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60 000 pilgerten an die Rennstrecke

Hohnstein. In den Programmen für die Bergrennen 1930,1932 und 1933 stehen interessante Details.

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Von Heinz Ruscher

Dank der Unterstützung durch den Wirt der Hohburkersdorfer Gaststätte „Einkehr zur Rennstrecke“ konnte ich die Rennprogramme der Hohnstein-Bergrennen 1930, 1932 und 1933 einsehen. Originalaufnahmen aus der Sammlung des Herrn Protze aus Hohnstein – 1996 im Museum Stolpen in einer Ausstellung zu sehen – bilden heute den Wandschmuck der Gaststätte.

Interessante Einzelheiten finden sich in diesen Programmen. Es waren Einzelrennen, die ausgetragen wurden. So heißt es: „Bleibt ein konkurrierendes Fahrzeug durch irgendwelche Gründe auf der Strecke stehen, so darf keinesfalls das Publikum zu diesem Fahrzeug laufen und die Strecke bevölkern.“ Oder: „Die aufgestellten Winkerposten sind nicht von der Ausübung ihres verantwortungsvollen Postens abzulenken.“ Zu lesen ist auch: „Die Resultate der Ergebnisse der einzelnen Rennen sowie sämtliche Bekanntmachungen der Rennleitung werden durch Großlautsprecher bekannt gegeben.“

„Deutscher Regenmeister“

Aus Anlass der Rennen setzte jedesmal eine Völkerwanderung ein. In hellen Scharen eilten die Besucher per Auto, Motor- oder Fahrrad, mit Omnibussen und der Eisenbahn bereits am frühen Morgen des Renntages zur Rennstrecke. Ob Sonderzüge ab Dresden fuhren, ist nicht mehr nachprüfbar, aber meiner Meinung nach sehr wahrscheinlich. 1932 bevölkerten 60 000 Zuschauer die Rennstrecke und „belagerten“ Start und Ziel.

In den Ehrenausschüssen der Rennen 1930 und 1932 waren leitende Persönlichkeiten der gastgebenden Verbände ADAC Dresden und des ASC 1904 Dresden ebenso vertreten wie die Chefredakteure der Zeitungen „Dresdner Neueste Nachrichten“, „Dresdner Anzeiger“ und „Dresdner Nachrichten“.

Für den schnellsten deutschen Wagen hatte das Sächsische Wirtschaftsministerium einen Wanderpreis gestiftet. Weitere Sonderpreise der veranstaltenden Clubs ergänzten diese Auswahl.

Die Startliste umfasste 1930 bei Motorrädern in den verschiedenen Klassen 25 Ausweisfahrer und 18 Lizenzfahrer. 15 Seitenwagengespanne hatten sich ebenfalls gemeldet. In den Klassen der Sportwagen starteten 20 Fahrer am Start. Der Bedeutendste unter ihnen war zweifelsohne der deutsche Bergmeister Rudolf Caracciola, der auch die schnellste Tageszeit fuhr. Seinen inoffiziellen Titel „Deutscher Regenmeister“ bewies er an diesem verregneten 5. Oktober 1930, an dem es bedauerlicherweise zu bösen Stürzen kam.

Luftschiff fährt bei Sonne

Wie eine Ironie des Schicksals musste es erscheinen, als nach Beendigung der Rennen der Regen aufhörte und im Sonnenschein das Luftschiff LZ 127 „Graf Zeppelin“ das Gebiet der Rennstrecke überflog. Dieser Überflug es Luftschiffes hatte den Berichterstatter der ADAC-Motorwelt besonders fasziniert. Übrigens, ein Bild dieses Luftschiffes beim Flug über Bischofswerda ist im zweiten Band von „Zwischen Kirnitzsch und Wesenitz“ abgedruckt.

Der erste Teil erschien am 31. Juli, Serie

wird fortgesetzt