SZ +
Merken

Als Drogenkurier ins Gefängnis missbraucht

Eine 29-Jährige bekam jetzt acht MonateaufBewährung. Sie hatte für einen Freund dreimal Haschisch in die Bautzener JVA gebracht.

Teilen
Folgen

Von Christoph Scharf

Die Enttarnung der Drogen-Botin in der Bautzener Justizvollzugsanstalt verlief denkbar unspektakulär: Ein Angestellter fragte die 29-Jährige mehr routinemäßig, ob sie verbotene Sachen bei sich trage – und sie beantwortete die Frage anstandslos mit „Ja“. „Ein inhaftierter Freund sagte, er würde von Mitgefangenen erpresst – deshalb sollte ich ihm Marihuana ins Gefängnis bringen“, sagte die Görlitzerin jetzt im Bautzener Gericht aus. Angeklagt war die gelernte Hotelfachfrau der mehrfachen Abgabe von Betäubungsmitteln. Sie räumte die Taten ohne Einwände ein: 2007 hatte sie das erste Mal 50Gramm Marihuana – getrocknete Hanfblätter und -blüten – in die JVA geschmuggelt, Anfang 2008 noch einmal 30 Gramm, beim letzten Mal 16Gramm – mit denen sie schließlich erwischt wurde.

Die Drogen trug sie in Folie und Toilettenpapier eingewickelt unter der Kleidung, ihr Bekannter versteckte sie nach der Übergabe in seinen Schuhen vor den Bewachern. „Ich habe das Marihuana per Post zugeschickt bekommen“, sagte die Angeklagte. „Es stand jeweils kein Absender drauf, aber auf einem Brief war ein Poststempel auf Hamburg zu sehen.“ Hintergrund der Aktion war anscheinend ein Streit unter Gefangenen, der in jeweils separaten Strafverfahren aufgearbeitet wird. So soll der spätere Drogen-Adressat einem Mitgefangenen 80Euro geschuldet haben. „Mich rief jemand an, dass ich für meinen Bekannten den Betrag über Umwege bezahlen sollte“, sagte die 29-Jährige. Das Geld sei aber wohl nicht angekommen, sodass der Schuldner die 80Euro durch die Weitergabe von Drogen innerhalb der JVA „abarbeiten“ sollte.

Nicht lange nachgedacht

Als „Kurier“ wurde die jetzt angeklagte Görlitzerin gewählt. Die Mutter von drei kleinen Kindern sagte zu, um ihrem Bekannten aus der Patsche zu helfen. „Ich habe darüber nicht länger nachgedacht.“ Ganz wohl war ihr bei den Aktionen aber anscheinend nicht – sonst hätte sie den Schmuggel nicht auf die erstbeste Nachfrage des Justizangestellten zugegeben.

Im Verlauf der Verhandlung stellte sich heraus, dass es bei der bislang völlig unbescholtenen Frau nicht um den Handel, sondern um den ebenfalls verbotenen Besitz von Drogen ging: „Schließlich konnte die Angeklagte nicht frei über die Drogen verfügen, sondern hat sie nur im Auftrag weitergegeben“, sagte der Richter.

Da die Frau die Taten sofort und ohne Umschweife zugab und auch alle Namen der weiteren Beteiligten nannte, kam sie mit einer relativ milden Strafe davon. Der Richter verurteilte die HartzIV-Empfängerin zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung. „Schließlich ist es auch kein Kavaliersdelikt, Drogen in einen Sicherheitsbereich bringen zu wollen.“ Die Staatsanwältin hatte zusätzlich eine Geldauflage von 1000Euro beantragt, die der Richter nicht verhängte. „Wer ohne Arbeit drei Kinder ernähren muss, bei dem ist das Geld knapp genug.“ Außerdem sei nicht zu erwarten, dass die Görlitzerin erneut Drogen schmuggeln würde.