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Advent – Zeit der Sehnsucht

Gute Adventskalender sind wertvolle und hilfreiche Begleiter durch diese schöne Zeit. Ich habe einen sehr originellen geschenkt bekommen – von jemandem, der mich offensichtlich gut kennt. Denn wenn ich...

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Dekan Michael Dittrich, Löbau

Gute Adventskalender sind wertvolle und hilfreiche Begleiter durch diese schöne Zeit. Ich habe einen sehr originellen geschenkt bekommen – von jemandem, der mich offensichtlich gut kennt. Denn wenn ich durch unsere Oberlausitzer Heimat wandere oder fahre, gefällt mir immer gut, wenn sich aus den flachen Tälern Kirchturmspitzen gen Himmel recken. Und so finde ich jetzt 24 Tage lang täglich ein Foto von einem Kirchturm in einer kleinen Tasche und darf raten, zu welchem Dorf er gehört.

„Damit die Erde hafte am Himmel, schlugen die Menschen Kirchtürme in ihn: kupferne Nägel; nicht aufzuwiegen in Gold“, schreibt Reiner Kunze in einem kurzen Gedicht. Es kann unserer Welt nichts Besseres passieren, als dass sie am Himmel haftet.

Warum das so ist? Weil die Welt für die Sehnsucht des Menschen von vornherein zu klein ist. Weil der Mensch sich freuen darf auf ein Leben – nicht nur vielleicht „80 plus x“, sondern „80 plus unendlich“. Weil, nach Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, die Kirchen gegenüber dem Staat die besondere Aufgabe haben, gesellschaftliche Werte mehrheitsfähig zu machen und zu erhalten, und zwar „aus ihrer letzten Verankerung im transzendenten Bereich“. Aus all den genannten Gründen (und noch weiteren) dürfen die Menschen nicht um den Himmel, um Gott betrogen werden.

Advent ist eine Zeit der Sehnsucht. Aber wonach? Besonders in dieser Zeit darf die Sehnsucht ganz konkret werden. Wir suchen, wo unsere Sehnsucht nach Leben Erfüllung finden könnte. Gerade dafür ragen auch hier bei uns zu Hause so viele schöne „kupferne Nägel“ vielversprechend in den Himmel – hinweisend, tröstend, einladend.