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55 Familien müssen raus

An der Heinestraße in Neustadt soll ein Wohnblock abgerissen werden. Warum Mieter trotzdem erst mal keine Angst haben müssen.

Der Wohnblock an der Heinrich-Heine-Straße 86-102 soll weg. Allen Mietern wurde gekündigt.
Der Wohnblock an der Heinrich-Heine-Straße 86-102 soll weg. Allen Mietern wurde gekündigt. © Dirk Zschiedrich

Für die meisten Mieter des DDR-Neubaublocks an der Heinrich-Heine-Straße in Neustadt kommt die Kündigung völlig überraschend. Bis zum 22. Februar 2022 sollen sie ausziehen, das Haus wird abgerissen, teilte ihnen die Wohnungsgenossenschaft Neustadt/Sachsen Ende Januar mit. Drei Jahre können sie sich nun mit dem Umzugsgedanken beschäftigen. Eine lange Frist, die Bewohner trifft die Nachricht dennoch schwer.

Viele der 55 betroffenen Familien leben schon seit Jahrzehnten in diesem Haus, sie sind fassungslos. Michael Schweizer, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Neustadt, versucht, zu besänftigen: „Wir haben in dem Objekt einen Leerstand von 33 Prozent, wir können es nicht mehr halten. Allen Mietern, denen wir kündigen mussten, haben wir eine andere Wohnung angeboten, voll renoviert und in einem besseren Zustand als es die derzeitigen Räume es sind. Die Mietpreise sind ähnlich hoch. Außerdem tragen wir, auf die individuellen Bedürfnisse unserer Mieter abgestimmt, auch deren Umzugskosten“, erklärt er.

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Mit der langen Frist bis 2022 möchte die Genossenschaft den Bewohnern ausreichend Zeit geben, sich selbst um eine neue Wohnung zu kümmern oder das Angebot einer Ersatzwohnung durch die Genossenschaft anzunehmen. Diese plant, das Areal 2023 zu verkaufen – für den Bau von Eigenheimen oder neuen Mietshäusern.

Selbst sei die Wohnungsbaugenossenschaft wirtschaftlich nicht in der Lage, einen Neubau mit Mietwohnungen zu stemmen, sagt Schweizer. „Wir haben noch Wohnungen in anderen Neubaublöcken. Wenn es künftige Mieter wünschen, können wir dort auch Einheiten vergrößern und zum Beispiel zu Vier-Raum-Wohnungen umbauen. Doch ohne einen konkreten Wunsch geht das im großen Maße leider nicht“, betont er. Für den Abriss an der Heinrich-Heine-Straße sollen im nächsten Jahr noch Fördermittel beantragt werden. Wenn der Antrag von der Stadt im Jahr 2020 im Doppelhaushalt abgesegnet wird, kann die Genossenschaft mit 66 Prozent Fördermitteln für den Abbruch des Wohnblocks rechnen.

Neustadts Bürgermeister Peter Mühle (NfN) äußerte sich mit Bedauern zu den Plänen: „Ich wusste nicht, dass die Mieter bereits die Kündigung erhalten haben. Mir sind die Pläne zwar bekannt, aber dass es nun so schnell geht, ist auch mir neu. Ich finde es aber fair, den Mietern drei Jahre Vorlaufzeit zu geben.“ Mühle denkt unterdessen schon einen Schritt weiter. „Das Gebiet muss entwickelt werden. Da es über eine Infrastruktur mit Wasseranschluss und über Heizkanäle verfügt, kann es sicherlich leichter umgebaut werden. Wenn sich ein Investor findet, könnte an der Heinrich-Heine-Straße ein neues Wohngebiet mit Mietwohnungen entstehen.“

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