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Als der Wartburg zur Töpferscheibe wurde

Eine verrückte Idee sorgte vor 30 Jahren in Neukirch für Aufsehen. Jetzt wird daran erinnert.

1989 erlebt Neukirch eine Weltpremiere: Das Vorderrad eines Wartburgs wird zur Töpferscheibe.
1989 erlebt Neukirch eine Weltpremiere: Das Vorderrad eines Wartburgs wird zur Töpferscheibe. © Wolfgang Schmidt

Neukirch. Anlässlich des 30. Neukircher Töpferfestes wird es wieder einen Postsonderstempel geben. Dessen Motiv hat erneut Jens Riedel gestaltet, zum 20. Mal in Jahresfolge. Dargestellt ist das Formen eines Tongefäßes auf einem drehenden Autorad.

Mit dieser Vorführung beim 1. Neukircher Töpferfest im Jahr 1989 sorgten die drei Söhne von Altmeister Karl-Louis Lehmann sen. – Karl-Louis jr., Hans und Edgar – für eine Weltpremiere. Die Vorderachse eines Pkw Wartburg wurde aufgebockt. Danach drückte der Töpfer an der Radkappe des linken Vorderrades einen Klumpen Ton fest. Nachdem der Motor gestartet und die Vorderräder in Rotation versetzt waren, begann dort der Töpfer ein Gefäß zu drehen. Und es funktionierte! Die Zuschauer waren begeistert. „Die Schwierigkeiten bestehen darin, die Haftung des Tones zu gewährleisten und das Gefäß in waagerechter Haltung bei einer Drehgeschwindigkeit von nur etwa zwölf bis 15 Kilometer pro Stunde durch dosiertes Gas geben zu formen“, erläutert Karl Louis Lehmann jr.

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Das Gefäßdrehen an einem rotierenden Autorad – mitunter auch Felgendrehen genannt – wurde bei weiteren Töpferfesten immer wieder vorgeführt. Sogar bei der ZDF-Sendung „Wetten, dass...“ im Jahr 1996 in Basel waren die Neukircher erfolgreich dabei, genauso wie bei einer Veranstaltung 2005 in Peking. Beide Male wurde die Schwierigkeit noch erhöht, indem das Gefäßformen bei einem fahrenden Auto erfolgte. Während Karl Louis Lehmann das Fahrzeug steuerte, töpferte sein jüngerer Bruder Hans – quer über der Motorhaube liegend – das Gefäß. Auch diese Herausforderung meisterten die Lehmanns mit Bravour. Eine Neuauflage des Töpferns an einem Pkw-Vorderrad soll es zum diesjährigen Neukircher Töpferfest wieder geben, dessen privater Veranstalter, seit 1991, die Töpferei Karl Louis Lehmann ist.

Jens Riedel zeigt den 20. Sonderstempel fürs Neukircher Töpferfest. Nur vom 4. bis 6. Oktober ist er auf einer Ansichtskarte zu haben.
Jens Riedel zeigt den 20. Sonderstempel fürs Neukircher Töpferfest. Nur vom 4. bis 6. Oktober ist er auf einer Ansichtskarte zu haben. © Wolfgang Schmidt

Um einen weiteren kulturellen Mosaikstein in die Töpferfeste einzufügen, kam der Neukircher Jens Riedel auf die Idee mit den Sonderstempeln. Als Mitarbeiter der Deutschen Post wurde er 1997 gebeten, auf einem historischen Markt anlässlich des Heimatfestes „775 Jahre Neukirch“ philatelistische Produkte, wie Erinnerungsblätter mit Sonderstempel von anderen Veranstaltungen, anzubieten. Die Post spendete den Erlös an eine gemeinnützige Einrichtung. Das begeisterte Jens Riedel, und er war bereit, das Vorhaben zu unterstützen. „Dann kam mir die Idee, ein Erinnerungsblatt mit Sonderstempel anlässlich des 9. Töpferfestes 1998 zu gestalten“, sagt er. Bald darauf wurde mit der Töpferei Lehmann, der Deutschen Post und ihm ein Erinnerungsblatt und der Sonderstempel entworfen. Das Motiv war das sächsische Landesinnungszeichen des Töpferhandwerkes – eine oszillierende Töpferscheibe.

Im Jahr 2000 startete Jens Riedel mit neuem Konzept und neuen Sponsoren. Ab sofort stellte die Töpferei Lehmann dafür jährlich kostenlos eine neue Ansichtskarte zur Verfügung. Finanziert und gesponsert wird der 2019er-Stempel von der Deutschen Post, der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, Fachbereich 10, dem Oberlausitzer Bike Service Reichel Steinigtwolmsdorf und dem Unternehmen Powercast Magnetech Neukirch. „Unser inneres Anliegen war und ist, den Reinerlös durch den Verkauf der Stempelpostkarten gemeinnützigen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen“, sagt Jens Riedel. So kamen seit dem Jahr 2000 insgesamt 7 800 Euro zusammen. Dieses Geld wurde Neukircher Schulen und Kindertagesstätten gespendet. Mit der diesjährigen 20. Stempelaktion wird der Spendenbetrag um ein weiteres gutes Stück wachsen.

Das 30. Töpferfest wird vom 4. bis 6. Oktober 2019 rund um die Töpferei Lehmann am Dammweg in Neukirch gefeiert.

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