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700 Unterschriften für einen Imbiss

Die Kündigung für den Platz am Schmilkaer Elbufer will Familie Fuhrmann nicht einfach hinnehmen. Aus gutem Grund.

Von Heike Wendt

Zermatt als Vorbild: Am Nordostfuß des Matterhorns liegt einer der bekanntesten Wintersportorte in der Schweiz. Wer hier Urlaub machen will, sollte zahlungswillig sein. Da kann die Ferienwohnung für zwei Personen schon mal 1 718 Euro kosten. Pro Woche. Mit viel Glück gibt es auch eine für 518 Euro. Ohne Verpflegung.

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Wird es künftig auch in Bad Schandau, zu dem Schmilka gehört, nur noch hochwertigen Tourismus geben? Zumindest kommt es Michael Bunzler aus Sebnitz so vor, als ob die Schweiz als Maßstab gelten soll. Denn der Imbisswagen, der seit 24 Jahren nahe dem Schmilkaer Fähranleger steht, soll weg. Preiswert einen kleinen Snack aus dem Wagen gereicht – das soll es in Bad Schandau nicht mehr geben. Die Stadt hat den Betreibern den Pachtvertrag gekündigt (SZ berichtete).

Rechtlich ist daran nicht zu rütteln. Aufregung darum gibt es dennoch. Nicht nur Michael Bunzler ist der Meinung, dass die Kündigung nicht sein muss. Alle Besucher sollten willkommen sein. Menschen mit weniger Geld und Menschen mit voller Börse. „Wir brauchen alle“, schreibt er in einem Leserbrief, nachdem er von der bevorstehenden Schließung erfahren hatte.

Ursula Rittner aus Schmilka findet es ebenfalls nicht in Ordnung, dass der Wagen zugemacht wird. „Es muss auch Angebote für das kleine Portemonnaie geben“, sagt sie. Mit ihren vier Kindern war sie oft unterwegs in der Sächsischen Schweiz. Aber in teure Restaurants zu gehen, das könne sich nun mal nicht jeder leisten. Da sei sie über preiswerte Speisen froh gewesen. Die Schließung ärgert sie.

Die beiden stehen mit ihrer Meinung nicht allein. „Über 700 Unterschriften für die Erhaltung unseres Imbisswagens haben wir gesammelt“, sagt Romy Fuhrmann. Ihr gehört der mobile Verkaufsstand, an dem Touristen nicht nur Bockwurst und Schnitzelburger, sondern auch Fährzeiten, Abfahrtszeiten der S-Bahn und Tipps fürs Wandern bekommen. Die Unterschriften-Listen sind Seite für Seite in Plastikfolie gepackt. Kein Name und keine Adresse soll verloren gehen. Im vergangenen Monat hatte Familie Fuhrmann die Blätter ausgelegt, auf der Fähre und am Imbissstand. Schnell waren die 700 Unterschriften zusammengekommen. Das sind etwa zehnmal so viele, wie Schmilka Einwohner hat.

Mit der Kündigung des Pachtvertrages beruft sich Bürgermeister Andreas Eggert auf einen Stadtratbeschluss. Der wurde vor seiner Amtszeit, die 2001 begann, gefasst. Das Papier besagt, dass in Bad Schandau nur aus festen Gebäuden verkauft werden soll. Mobile Imbisswagen seien aus dem Stadtbild zu verbannen – was nur auf öffentlichen Flächen umsetzbar ist. In seiner Amtszeit habe Eggert entsprechende Anfragen abgelehnt. Der Imbiss in Schmilka wurde bisher verschont. Jetzt wird das Café Richter, direkt neben dem Imbisswagen, saniert. Und der Standort soll aufgewertet werden, heißt es. Deshalb soll es den Wagen nicht mehr geben.

Bad Schandaus Stadträte teilen nicht alle diese Meinung. „Ich finde es nicht verkehrt, wenn der Imbiss in Schmilka bleibt“, sagt Jürgen Kopprasch, Fraktionsvorsitzender der Wählervereinigung Tourismus. Rucksacktouristen, die schnell zur Fähre wollen, sollten schon die Chance haben, schnell noch ein Eis zu essen. „Die gehen nicht ins niveauvolle Café“, ist er überzeugt. Für das Stadtbild von Bad Schandau sei die Verbannung von mobilen Verkaufsständen in Ordnung. In Schmilka an der Elbe müsse das nicht gleichermaßen gelten.

Die Unterschriftenliste soll nun an den Bürgermeister übergeben werden. Nächsten Dienstag darf Frau Fuhrmann im Rathaus vorsprechen. „Ich habe eine ganze Menge Fragen an Herrn Eggert“, sagt sie.