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„Ä Volltreffor nei in de Birne“

Ein Kabarett-Duo versprüht im Döbelner Theater sächsischen Wortwitz und zündet eine Flachsrakete nach der anderen.

Von Tina Soltysiak

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Nu eiferbibsch, da war vielleicht was los. Zwei reiselustige Sachsen sind unterwegs. Und egal, wie weit man reist – ein Sachse ist mindestens schon da. Die Döbelner mussten nicht weit weg, um zwei waschechten Sachsen zu begegnen – nämlich nur bis ins Döbelner Theater. Die Leipzigerin Sabine Lämmel und der gebürtige Großenhainer Karl Karliczek haben gestern ihr Kabarettstück „Köstliche Sachsen – mir entertain juh!“ aufgeführt.

Forschen Schrittes betritt Sabine Lämmel die Bühne – adrett gekleidet im waldgrünen Kostüm und mit einem Hut auf dem Kopf. Dicht auf den Fersen folgt ihr Karl Karliczek: kurze, grüne Hosen, braunen Kniebundstrümpfe. Gudn Amd. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. Folgerichtig auch der Sachse. „De Leude sachn, mir Sachsn sin rubbsch und schimpfn. Dabei ham mir niemandm nischt gedan“, erklärt Karliczek. Im Gegenteil. Lusdsch simmor. Der Sachse hat den Mutterwitz nämlich väterlicherseits in die Wiege gelegt bekommen.

Sabine Lämmel geht durch die Reihen, schüttelt den Theatergästen die Hand. Das missfällt Karliczek: „Wir können Leute doch auch verbal begrüßen.“ „Verbal? Das klingt unanständig.“ „Verbal heißt mündlich!“ „Ach midm Mund sollsche begreeßn?“, sagt Lämmeln und knutsch die Zuschauer kurzerhand ab.

Vom Däähds bis zum Bullormann

Und dann geht’s ans Eingemachte. Oder wie die Kabarettisten sagen: „Ä Volltreffor nei in de Birne.“ Warum billschern de Billschor eigendlich? Nu weils billscher is als de Reise mit dor Bimmelbahn. Soweit, so logisch. Die Darbietung lebt natürlich vollends von dem Wortwitz der sächsischen Sprache. Und das kommt bei den Zuschauern an.

Eine kleine Sprachkunde liefern die beiden gleich mit. „Anatomie auf Sächsisch“ nennen sie es. Der Sachse zerfällt nämlich ein 51 Teile. Hat der Nicht-Sachse seine Lektion gelernt? Er wird abgefragt: Wie heißt der Kopf? Dunstgullor, Riebe, Nischl, Omme, Gobb, Däähds. Und welche Begriffe gibt es für die Augen? Ochn, Guggeln, Glotzn, Gnäbbe. Und die Nase? Gurge, Riechor, Zinkgn, Schnarschhagn, Rüssl oder Bohbldurm. Und so geht es weiter den Körper hinab. Auch vor dem männlichen Geschlechtsorgan – dem Schniedl, Bullor beziehungsweise Bullormann – machen die beiden nicht Halt. Einen kleinen Tipp gibt’s gleich noch mit auf den Weg: Wer mit Wansdrammln zum Arzt geht, muss mit der Diagnose „floddor Oddo“ rechnen.

Ob vielleicht das Schälchen Heeßer zur Magenverstimmung geführt hat? Bei dem Mischungsverhältnis von Wasser und Kaffeebohnen, dass Karl Karliczek auf der Bühne vorführt, ist das zu bezweifeln. Es „zorubbt mich förmlisch vor Neugier“ wie der berühmte Blümchenkaffee gekocht wird, meint Sabine Lämmel. „Guter Blümchenkaffee wird gebrüht und nicht gekocht“, erklärt Karliczek. Auf eine große Blumenvase voll Wasser kommen übrigens drei Kaffeebohnen. Zwei schwimmen, eine sinkt. Warum? Na guter Blümchenkaffee braucht ein wenig Kaffeesatz.

Von der Bruchbude zum Traumhaus

Karliczek schlüpft in die Rolle von Alois Schimmelpfennig – seines Zeichens Immobilienmakler. Einen Blümchenkaffee bietet er seiner Kundin zwar nicht an. Dafür macht er aus ihrer Bruchbude eine Anzeige für ein wahres Traumhaus: Die Bruchbude liegt mitten im Wald – also in ruhiger Lage. „Auf dem Grundstück sind überall große Ölpfützen“, sagt seine Klientin. „Ah. Ölvorkommen wird vermutet.“ Ein umgestürzter Baum liegt mitten in der Wohnung – und wird zum Wintergarten stilisiert. Auf dem Dach liegen nur noch so wenige Ziegel, dass die Sonne ins Gebäude scheint. „Das Haus verfügt also über eine moderne Solarheizungsanlage“, resümiert Schimmelpfennig. Und der unter Wasser stehende Keller wird kurzerhand zum hauseigenen Schwimmbad. „Glauben Sie mir, ich werde dieses luxuriöse Traumhaus schnell verkaufen können“, so der Makler. Und was sagt die sächsische Kundin? „Verkoofen? Wieso verkoofen? So ä Traumhaus verkoofe ich doch ni.“ Wer trotzdem behauptet, die Sachsen wären „bleede“, der kennt anscheinend das berühmte Motto nicht: „Mir Sachsen, mir sin helle, das wees de ganze Weld, und simmor ma ni helle, dann hammor uns verschdelld.“

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