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Achtung, Blitzer!

In Rammenau fahren viele in die Radarfalle. An der Zufahrt zur A4 steht der mobile Blitzer dreimal in der Woche. Die Anwohner freut’s.

© Thorsten Eckert

Von Carolin Menz

Mit 75 Sachen rauschte ein Autofahrer jetzt in die Radarfalle in Rammenau. 25 mehr als erlaubt zeigte sein Tacho in dem Moment an, als ihn der rote Schein aus dem Blitzerauto des Landkreises traf und ein teures Schwarz-Weiß-Foto schoss. Es wird nebst einem Bußgeldbescheid über 80 Euro plus Gebühren wenige Tage später im Briefkasten gelandet sein. Erlaubt sind auf der Hauptstraße in Rammenau nur 50 km/h. Geschlossene Ortschaft.

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© dpa

Die Straße als Zubringer zur A 4 verleitet zum Schnellfahren. Viele bringen noch den Schwung von der neu gebauten Ortsumfahrung Bischofswerda mit, die in eine alte Straße vor Rammenau mündet und auf dieser durch Rammenau weiter zur A 4 führt. Seit Eröffnung der Ortsumfahrung bzw. des Autobahnzubringers – der nur in Rammenau mitten durch den Ort führt – hat sich in Rammenau das Verkehrsaufkommen massiv erhöht – und damit Raserei und Lärm. Anwohner wie Ines und Steffen Talke klagen darüber seit Freigabe der neuen Straße. Nun tut sich was. Steffen Talke fällt auf, dass verstärkt geblitzt wird. Ihn freut’s. Er lebt etwas ruhiger.

Autofahrer sollten sich vorsehen, denn Steffen Talkes Eindruck täuscht nicht: Tatsächlich haben die mobilen Geschwindigkeitskontrollen kurz nach dem Ortseingang in Rammenau extrem zugenommen. „Wir blitzen dort jetzt dreimal pro Woche. Vorher war es nur einmal im Vierteljahr“, sagt der Leiter des Ordnungsamtes im Landratsamt, René Burk. „Rammenau ist einer der Schwerpunkte im Landkreis für mobile Geschwindigkeitskontrollen. Hier wird sehr oft zu schnell gefahren, eben weil sich das Verkehrsaufkommen erhöhte.“ Weitere Blitzer-Schwerpunkte im Kreis sind neben Rammenau auch Putzkau, Plotzen sowie Straßen in Bautzen und Kleinwelka. Die Kontrollzeiten variieren im Zeitraum zwischen 6 und 20 Uhr. Nachts kontrolliert das Ordnungsamt nicht.

Wird in Rammenau geblitzt – entweder in Richtung Bischofswerda oder Richtung Kamenz – erwischt es viele. Zwölf Fahrer zum Beispiel bei einer Kontrolle am 17. Oktober zwischen 10.30 Uhr und 12 Uhr. Bei einer Überprüfung am 8. Oktober waren es binnen zwei Stunden sogar 28. Die Mehrheit der geblitzten Autofahrer in Rammenau hatte bisher bis zu 20 km/h mehr auf dem Tacho als erlaubt. 35 Euro Strafe sind dann fällig. Der Spitzenreiter unter den Rasern wurde 2012 aber nicht in Rammenau, sondern auf der B 6 in Spittwitz bei einer mobilen Geschwindigkeitskontrolle erwischt: Er war innerhalb der Ortschaft bei erlaubten 60 km/h mit 127 Sachen unterwegs – die Toleranz schon abgezogen. Er zahlte 480 Euro Geldbuße, kassierte vier Punkte in Flensburg und lief drei Monate.

Auch in Großharthau mehr Blitzer

Insgesamt tappten im vergangenen Jahr 34 334 Autofahrer in mobile Radarfallen, entweder aus dem Speedoguard – besser bekannt als „Mülltonne“ – oder aus drei dunklen Skoda Roomster. Allein aus den am Straßenrand geparkten Skodas erwischte es 28 904 Autofahrer. Tausende Autofahrer gerieten auch in die stationären Blitzer in Geißmannsdorf, Göda, Putzkau, Schirgiswalde, Wehrdorf und Cölln: 24 405 insgesamt. Allein in Putzkau erwischte es 7818 Fahrer. 2011 waren es noch 5525. Diese Autofahrer, die es eilig haben, füllen die Kreiskasse: Auf fast 430 000 Euro belaufen sich die Einnahmen aus stationären Blitzern. Insgesamt nimmt der Kreis mit sämtlichen Verkehrsordnungswidrigkeiten Millionen ein.

Anwohner Steffen Talke fragt sich deshalb, warum der Kreis auf Einnahmen verzichtet und in Rammenau keinen stationären Blitzer installiert – der Raser rund um die Uhr erwischen könnte. Talkes fordern seit Langem einen festen Blitzer auf der Rammenauer Hauptstraße. Im Landratsamt werde das Aufstellen einer solchen Anlage derzeit tatsächlich geprüft – auch hinsichtlich der örtlichen Probleme, hieß es auf Anfrage. „Wir müssen uns beim Blitzen an gesetzlich vorgeschriebene Abstände halten. Der Bereich in Rammenau ist mit 327 Metern Länge zu kurz, er müsste 350 Meter sein“, so René Burk. Auch zwischen Gerät und Messschleifen bzw. Gerät und Ortsschild muss es einen Mindestabstand geben. In Rammenau fehlt Platz. Während Steffen Talke empfiehlt, das Ortseingangsschild zu versetzen, zieht Amtsleiter Burk neueste Blitzermodelle in Betracht. Die kommen ohne Messschleifen in der Straße aus, messen mit Laser. Die Anschaffung würde 100 000 Euro kosten.

Aufpassen heißt es auch an der B 6 in Großharthau. Hier wurden mobile Geschwindigkeitskontrollen verschärft, nachdem die 60er-Zone abgeschafft wurde und an der B 6 im ganzen Ort 50 gilt. Die Anwohner leben auch hier etwas ruhiger.