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Abschied nach dem Aufstieg

Trainer Matthias Maucksch führt Union Fürstenwalde in die Regionalliga – doch seine Bedenken wiegen schwerer.

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© Robert Michael

Von Sven Geisler

Das ging schnell, für einige vielleicht zu schnell. In zwei, drei Jahren sollte Matthias Maucksch Union Fürstenwalde in die Fußball-Regionalliga führen. Doch er hat nur eine Saison gebraucht. Mit dem 5:2-Sieg gegen die höher eingeschätzte Hertha aus Zehlendorf haben sie in der NOFV-Oberliga, Staffel Nord, den Aufstieg vorzeitig gesichert. Während die Mannschaft den überraschenden Erfolg fünf Tage lang auf Mallorca feierte, unterrichtete der Trainer an der Grundschule in Kötzschenbroda Sport.

Maucksch pendelt, ist zweieinhalb Tage in Dresden, ab Mittwochnachmittag bei seiner Mannschaft in Fürstenwalde. Die hat er im vorigen Sommer nach reiflicher Überlegung, aber voller Überzeugung übernommen. „Natürlich habe ich mich zunächst schwergetan, in der fünften Liga anzufangen“, sagt der 46-jährige Ex-Dynamo-Coach, der 2010/11 die personellen und athletischen Grundlagen für den Zweitliga-Aufstieg gelegt hatte. „Aber ich habe die Möglichkeit gesehen, mit meinen Vorstellungen dort etwas bewegen zu können.“

Was er vorfand, war ein gut organisierter Verein, der sich eingerichtet hatte in seiner Klasse. Mit dem neuen Trainer ändert sich nicht nur die Ansprache. „Ey, du“, hat er sich verbeten. „Trainer“ und „Sie“. Er führt Trainingspläne ein, setzt auf Physiotherapie und Rehabilitation. „Manche Spieler haben erst einmal die Augen verdreht.“ Maucksch erhöht das Pensum, lässt manches Mal bis zu zweieinhalb Stunden am Stück trainieren. „Da sind viele kräftemäßig erst mal in den Keller gegangen“, erzählt er, und sein Grinsen verrät, dass er genau das erwartet hatte. Der Dresdner wusste aber auch, dass sich die harte Arbeit auszahlen wird.

Anfangs stellte er eine gewisse Urlaubsstimmung fest in der malerischen Landschaft des Berliner Urstromtals. „Das widerspiegelt sich in der Mentalität, mancher lässt es etwas lockerer angehen.“ So kam es vor, dass sich einer vom Training abmeldete, um mit der Freundin einen Ring kaufen zu gehen. Die Spieler sind keine Profis, studieren oder gehen wenigstens halbtags arbeiten, trainiert wird 13.30 und 18.30 Uhr.

Schnell trennt sich die Spreu vom Weizen, aber die junge Truppe findet sich. Wer mitzieht, merkt bald, wofür es sich lohnt. „Dass wir über die spielerische Schiene und unsere Schnelligkeit einiges erreichen können, war klar. Was uns fehlte, war eine gewisse Männlichkeit, also in bestimmten Situationen klarzumachen: Hier bin ich, und das ist mein Ball!“ Das hat er seiner Mannschaft vermittelt, und spätestens in der Rückrunde war sie den meisten Kontrahenten „kraftstrotzend überlegen“, mit dem Spiel gegen Zehlendorf als Krönung.

Maucksch hat es geschafft, die Spieler hinter sich zu bringen, und lachend erzählt er: „Am Anfang haben sie mich gehasst.“ Er konnte sich nicht „seinen“ Kader zusammenstellen, im vorigen Sommer nur den bei Dynamo aussortierten Paul Milde dazuholen, in der Winterpause mit Stefan Süß einen weiteren Dresdner sowie Ingo Wunderlich vom Berliner AK. Es ist mehr als ein Fingerzeig, dass mit Milde einer „seiner“ Leute künftig für den Ligakonkurrenten Budissa Bautzen spielen wird.

Maucksch ist skeptisch, ob Fürstenwalde schon reif ist für die höhere Klasse. „Das Tagesgeschäft Fußball ist zu vielfältig, als dass man es ehrenamtlich nur nebenbei erledigen kann“, sagt er – wohlwissend um die Qualität der Gegner in der Regionalliga. Die Vorfreude auf das Brandenburg-Duell gegen Absteiger Cottbus ist groß in Fürstenwalde, wo sich die Zuschauerzahl von 500 auf 1 500 verdreifacht hat. Der Trainer aber denkt nicht nur an die Highlights, er möchte im Alltag bestehen. Der Klassenerhalt muss für ihn nicht nur das Ziel, sondern auch realistisch sein. Maucksch spricht vom eigenen Anspruchsdenken.

Sein Vertrag endet mit der Saison. „Ich hatte bewusst nur für ein Jahr unterschrieben, weil ich sehen wollte, ob es eine Perspektive gibt.“ Auf- und gleich wieder abzusteigen – das wäre für den ehrgeizigen Coach keine Option. Weil er ein solches Szenario nicht ausschließen kann, hat er dem Verein mitgeteilt, dass er aus persönlichen Gründen aufhört. „Meine Familie ist froh, wenn ich wieder öfter zu Hause bin“, sagt Maucksch. Frau Edina, die Söhne Melia (17 Jahre) und Marlo (14) sowie Tochter Mira (8) sind in Dresden geblieben, das war für ihn aber nicht ausschlaggebend.

Er hat Bedenken, ob die Verantwortlichen eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenstellen, was auch mit den begrenzten finanziellen Mitteln zu tun hat. Dynamos Bundesliga-Rekordspieler (118 Einsätze) hätte sich für das Abenteuer vierte Liga mit Fürstenwalde bessere sportliche Voraussetzungen erhofft, wünscht dem Verein aber viel Erfolg.

Maucksch braucht keine Auszeit, ist bereit für einen neuen Trainerjob, das stellt er klar. Es hatte auch während der Saison Anfragen gegeben, zu einem höherklassigen Klub hätte er jederzeit wechseln können, Das Ziel bleibt für ihn der Profi-Fußball, also 3. Liga und aufwärts.