Sanierung des Schulhauses und die Schaffung eines attraktiven Außengeländes mit Bolzplatz, Kletterfelsen, Jurte und einem Waldstück.

„Das Areal ist 22 090 Quadratmeter groß. Das heißt, jedem Kind stehen 225,4 Quadratmeter zur Verfügung“, hat die Schatzmeisterin ausgerechnet. Zum Geburtstag der Schule wurde noch eine Naschobsthecke gepflanzt. Die müssen die Schüler allerdings – getreu ihrem Motto – erstmal wachsen lassen, ehe die ersten Beeren geerntet werden können.

Lernraum statt Schule

Die Kinder haben in Schule und Hort viele Freiheiten, wobei die christliche Orientierung und die reformpädagogischen Ansätze auch nach 20 Jahren noch eine große Rolle spielen. Deshalb werde weniger von der evangelischen Grundschule, sondern stets vom christlichen Lernraum gesprochen.

„Dabei bilden Schule und Hort immer eine Einheit“, so Peggy Mielke. Dazu gehört ein umfangreiches Ganztagsangebot, das die Kinder jedes halbe Jahr wechseln können. Sport ist ebenso dabei wie Musik, Holz-, Ton- und Textilwerkstatt oder eine Ritter-AG.

Zum 20-Jährigen wurde deshalb auch kein Schul- sondern ein Lernraumfest gefeiert, bei dem sich die Eltern, wie schon so oft, kreative Angebote für die Kinder ausgedacht haben. Außerdem gab es ein Kinder-Rockkonzert, einen Gottesdienst und eine offene Bühne, auf der sich Bands aus Döbeln und Hartha vorgestellt haben. Das Lernraumfest war auch Treffpunkt für viele ehemaliger Technitzer Schüler.

Erstmals wird ab Oktober eine von ihnen für längere Zeit als BA-Studenten in die Schule zurückkehren. „Nachdem wir schon öfter Ehemalige als Praktikanten hatten, ist das wieder eine Neuheit“, so Peggy Mielke. Aber auch diese werden sie wachsen lassen.