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Zittau

Abgerissene Kirche wird zum Wallfahrtsort

In Václavice bei Hrádek stand bis 1976 ein Gotteshaus. Nun entsteht an dessen Stelle ein Kreuzweg, der woanders beseitigt werden musste.

So sah die Kirche in Václavice aus, deren Abriss 1976 erfolgte.
So sah die Kirche in Václavice aus, deren Abriss 1976 erfolgte. © Roman Sedlácek

Der Opernsänger Luděk Vele hat Grund zur Freude. Nachdem er 2015 einen Kreuzweg in der Umgebung der Burg Grabštejn (Grafenstein) installierte und diesen zwei Jahre später vom Denkmalschutz aus wieder beseitigen musste, konnte ein neuer Standort dafür gefunden werden. Die 14 Sandsteinreliefs beziehungsweise Kreuzwegstationen werden den neuen Wallfahrtsort in Václavice (deutsch Wetzwalde) schmücken, auf dem Platz der 1976 abgerissenen Jakobskirche. „Wir wünschen uns, alles bis zu dem St. Jakobstag zu schaffen“, sagte Hrádeks (Grottaus) Bürgermeister Josef Horinka. Also bis zum Sommer.

Ein Bild aus der Zeit, als Václavice noch Wetzwalde hieß.
Ein Bild aus der Zeit, als Václavice noch Wetzwalde hieß. © Roman Sedlácek

Václavice liegt fünf Kilometer östlich von Hrádek, an der Grenze zu Polen. Durch die Gemeinde führt der Zittauer Jakobsweg. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort verwüstet und die Kirche zerstört. So folgte 1699 der Neubau der Barockkirche des Apostels Jakobus, die fast 300 Jahre ein untrennbarer Teil des Dorfes war. Vor dem Krieg lebten dort 1.404 Bewohner, nach dem Krieg nur 180. Im Jahre 1948 wurde Wetzwalde in Václavice umbenannt. 

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"Seit dem Ende des Krieges, nach der Vertreibung der deutschen Bewohner, wurde die Kirche nicht mehr genutzt und verwahrloste", berichtet Horinka. In den 1970-er Jahren war sie bis auf die Kanzel leergeräumt, das meiste Inventar gestohlen oder zerstört. Die Altargemälde, die silberne Monstranz und Kerzenhalter, Leuchter und die Kirchenbänke verschwanden spurlos, die farbigen Bleiglasfenster wurden eingeworfen. Im Jahre 1976 erfolgte der Abriss der Kirche, die das Ortsbild dominierte.

Entdeckte Vergangenheit

Von den heutigen Bewohnern weiß schon fast keiner mehr, dass in Václavice mal eine Kirche stand - und wo genau. Per Zufall konnten 2018 die Grundmauern entdeckt werden. "Durch das extrem trockene Wetter waren sie auf einer Luftaufnahme einer Drohne zu sehen", sagt der Bürgermeister. Die Grundmauern lagen nur 20 bis 30 Zentimeter unter dem Boden.

Die Stadt ließ Archäologen ran. Die fanden noch weitere wertvolle Fundamente. "Wir haben nicht nur den Grundriss der Barockkirche entdeckt, sondern höchstwahrscheinlich auch die ganz ursprünglichere Kirche", sagt Archäologe Petr Brestovanský aus dem Nordböhmische Museum in Liberec (Reichenberg). "Wir fanden zudem eine originale Entwässerungsrinne und ein Stück Bodenbelag."

Nun werden die Grundmauern ausgegraben und der Innenraum der Kirche mit Steinschutt befestigt. Die Seiten des ehemaligen Gotteshauses sollen einmal die Kreuzwegtafeln umgeben. "Ich sehe darin eine echte Symbolik", meint Opernsänger Luděk Vele, der zwei Dutzende Benefizkonzerte für die Burg Grabštejn gab. "Die Kirche haben während der totalitären Zeit die Kommunisten vernichtet, den Kreuzweg 40 Jahre später die Regionalbehörden, also die Kapitalisten", sagt der 68-jährige ehemalige Solist des Prager Nationaltheaters, der heute seinen Ruhestand an der deutsch-tschechischen Grenze genießt.

Als Initiator des Projekts des Kreuzweges musste Vele die Sandsteinreliefs vom Grabštejn 2017 entfernen, weil sie dort ohne Erlaubnis des Denkmalsamts standen. Nach Ansicht der Beamten passten sie nicht in das historische Gelände. Der Kreuzweg fand danach eine provisorische Zwischenstelle beim Pflegeheim in Chotyně. Nun bekommt er seine endgültige Stelle. "Die Reliefs sollen die Bilder vom Kreuzweg ersetzen, die in jeder Kirche zu finden sind", sagt Vele. Die Kosten für die Anlegung des Wallfahrtsortes betragen etwa eine halbe Million Kronen (knapp 20.000 Euro).

Der Friedhof in Václavice
Der Friedhof in Václavice © Roman Sedlácek

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