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„Abgehakt, erledigt, vorbei“

Im SZ-Interview sagt Werft-Geschäftsführer Michael Lohnherr, warum eine Rettung des insolventen Traditionsbetriebs gescheitert ist.

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Michael Lohnherr führte 13 Jahre lang die Sächsische Dampfschiffahrt. Weil die Laubegaster Schiffbauer in den 1990er-Jahren bei mancher Dampferreparatur zu teuer waren, vergab er auch Aufträge an eine Werft in Sachsen-Anhalt. 2011 wurde er wegen seiner Erfahrung nach nicht einmal einem Jahr Rente überraschend als Retter des insolventen Traditionsunternehmens gerufen - auch für den Schiffsfan eine schwere Aufgabe. Mit der Schließung der Werft in der kommenden Woche geht auch er.

Herr Lohnherr, diese Woche hat der Insolvenzverwalter das Aus für die Laubegaster Werft verkündet, weil sich kein Käufer gefunden hat. Sie sind 69 Jahre alt. Freuen Sie sich nun auf den Ruhestand?

Außerordentlich, und zwar deswegen, weil ich in Kürze 70 Jahre alt werde. Dann ist das Kostbarste die Zeit, die man noch hat. Ich habe bis zum Alter von 66 die Sächsische Dampfschiffahrt geleitet und jetzt noch einmal zwei Jahre und drei Monate die Werft. Ich will nun meine Zeit genießen. Noch bin ich fit und kann alles machen. Aber das kann sich ja schnell ändern.

Sie sind nach der Pleite im Januar 2011 Geschäftsführer der Werft geworden. Haben Sie erreicht, was sie sich vorgenommen haben?

Man hätte mich wahrscheinlich nicht gefragt, ob ich das mache, wenn ich nicht vorher 13 Jahre lang die Sächsische Dampfschiffahrt geleitet hätte. Bedingung der Gläubiger war, bei einer Fortführung des insolventen Unternehmens keine weiteren Verluste zu machen. Das ist gelungen. Nach einer schwarzen Null im ersten Jahr machen wir wieder stabile kleine Gewinne. Insofern kann ich meine Aufgabe als erfüllt betrachten. Das ist auch dem Insolvenzverwalter und allen Mitarbeitern zu danken, die von Anfang an dem Betrieb die Stange gehalten haben, obwohl sie bis zur Insolvenzanmeldung kein Geld bekamen und nicht wussten, ob es eine Zukunft für sie gibt. Das ist ein geradezu preußisches Pflichtbewusstsein, zeigt aber auch ihre Verbundenheit. In jeder anderen Firma wären sie längst weg gewesen.

Stichwort Zukunft: In über zwei Jahren konnte kein Investor gefunden werden, der die Werft übernimmt und weiterführt. Schmerzt Sie das?

Dieses Ziel haben wir nicht erreicht. Natürlich schmerzt das, aber es entzieht sich meinem Einfluss. Ich bin für den reibungslosen Betrieb zuständig und, dass die Zahlen stimmen. Für die Investorensuche ist der Insolvenzverwalter verantwortlich, und der hat alles Mögliche versucht.

Warum hat das nicht geklappt?

Es gibt zwar Interessenten, aber die konnten sich nicht mit dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern auf einen Kaufpreis einigen. Letztlich scheitert eine Übernahme nur am Geld. Am sinnvollsten wäre es für die Sächsische Dampfschiffahrt gewesen, die Werft zu kaufen. Denn wenn es die nicht mehr gibt, müssen die Dampfer alle bis nach Dessau-Roßlau in Sachsen-Anhalt gebracht werden. Das dürfte ziemlich umständlich und teuer werden. Von der Dampfschiffahrt kam jedoch meines Wissens kein konkretes Angebot. Aber dies ist ihr gutes Recht, nein danke zu sagen. Dabei wäre deren Gewinn eine Reparaturwerft vor Ort gewesen, mit kurzen Wegen auch bei einer Havarie.

Hätten Sie für eine Rettung der Werft mehr Unterstützung aus der Politik erwartet?

Ich bin davon ausgegangen, dass das Interesse der Sächsischen Dampfschiffahrt am Erhalt der Werft erheblich sein müsste. An dem Unternehmen Dampfschiffahrt ist der Freistaat als haftender Gesellschafter beteiligt, seine Vertreter sitzen im Verwaltungsrat und haben ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn beispielsweise ein neuer Geschäftsführer eingesetzt wird. Der Insolvenzverwalter und ich waren zwar zu Gesprächen im Finanzministerium, aber leider erfolglos. Von der Stadt hatte ich ebenfalls Unterstützung erwartet, wenn auch in Grenzen. Das ist ja keine Institution, die private Unternehmen finanziert und führt. Aber wenn die Dampfschiffahrt gesagt hätte, wir machen das, hätten sich die Technischen Werke, zu denen die Verkehrsbetriebe mit ihren Fähren gehören, sicher beteiligt. Da hätte man bei den auftragsschwachen Monaten im Sommer auch Arbeitskräfte vorübergehend beschäftigen können, denn die Verkehrsbetriebe brauchen immer wieder Metallbauspezialisten und Schweißer. Eine entsprechende Lösung konnte aber nicht gefunden werden. Bei größeren Schiffsreparaturen sind am Ende auch die kleinen Werften in Bad Schandau oder Decin weder für die Dampfschiffahrt noch für die Verkehrsbetriebe eine wirkliche Alternative. Das zu glauben, wäre schlicht falsch.

Gibt es aus Ihrer Sicht noch eine Chance, die Werft zu retten?

Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass da bis nächste Woche Donnerstag noch jemand kommt. Da müsste alles sehr schnell gehen, sonst sind auch die Mitarbeiter mit ihrem Know-how weg. Die haben schon damit angefangen, sich auf andere Stellen zu bewerben, damit es für sie irgendwann woanders weitergeht. Zum einen müssten sofort die Verträge unterschrieben und das Geld auf den Tisch gepackt werden, wie es die Regeln vorsehen. Dann müsste es außerdem jemand sein, der die Werft sofort mit eigenen Aufträgen aus anderen Geschäftsbereichen versorgen kann. Sonst würde der neue Besitzer mit einem riesengroßen Loch starten. Denn wir mussten alles ablehnen, was wir absehbar nicht bis Ende März geschafft hätten, schon aus rechtlichen Gründen. Aus meiner Sicht ist die Sache mit hoher Wahrscheinlichkeit deshalb abgehakt, erledigt und vorbei.

Das Gespräch führte Tobias Wolf.