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AfD gründet ersten Kreisverband in Sachsen

Polizeibeamter Steffen Janich ist Vorsitzender. Zum Vorstand gehören auch ehemalige Mitglieder von CDU und SPD.

© Marko Förster

Von Heike Sabel

Vor zwei Wochen waren sie die Vierten, gestern die Ersten. Die Partei Alternative für Deutschland (AfD) wurde bei der Bundestagswahl mit 7,9 Prozent im Landkreis auf Anhieb viertstärkste Kraft. Am Sonntag wurde in Pirna der erste sächsische Kreisverband gegründet. Ihm gehören bis dato 47 Mitglieder an. Mit elf Vorstandsposten hat fast jedes vierte Mitglied eine Aufgabe bekommen. Doch das werde sich bald ändern, sagt der Vorsitzende Steffen Janich. Denn die AfD rechnet mit einem weiteren Mitgliederzuwachs. Vorgestern waren bereits vier dazugekommen. Doch bis es an das auf den Plakaten versprochene „Damit der Staat dem Bürger dient“ geht, ist so eine Gründung ein aufwendiges Prozedere. Die neue Partei weiß, man schaut auf sie, deshalb nimmt sie es sehr genau mit der Satzung und dem Ablauf einer solchen Veranstaltung.

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Ein bisschen ist es wie bei den anderen Parteien, von denen sich die AfD abheben will. Die Posten hat man vorher schon vergeben. Nur für den des Geschäftsführers gibt es zwei Vorschläge bzw. Bewerbungen. Der 36-jährige Pirnaer Sven Asmus und André Barth, 43 Jahre, aus Dippoldiswalde, stellen sich der Wahl. Den Job bekommt der Dippser mit zehn gegen sieben Stimmen. Und ein bisschen ist es doch auch anders als bei anderen. Die Biografien der Vorstandsmitglieder zum Beispiel. André Barth hat zwölf Jahre den Dippoldiswalder SPD-Ortsverein geleitet und trat aus der Partei aus, als das bundesdeutsche Rettungspaket für Griechenland beschlossen wurde. Damit werde kein einziger Grieche gerettet, sondern die weltweiten Kapitalanleger. Nicken in der Runde in der Gaststätte „Weißes Ross“. Nun trat Barth wieder ein, in die Alternative für Deutschland.

Gerold Ermisch ist auch ausgetreten. Aus der CDU, und das schon Mitte der 1980er-Jahre. Auch er hatte einen Kreisverband geleitet, den in Göttingen. Gestern ist Ermisch mit seinen 73 Jahren der Senior in der Gründungsrunde und einer der drei Beisitzer. Auch Vorsitzender Steffen Janich ging seine ersten parteipolitischen Schritte bei der CDU. Als er sich bundespolitisch nicht mehr vertreten sah, verließ der Polizeibeamte die Partei. Bei der AfD trägt er die Mitgliedsnummer 235 und bezeichnet sich selbst als Urgestein. Er hat in den vergangenen Wochen den Aufbau des Kreisverbandes geleitet und auch seinen schwarzen Kleinbus in den AfD-Dienst gestellt. Stellvertreter Jan Zwerg outet sich als bisheriger Nichtwähler, für den die anderen alle „eine Soße“ sind. Jetzt hat der Selbstständige den Posten des Stellvertreters übernommen. „Ich habe das noch nie gemacht“, sagt er und wirkt dennoch professionell. Auch für Hans-Joachim Kreuzahler war der Wahlkampf vor den Bundestagswahlen neu. Der Neustädter hatte sich zwar vor sieben Jahren als Einzelkandidat bei den Bürgermeisterwahlen gestellt, aber in der Tat nicht viel Wahlkampf gemacht. Diesmal investierte er offensichtlich mehr und freute sich über die 11,4 AfD-Prozent in seinem Wohngebiet. Die neue Partei hat offensichtlich große Sorge, zum Auffangbecken anderweitig Gescheiterter zu werden. Sie sichert sich gegen Stasi-Mitarbeiter und Vorbestrafte per eidesstattlicher Erklärung ab. Im Dezember soll der Kreisparteitag eine Kommission wählen, die neue Mitglieder durchcheckt. „Damit wollen wir uns vor Rechts- und Linksextremen schützen“, sagt Janich. Von solchen will er sich sein Werk und das der anderen nicht kaputtmachen lassen. Ein Werk, das als Nächstes die Kommunalwahlen im Mai 2014 im Blick hat. Thomas Hartung ist zufrieden mit seinem ersten Kreisverband. Der Landesvize schnappt sich seinen Fahrradhelm und radelt wieder nach Dresden. Knapp fünf Stunden für die Gründung, das sei in Ordnung. Beim Bundesverband habe man fast zwölf gebraucht.