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Als das Italienische Dörfchen noch ein großes Dorf war

Aus kleinen Wein- und Bierschenken wurde „Helbig’s Etablissement“ – heute bekannt als „Italienisches Dörfchen“.

Das Italienisches Dörfchen -in Dresden. Neubau von Hans Erlwein am Theaterplatz. Postkarte um 1915.
Das Italienisches Dörfchen -in Dresden. Neubau von Hans Erlwein am Theaterplatz. Postkarte um 1915. © Postkarte: Sammlung Holger Naumann

Von Andreas Them

Ende Juli 1739 wurde der Grundstein für den Bau der Katholischen Hofkirche gelegt. Mit dem italienischen Baumeister Chiaveri kamen viele Spezialisten seines Heimatlandes nach Dresden. Insbesondere Steinmetze und Bildhauer waren gefragt. Gleich neben der Baustelle entstanden in den nächsten Jahrzehnten Unterkünfte und Werkstätten in provisorischen kleinen Häusern. Das „Italienische Dörfchen“ bestand fast hundert Jahre auf dem heutigen Theaterplatz. Im Nebenerwerb entstanden zahlreiche kleine Wein- und Bierschenken.

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Erst im Jahre 1838 begann man mit den Abbrucharbeiten des „Italienischen Dörfchens“. Nach den Plänen von Baumeister Gottfried Semper entstand hier sein erster Opernbau nebst Theaterplatz. Doch die gastronomische Tradition sollte nicht verloren gehen. Im Jahre 1845 waren fast alle an der Elbe stehen gebliebenen Häuser als „Restaurationen“ eingerichtet. Zu dem bekanntesten Gastwirt entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten Julius A. Helbig.

Mit Blick auf die nahe Elbe

Helbig hatte das ehemalige Wohnhaus des Malers Vogelstein gekauft und zu einem Restaurantbetrieb umgestaltet. Insbesondere in den Sommermonaten konnte er sich über zahlreiche Gäste freuen. Neben der hervorragenden Küche und einem ausgezeichneten Weinkeller wurde insbesondere der herrliche Blick auf die Elbe geschätzt. Seine Zielgruppe waren die wohlsituierten Bürger der sächsischen Residenz und die zahlungskräftigen Touristen. Die 1850er-Jahre werden von ständigen Erweiterungen zu den Nachbargebäuden gekennzeichnet. Sieben Häuser werden es einmal sein, die Helbig zu einem großen Restaurantbetrieb vereinigte. Über die Innengestaltung schreibt ein zeitgenössischer Chronist: „...welches ein interessantes Labyrinth von einigen dreißig durch Stufen, Corridore und Gänge verbundenen Zimmer, Galerien, Veranda und Sälen umschließen, auch zierlich geschnitzte und ornamentierte An- und Vorbaue schweizerischen, bald gothisch-maurischen Styls zu einem Ganzen von gefälliger Wirkung vereinigt.“

Die unmittelbare Nähe zur Elbe brachte aber auch immer wieder Probleme, wenn es zu Hochwasser kam. So auch Anfang der 1860er-Jahre. Die zur „Helbig’schen Restauration“ gehörende „Galerie“ (Terrasse) hatte so großen Schaden genommen, dass sie abgetragen werden musste. Am 10. April 1862 konnte die örtliche Tagespresse aber stolz berichten, dass eine neue Terrasse erbaut worden ist.

Auch der russische Schriftsteller Dostojewski besuchte mit seiner jungen Frau im Rahmen ihres Dresden-Aufenthaltes im Jahre 1867 das Etablissement. Sie stellten fest, dass hier die Menüs viel billiger seien, als auf der nahe liegenden Brühl’schen Terrasse. Sie saßen damals in der mit Glasfenstern und Spiegeln geschmückten Veranda. Bei einem abschließenden Kaffee genossen sie den Blick auf die Elbe.

Eine neue Sehenswürdigkeit

Helbig, der Namensgeber des Restaurantbetriebes, verstarb Anfang der 1870er-Jahre. Eine Zeit lang führte seine Witwe die Geschäfte weiter. Schließlich verkaufte sie das Unternehmen an die Dresdner Feldschlößchen-Brauerei. Diese setzte dann verschiedene Pächter zur Bewirtschaftung des bekannten Restaurants ein. Die Erlaubnis zur „Abhaltung von Tanzvergnügen“ gab es erstmals 1873. Zur gleichen Zeit ankerte vor den schmalen Terrassenanlagen ein „schwimmender Musiksalon.“. Hier spielten dann in den Sommermonaten stadtbekannte Militärkapellen auf.

Im Oktober 1881 wurde das Publikum von einer neuen Sehenswürdigkeit überrascht. Das Sandsteinrelief „Brückenmännchen“ schmückte wieder einen Pfeiler der Augustusbrücke. Bereits über zwanzig Jahre zuvor hatte Helbig eine „Nachbildung des echten, sehr verwitterten alten Bildes, wie es sich schon am vierten Bogen der Elbbrücke nach Abend befindet“ an den nahe liegenden Brückenpfeiler anbringen lassen – ist aus einer Tageschronik aus dem 19.Jahrhundert zu entnehmen. Optimaler Blick auf diese Sehenswürdigkeit versprach nur ein Besuch auf den Terrassenanlagen von „Helbig’s Etablissement“. Bereits zu diesem Zeitpunkt wird über 1500 Gästeplätze berichtet. „Schönster Sommeraufenthalt in der Residenz Dresden“ heißt es wenig später in einem Reisehandbuch.

Zahlreiche Pächter werden in den nächsten Jahrzehnten folgen. Die Adresse Theaterplatz 1b bis 7 gehörte zu den beliebtesten Restaurants im alten Dresden. „Rendezvous aller Fremden“ oder „Große, einzig in seiner Art dastehende Elbterrasse“ hießen die Werbesprüche. Die beliebten „Militär-Concerte“ konnten mittlerweile 2000 Gäste verfolgen. Seit Mitte der 1890er- Jahre wurde bereits unter dem Doppelnamen „Helbig’s Etablissement – Italienisches Dörfchen“ geworben. Einige Jahre später schmückte auch die Aufschrift „Italienisches Dörfchen“ das lang gezogene Restaurationsgebäude.

Abriss zugunsten der Bauwut

Doch die Tage waren bereits gezählt. Dresden hatte die Bauwut gepackt. Dazu gehörte auch die Neugestaltung des Theaterplatzes. Das altehrwürdige Restaurant passte nicht mehr in die Pläne zur Entwicklung einer Großstadt. Neben dem Neubau der Augustusbrücke sollte auch die Elbfront des Theaterplatzes verändert werden. Erste Abbrucharbeiten erfolgten.

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Am ehemaligen Standort erreichten nun die Dresdner Straßenbahnen provisorisch die Altstadt. Eine hölzerne Brücke ermöglichte es. Baurat Professor Erlwein hatte noch einige Jahre zu warten, bis er den neuen Restaurantkomplex „Italienisches Dörfchen“ errichten konnte. Im Jahre 1913 konnten dann die ersten Gäste im neuen Gebäude begrüßt werden.