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"Dank ihr kann ich wieder lachen"

Ohne ihre Alltagsbegleiterin käme Bärbel Hempel kaum noch aus der Wohnung. Eine Firma aus Radebeul vermittelt die besondere Hilfe.

Gemeinsam macht vieles mehr Spaß als allein. Deshalb besucht Alltagsbegleiterin Mandy Kaden (rechts) einmal pro Woche Bärbel Hempel.
Gemeinsam macht vieles mehr Spaß als allein. Deshalb besucht Alltagsbegleiterin Mandy Kaden (rechts) einmal pro Woche Bärbel Hempel. © Pflegehilfe Plus GmbH

Radebeul. Mal wieder einen Döner essen gehen, ist für Bärbel Hempel ein großes Glück. Denn allein hätte das keinen Spaß gemacht und allein würde sie sich den Weg zum Imbiss auch nur ungern zutrauen. Seit die 61-Jährige regelmäßig Besuch von Mandy Kaden bekommt, sind solche vermeintlich ganz normalen Ausflüge im Alltag wieder möglich. Lange waren sie es für die Dresdnerin jedoch nicht.

Bärbel Hempel ist auf Hilfe angewiesen, kann nach vielen Operationen nicht mehr alles allein stemmen. Seit Februar unterstützt Mandy Kaden von der Radebeuler Firma Pflegehilfe Plus GmbH die Frührentnerin als Alltagsbegleiterin. Anders als beim Pflegedienst, geht es bei ihrer Arbeit nicht um die körperliche Pflege, um Spritzen oder Medikamentengabe. Mandy Kaden ist für alles da, was den Alltag schöner machen soll.

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Bei Bärbel Hempel ist das zum Beispiel das gemeinsame Döneressen hin und wieder. Zusammen mit der Alltagsbegleiterin fährt sie  auch einkaufen, geht mir ihr auf den Friedhof und zum Friseur. Der Spaziergang im Pillnitzer Schlosspark wäre für die Dresdnerin ohne die Begleitung der Alltagsbetreuerin undenkbar gewesen. Erst recht die Fahrt nach Tschechien zum Einkaufen. 

Psychische Unterstützung nach schwerer Krankheit

2013 wird bei Bärbel Hempel Unterleibskrebs diagnostiziert. Drei Mal muss sie operiert werden, einmal wird versehentlich die Blase angeschnitten. Für die Dresdnerin kommt es aber noch dicker. Vor ein paar Jahren stürzt sie so ungünstig, dass die Wirbelsäule gebrochen ist. Die Ärzte sagen, sie muss innerhalb von zwei Wochen operiert werden, sonst ist sie gelähmt. Das bleibt ihr zum Glück erspart, doch seitdem muss sie ein Korsett tragen, das ihren Oberkörper stützt. Inzwischen hat sie einen Rollator als Gehhilfe verordnet bekommen.

Die körperlichen Gebrechen sind das eine, schwer hat Bärbel Hempel  auch mit den psychischen Folgen zu kämpfen. Während der Krebserkrankung geht ihre Ehe in die Brüche. Die früher so lebensfrohe Frau verliert den Mut. "Ich war seelisch am Boden", erzählt sie. Schiebt aber gleich hinterher: "Heute kann ich wieder lachen." Und das habe sie vor allem ihrer Alltagsbegleiterin Mandy Kaden zu verdanken. "Für mich ist das wie ein Lotteriegewinn. Bei ihr kann ich meine Seele ausschütten", sagt die 61-Jährige. 

Mandy Kaden hat früher selbst für einen ambulanten Pflegedienst gearbeitet. Sie kennt den vollen Terminkalender der Kollegen und weiß, dass wenig Zeit bleibt für all das, was nicht unmittelbar mit der körperlichen Pflege zu tun hat. "Viele  Leute sind einsam", sagt sie. Früher hat es ihr oft das Herz gebrochen, wenn die älteren Menschen sie baten, doch noch etwas zu bleiben, sie aber weiter zum nächsten Patienten musste. In ihrem jetzigen Job kann sie genau das leisten: Sich Zeit nehmen, um den Alltag der Menschen wieder schöner zu machen. "Ich bin mit Herz und Seele dabei", sagt sie.

Seit langer Zeit wieder vor der Tür

Trotzdem braucht es seine Zeit, bis die Leute Vertrauen fassen. So wie bei dem älteren Herrn, der sich lange Zeit nicht nach draußen traute, weil er so häufig auf Toilette muss. Lange Zeit hatte er seine Wohnung aus Angst vor einer nassen Hose gar nicht mehr verlassen. Mandy Kaden konnte ihn mit ihrer einfühlsamen Art vom Schutz spezieller Einlagen überzeugen. Der erste  gemeinsame Spaziergang dauerte eine halbe Stunde – ein riesen Erfolg. 

Mit einem anderen Mann, 94 Jahre alt, geht die Alltagsbegleiterin regelmäßig in den Zoo. Er schaut sich so gerne die Affen an. "So lange es ihm gut geht, machen wir das", sagt Mandy Kaden. Anderen hilft sie bei der Gartenarbeit oder beim Kochen, sie probieren Spiele aus oder lesen gemeinsam Zeitung. All die Dinge, die die hilfebedürftigen Menschen früher gerne gemacht haben. "Die Senioren sind oft so sehr auf sich allein gestellt", sagt die Begleiterin. "Aber allein machen viele Dinge keinen Spaß oder funktionieren nicht mehr." Sie unterstützt auch beim Staubsaugen, Fensterputzen oder Saubermachen. "Ich bin aber keine Putzfrau", stellt Mandy Kaden klar. Es geht darum, Dinge gemeinsam zu machen.

Pflegekasse trägt die Kosten

Finanziert wird die Alltagsbegleitung durch die Pflegekasse. Die sogenannten Entlastungsleistungen  sollen schon am Beginn einer Pflegebedürftigkeit für Entlastung auch der Angehörigen und Unterstützung sorgen. "Dies ist durchaus auch als Prophylaxe zu sehen, damit physischer und auch psychischer Verfall frühzeitig möglichst lange gebremst, im besten Fall jedoch aufgehalten werden kann", erklärt Thomas Heller von der Pflegehilfe Plus GmbH.

Voraussetzung für die Unterstützung ist eine Anerkennung der Pflegebedürftigkeit. Mit dem Pflegegrad steigt der Zuschuss, auf den man Anspruch hat. Entsprechend häufig kann der Alltagsbegleiter vorbeikommen. Selber draufzahlen für mehr Besuche geht natürlich auch. Die Leistungen lassen sich auch ansparen: Nicht genutztes Budget kann bis zum 30. Juni des Folgejahres verbraucht werden, erläutert Thomas Heller. Die Arbeit der Begleiter wird direkt mit den öffentlichen Kassen abgerechnet. "Somit müssen die Pflegebedürftigen nicht in Vorleistung gehen."

Die Pflegehilfe Plus ist in Radebeul, Dresden und im Raum Meißen unterwegs. Zurzeit werden auch neue Alltagsbegleiter gesucht, die beruflich pflegebedürftige Menschen unterstützen möchten.

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