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Älteste Gärtnerin ist schon 86

Verein. Zum Auftakt der Gartenolympiade hat sich die SZ in der ältesten und größten Sparte im Landkreis umgeschaut.

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Von Annett Heyse

Es ist Freitagvormittag, gegen halb zehn und Hans Sallwey steht zwischen seinen Bohnen. Die Ernte ist mittelprächtig, es gab schon bessere Jahre. „Die Hitze ist Schuld“, sagt er und lässt die grünen Schoten in einen Eimer plumpsen.

Der Rentner ist der Vorstandsvorsitzende des Freitaler Kleingartenvereins „Volksgesundheit am Windberg“. Sie ist mit 186 Gärten auf 44 Hektar die größte Sparte im Weißeritzkreis. Und zugleich die älteste. Vor 119 Jahren wurde sie gegründet. Es war die Zeit einer „Zurück zur Natur“-Bewegung, weshalb zunächst ein „Verein für Gesundheitspflege und arzneilose Heilbehandlung“ durch den Lehrer Hermann Wolf ins Leben gerufen wurde. Die ersten Gärten entstanden dann 1905, als die Mitglieder den Bau eines Bades mit umliegenden Schrebergärten beschlossen.

Vom ursprünglichen Bad ist nicht mehr viel übrig, aber ein Teil der Alt-Gärten existiert noch. Sie waren damals um die 100 Quadratmeter groß, mit einem Häuschen darauf, dass überwiegend als Schuppen diente. Fritz Röschke bewirtschaftet gleich zwei solcher Gärten, die sich gegenüber liegen. Vor ungefähr dreißig Jahren kam er zur Volksgesundheit. Tomaten, Bohnen, Zwiebeln pflanzt er an. „Und Zucchini. Schon eine Pflanze reicht für eine Familie“, sagt er. Aus den schwarzen Johannisbeeren macht die Frau Marmelade, einen Teil davon setzt Fritz Röschke als Likör an. Der wilde Spargel wiederum wird nicht geerntet, der sei nur als Grünzeug für die Blumensträuße gedacht, erzählt der Rentner.

Insgesamt 252 Mitglieder zählt der Verein, fast alles Freitaler. Die älteste Gärtnerin heißt Hertha Hofmann und ist 86. Das Durchschnittsalter liegt bei über 60 Jahren. Viele ackern schon in zweiter oder dritter Generation im Poisental. So zum Beispiel Friedrich Schewitzer. Vom Opa hat er den Garten übernommen, die Laube umgebaut, einen Goldfischteich angelegt. An der Rückseite steht ein nagelneuer Kaninchenstall, darin vier Tiere. „Die sind für Weihnachten“, sagt Kleingärtner Schewitzer ungerührt und schiebt den Kleinhasen ein bisschen Grünzeug zu. „Tiere sind jetzt wieder gestattet, wenn es niemanden stört. Bei uns gibt es sogar Hühner“, erklärt Vereinschef Sallwey. Nur seine Sittiche musste ein Gartenfreund abschaffen – die waren zu laut.

Während viele Sparten über mangelnden Nachwuchs klagen, können die Leute von der „Volksgesundheit“ zufrieden sein. Alle Parzellen sind verpachtet, in den vergangenen Jahren kamen auch einige jüngere Familien dazu.

Aber es gibt auch Probleme. So muss im nächsten Jahr die Sanierung der Trinkwasserleitungen fortgesetzt und die Elektroanlage erweitert werden. Die extreme Hangneigung – zwischen dem untersten und dem obersten Garten bestehten 100 Meter Höhenunterschied – machen solche Projekte nicht einfach. Doch Ende August 2007 soll alles erledigt sein. Dann gibt es zum 120-jährigen Vereinsjubiläum ein Festwochenende.