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Alles im Griff

Baden fällt für viele Kitas flach, weil Rettungsschwimmer fehlen. In Sebnitz und Hinterhermsdorf ändert sich das jetzt.

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© Daniel Förster

Von Dirk Schulze

Sommerferien, Sonnenschein, ein heißer Tag mit über dreißig Grad im Schatten. Was gibt es da Schöneres, als einen Sprung ins kühle Wasser? Den Kindern im Sebnitzer Hort „Rasselbande“ und in der Hinterhermsdorfer Kindertagesstätte „Haus des Kindes“ blieb dieser Sommerspaß bislang verwehrt. Denn für Badbesuche mit Kindergruppen gelten strenge Sicherheitsvorschriften. Der im Schwimmbad tätige Bademeister reicht in diesem Falle nicht aus. Wollen die Erzieherinnen mit einer Gruppe zum Schwimmen gehen, dann müssen sie einen eigenen Rettungsschwimmer dabeihaben. So schreibt es die Unfallkasse vor. Denn bei einer quirligen Gruppe von 20 tobenden Kindern ist das Risiko, dass etwas passiert natürlich viel größer, als wenn Mama und Papa mit im Becken sind. Für einen einzelnen Bademeister wäre das kaum zu überblicken.

© Daniel Förster

Für viele Kita-Kinder fällt das gemeinschaftliche Planschvergnügen deshalb ins Wasser. Denn die wenigsten Erzieher und Erzieherinnen haben eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer. Doch die Kinder von der Sebnitzer Rasselbande und der Hinterhermsdorfer Kita können sich jetzt schon auf den Sommer freuen. Sie haben für einen gemeinsamen Schwimmausflug ab sofort das passende Personal an Bord. Eine Erzieherin und eine Mutti haben die Winterferien genutzt und sich in einem Kurs der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft zu Rettungsschwimmerinnen ausbilden lassen.

Als es im vergangenen Sommer so warm war, hätten sie und andere Eltern immer wieder nachgefragt, wie das mit dem Schwimmen sei, erzählt Monika Wegrzyn, deren fünfjähriger Sohn Christian das „Haus des Kindes“ in Hinterhermsdorf besucht. Doch keine der Erzieherinnen verfügte über die nötige Rettungsschwimmerqualifikation. Bei einem Elternabend stand das Thema dann wieder auf der Tagesordnung. „Da habe ich als Mutti gesagt, ich mache diesen Kurs, damit wir mit den Kindern im Sommer ins Schwimmbad gehen können.“ Die Erzieherinnen hätten auch so schon genug zu tun. Fünf Tage dauerte der Kurs in der Pirnaer Sportschwimmhalle. Jeden Tag standen zwei Stunden Theorie und zwei Stunden Praxis auf dem Programm. Die Teilnehmer haben gelernt, wie sie sich einem in Not geratenen Badegast nähern, wie sie sich aus der panischen Umklammerung eines Ertrinkenden befreien, wie sie ihn im tiefen Wasser abschleppen und ihn im Notfall wiederbeleben können. Für die Prüfung mussten sie unter anderem 15 Meter weit tauchen, und angezogen in unter vier Minuten 100 Meter schwimmen. Das sei schon anstrengend gewesen. „Aber wenn man die Kinder vor Augen hat, zieht man das durch“, sagt Monika Wegrzyn.

Lisa Maaz kann das bestätigen. „Nach der Woche war ich ziemlich groggy“, sagt die 23-Jährige, die als Erzieherin im Sebnitzer Hort „Rasselbande“ arbeitet und den Kurs auch mitgemacht hat. Sie hatte extra vorher trainiert. Aber als sie gleich am ersten Tag nach acht Bahnen zur Aufwärmung noch einmal acht Bahnen auf Zeit schwimmen musste, war sie schon ganz schön außer Puste. Doch die Anstrengung hat sich gelohnt. Wie Monika Wegrzyn hat auch Lisa Maaz alle Prüfungen bestanden. Beide können nun das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Bronze tragen. Auf den ersten Badeausflug mit ihren Hortkindern im Sommer freut sie sich schon jetzt. „Das wird total genial“, sagt die Erzieherin.