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Abschied vom Rathaus

Markus Banowski verlässt die Stadtverwaltung – um in den Dienst der katholischen Kirche einzutreten.

Auf Wiedersehen: Als Chef des Haupt- und Personalamtes im Rathaus war Markus Banowski für 29 Mitarbeiter verantwortlich.
Auf Wiedersehen: Als Chef des Haupt- und Personalamtes im Rathaus war Markus Banowski für 29 Mitarbeiter verantwortlich. © Claudia Hübschmann

Meißen. An diesem Freitag ist sein letzter Arbeitstag. Seit 1992 ist Markus Banowski in der Stadtverwaltung tätig. Der gelernte BMSR-Techniker kam nach der Wende ins Meißner Rathaus, zunächst als Leiter des Büros des Bürgermeisters. Seit 1997 ist er Chef im Haupt- und Personalamt. Am 1. Oktober tritt der 56-Jährige einen neuen Posten an.

Im Ordinariat des Bistums Dresden-Meißen übernimmt er die Leitung der Personalverwaltung. Innerhalb der Bischöflichen Verwaltung der katholischen Kirche ist er dann für etwa 800 Mitarbeiter – Kirchenmusiker, Beschäftigte in Pfarrämtern und sozialen Einrichtungen in einem mehr als 17.000 Quadratkilometer umfassenden Gebiet zwischen Görlitz und Gera, Plauen und Leipzig – zuständig. Das ist eine neue Herausforderung – eine ganz erhebliche, gibt Markus Banowski zu.

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Schwieriger Start

Kaum Telefone, nur einen Kopierer, viele Fragen und wenig Antworten – so beschreibt Markus Banowski die erste Zeit seiner Arbeit im Meißner Rathaus. Neben dem Aufbau der neuen Verwaltung im gerade erst wiedergegründeten Freistaat Sachsen galt es, sich mit den Hinterlassenschaften der DDR auseinanderzusetzen. Dazu gehörte auch die obligatorische Überprüfung aller Mitarbeiter in Verwaltung, Kitas und Schulen auf eine mögliche Stasi-Mitarbeit.

Markus Banowski war einer derjenigen, die Gespräche mit den Mitarbeitern führten, sobald die Bescheide der Bundesbehörde zur Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit vorlagen. Er berichtet von einer heiklen Situation: „Mir saß ein Mitarbeiter gegenüber, bei dem die Überprüfung eine inoffizielle Mitarbeit bei der Stasi zum Vorschein gebracht hatte. Plötzlich zog er eine Pistole aus der Tasche und legte sie auf den Tisch. Und drohte.“

Im Abendstudium hat sich Markus Banowski zum Verwaltungsfachangestellten und danach zum Verwaltungsfachwirt qualifiziert. Und er hat sich zum psychologischen Ersthelfer ausbilden lassen. Mit diesem Wissen steht er Mitarbeitern bei persönlichen Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung, berichtet der Vater zweier erwachsener Kinder.

Die Stadtverwaltung in Meißen sieht er auf einem guten Weg. Er verweist auf viele neu besetzte Stellen, junge engagierte Leute in der EDV-Abteilung, in diesem Jahr neu eingeführte Prozesse, wie den elektronischen Rechnungslauf. Oder darauf, dass auch außerhalb der Sprechzeiten die Bürger nicht weggeschickt werden, erläutert er – sie  können sich an alle Mitarbeiter wenden, per Telefon oder persönlich. Kann der angesprochene Mitarbeiter nicht sofort helfen, nimmt er das Problem auf und kümmert sich darum, dass es beim zuständigen Kollegen „landet“. 

Scheinbar kleine Dinge wie dieses Beispiel beeinflussen in großem Ausmaß, wie die Bürger ihre Verwaltung wahrnehmen, sagt er. Die von den Stadträten der Großfraktion angestrebte Organisationsuntersuchung im Rathaus kann helfen, die Prozesse weiter zu verbessern. Der Blick von außen kann Betriebsblindheit und falschen Routinen überwinden helfen, ist er überzeugt.

Für eine faire Diskussion

Befragt nach einer Bilanz seiner Jahre im Meißner Rathaus, nennt Markus Banowski die Vertrautheit, die vielen engen Kontakte in der Stadt, auch die Entwicklung Meißens in den 28 Jahren. „Die Stadt ist schön geworden“, erklärt er.

Natürlich sei noch viel zu tun: Er nennt Brachen in verschiedenen Gebieten der Stadt, auch die nicht nur im Stadtrat wahrzunehmende Spaltung. Und er wünscht sich, dass fair und gestützt auf Argumente diskutiert wird, dass die Meinung des anderen Akzeptanz findet. Schließlich sollten alle Seiten die beste Lösung für die Allgemeinheit, „für unsere Stadt“ im Blick haben, sagt er. Die Bürger sollten weiterhin viel einbezogen werden – bei Entscheidungen über Baugebiete ebenso wie zu Strategien der Stadtentwicklung.

Als eine Sternstunde bezeichnet er die Feierstunde, als 1996 dem in Gauernitz bei Meißen geborenen Kammersänger Peter Schreier die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen wurde. Es gab auch schlimme Momente. Etwa, als er um die Jahrtausendwende an Krebs erkrankte und sich über Monate ärztlichen Behandlungen unterziehen musste.

Markus Banowski nennt auch den Verlust von Kollegen wie Jörg Böhme oder Steffen Wackwitz. In schweren Stunden habe ihm sein Glaube dabei geholfen, nicht aufzugeben und „die Dinge anzunehmen“.

Nicht nur eine Dienstanweisung

Die Arbeit der Verwaltung entscheidet mit darüber, wie es um die Demokratie im Alltag steht. Markus Banowski hat in seiner Jugend selbst erfahren, was es heißt, wenn einem Demokratie und Chancengleichheit verwehrt werden. Zu DDR-Zeiten gab es wegen seines Glaubens immer wieder Hindernisse zu überwinden. Auch deshalb lag ihm der Posten des Meißner Wahlleiters, der mit seinem Amt in der Stadtverwaltung verbunden ist, immer besonders am Herzen.

Für freie, gleiche und geheime Wahlen zu sorgen – egal, ob es sich um eine Bundestags-, Landtags- oder Kommunalwahl handelt – das war für ihn nie nur eine dienstliche Handlungsanweisung. Bei Wahlveranstaltungen habe er sich niemals blicken lassen, um als Wahlleiter neutral zu bleiben, sagt er.

Umso mehr hat es ihn getroffen, als nach den Stadtratswahlen im vorigen Jahr Vorwürfe auftauchten, ein Stimmzettel zur Briefwahl sei manipuliert worden. Er selber stellte Strafanzeige gegen unbekannt, um die Ermittlungen zu forcieren. Letztlich erwiesen sich die Vorwürfe als haltlos, und mit einer Ehrenerklärung vor den Stadträten war die Sache offiziell aus der Welt – die persönliche Verletzung über den Angriff gegen seine Integrität nicht.

„Die Kirche ist ein Stück Heimat für mich“, antwortet er auf die Frage, warum er sich bei der Bischöflichen Verwaltung in Dresden beworben hat – und nun in den Dienst der katholischen Kirche eintritt.

Seiner Heimatstadt Meißen bleibt er natürlich verbunden. Nicht nur, weil er hier mit seiner Familie lebt und viele Freundschaften pflegt.

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