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Agrofarm investiert Millionen in Rinderstall

Der Neubau in Herwigsdorf soll den Tieren gut tun - und den Menschen im Ort ebenfalls. Denn Landwirtschaft ist auch im Dorf ein heikles Thema.

Matthias Döcke, der Vorstandsvorsitzende der Agrofarm Herwigsdorf, zeigt Pläne und Lageskizze für den neuen Stall.
Matthias Döcke, der Vorstandsvorsitzende der Agrofarm Herwigsdorf, zeigt Pläne und Lageskizze für den neuen Stall. © Foto: Matthias Weber

Matthias Döcke schaut auf den Lageplan des Rosenbacher Ortsteils Herwigsdorf und die rot markierten Figuren mitten auf dem Feld. Dort draußen soll er hin, der neue Rinderstall, sagt der Vorstandsvorsitzende der Agrofarm Herwigsdorf und tippt mit dem Finger auf die Skizze. Seit Jahren schon trägt sich die Agrofarm mit dem Gedanken eines Neubaus. Lange Zeit gab es dazu auch Diskussionen um den Standort. Denn die Dorfbewohner wollen Geruch und Geräusche aus dem Ortskern verbannen, vor mehreren Jahren schon gab es deswegen immer wieder Diskussionen. Nun aber hofft der Chef des Agrarunternehmens, eine gute Lösung gefunden zu haben. Und die bereits durchgeführte Umweltverträglichkeitsprüfung, die alle wichtigen Parameter zuvor bemessen soll, gibt ihm Recht.

Wenn alles gut läuft, sollen aus der Bauskizze in ein bis zwei Jahren die Stallanlagen erwachsen. Derzeit laufen die letzten Zuarbeiten zur Baugenehmigung. Auch die Fördergelder werden noch beantragt. "Wir gehen mit dem neuen Stall weg aus der Wohnbebauung, die 320 Kühe im alten Stall werden in den neuen umziehen, am Niederhof werden wir nur noch einige Jungtiere halten", erklärt Döcke den Plan. Für 870 Tiere ist im Neubau dann Platz, deshalb werden auch rund 280 Rinder, die derzeit in Anlagen in Eiserode stehen, in die neue Anlage umziehen. Zudem will das Unternehmen aufstocken. "Wir wollen eine Einheit schaffen, wo wir effektiv arbeiten können, gleichzeitig aber auch das Tierwohl erhöhen und die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessern", fasst es Matthias Döcke zusammen. Für die Anwohner der alten Rinderstallanlagen bedeutet das zudem weniger Fahrten für Fütterung oder Abtransport von Gülle.

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Der neue Rinderstall der Agrofarm Herwigsdorf soll möglichst weit weg von der Wohnbebauung.
Der neue Rinderstall der Agrofarm Herwigsdorf soll möglichst weit weg von der Wohnbebauung. © Grafik: SZ-Bildstelle

Rund 8 Millionen Euro wird die neue Stallanlage mit Melkstall und Melkrobotern kosten. Eine Großinvestition, die teilweise durch Fördergelder ermöglicht wird und auf einer grundlegenden Entscheidung für die Milchwirtschaft beruht. "Wir haben uns im Vorfeld schon überlegt, wie es weitergehen soll", erklärt der Vorstandsvorsitzende der Agrofarm. Denn die Milchkrise vor drei Jahren hat viele Landwirtschaftsunternehmen vor Augen geführt, wie schwierig es gerade in diesem Zweig rasch werden kann. Das Milchvieh ganz abzuschaffen, sei aber keine wirkliche Alternative gewesen - zumal ausreichend Grünland für die Futterversorgung der Tiere zum Unternehmen gehört und die Agrofarm auch erfolgreich züchtet.

Auch rein personell gab es einiges zu bedenken, denn in der Landwirtschaft werden wie überall die Fachkräfte rar. Das spürt auch das Unternehmen, das derzeit rund 65 Mitarbeiter beschäftigt und im Schnitt zehn bis elf Auszubildende hat. Die Entscheidung für moderne Melkroboter soll dabei helfen, den Aufwand der Tierpflege zu reduzieren, schwere Arbeiten zu erleichtern und gleichzeitig für die Tiere bessere Bedingungen zu schaffen. "Die Tiere gehen dann ganz von allein in den neuen Melkstand, ohne Stress", erklärt Döcke und spielt einen kleinen Demonstrationsfilm ab. Das wäre in den bestehenden Anlagen nicht machbar. Denn das jetzige Stallgebäude am Niederhof stammt aus den 70er Jahren und ist - trotz Sanierung zwischendurch - bei Technik und Substanz deutlich in die Jahre gekommen.

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