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Alte Feuerwache rettet die Retter

Der Historien-Verein und das Uniwerk in Pirna teilen sich nun das Quartier auf der Oberen Burgstraße – das Ende einer Odyssee.

Mario Kegel (l.) vom Verein „Uniwerk“, Vize-Vereinschef Konrad Schleicher vom Retter-Verein im Dachgeschoss der alten Feuerwache: Die nervige Quartiersuche ist endlich vorbei.
Mario Kegel (l.) vom Verein „Uniwerk“, Vize-Vereinschef Konrad Schleicher vom Retter-Verein im Dachgeschoss der alten Feuerwache: Die nervige Quartiersuche ist endlich vorbei. © Daniel Schäfer

Wenn sich die Schauspieler des Vereins „Der Retter der Stadt Pirna – Theophilus Jacobäer“ für eine ihrer Aufführungen umziehen, herrscht derzeit große Platznot. Der Verein haust vorübergehend in einer Zweizimmer-Wohnung in einem Haus am Steinplatz. Die Räume reichen zwar aus, um historische Kostüme und Requisiten einigermaßen übersichtlich zu deponieren. Aber es ist nahezu ein Unding, dass viele Akteure zeitgleich in ihre Roben schlüpfen. „Die Wohnung ist wirklich nur eine Interimslösung“, sagt Vize-Vereinschef Konrad Schleicher. Doch die beengten Zeiten sind in Kürze vorbei.

In wenigen Wochen ziehen die Retter in die alte Feuerwache auf der Oberen Burgstraße, das Haus soll künftig neuer Dauer- und Stammsitz des Vereins werden. Die Historienschauspiel-Truppe teilt sich das Gebäude fortan mit dem Kulturverein „Uniwerk“, der die Feuerwache bereits seit 2011 nutzt und dort Ausstellungen und Konzerte veranstaltet. Den Weg zum Mehrvereinsdomizil hatte der Stadtrat im Januar 2019 geebnet, als die Abgeordneten beschlossen, die Feuerwache endgültig zum Vereinshaus auszubauen. Dafür musste im Haus aber noch einiges verändert werden.

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Die ehemalige Fahrzeughalle dient als Konzert- und Proberaum.
Die ehemalige Fahrzeughalle dient als Konzert- und Proberaum. © Daniel Schäfer

In der ehemaligen Fahrzeughalle im Erdgeschoss der Feuerwache verlegten die Handwerker einen speziellen Bodenbelag aus geschliffenem und versiegelten Gussasphalt, der zusätzlich Schall schluckt. Mehrere Trockenbauwände sorgen zudem für einen gedämpften Geräuschpegel. Einige Wandbereiche sowie die Stützen in der Fahrzeughalle beließen die Planer allerdings in ihrem ursprünglichen Zustand, um den alten Charme des Hauses zu erhalten. Die Fahrzeughalle dient als Konzert- und Veranstaltungsraum sowie als Proberaum für die Retter. In hinteren Teil der Halle entstanden neue Toiletten, die sich barrierefrei erreichen lassen, obendrüber gibt es zusätzlichen Lagerraum.

Die Räume im Obergeschoss, schon vor einiger Zeit hergerichtet, teilen sich fortan Retter-Verein und Uniwerk. Damit sie sich dort nicht ins Gehege kommen, wollen sie Termine und Raumbedarf möglichst frühzeitig miteinander abstimmen.

Im Dachgeschoss entstand ein neuer Raum für den Retter-Verein.
Im Dachgeschoss entstand ein neuer Raum für den Retter-Verein. © Daniel Schäfer

Im Dachgeschoss errichteten die Arbeiter einen zusätzlichen abgetrennten Raum, in dem der Historien-Verein künftig Kostüme und Requisiten lagert. Darüber hinaus gibt es auf dieser Etage einen weiteren hergerichteten Raum, der als Retter-Büro und Versammlungsraum dient. Im August werden abschließend noch Innentüren und WC-Trennwände eingebaut. Die Arbeiten in diesem Jahr kosten rund 200 000 Euro. „Mit dem Projekt haben wir eine gute Grundlage für eine künftige Vereinsarbeit geschaffen“, sagt Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos). Doch dabei war es die Stadt selbst, die den Retter-Verein überhaupt erst in diese missliche Lage brachte.

Das Rathaus hatte im Sommer 2017 das bis dato angestammte Vereinsquartier im Haus Grohmannstraße 1 gekündigt, weil die Stadt die Räume selbst benötigte. Danach musste sich der Verein mit nur einem einzigen Raum in der Grohmannstraße begnügen, er fungierte gleichermaßen als Büro, Vereinssitz und Umkleide. Die Kostüme lagerten derweil im Hinterhof der Stadtbibliothek – aus Sicht des Vereins ein völlig inakzeptabler Zustand. Sämtliche Projekte, sogar die Existenz der gesamten Retter-Truppe, stand zeitweise auf der Kippe. Nach einiger Zeit fand sich dann die Zweizimmer-Wohnung am Steinplatz – als Dauerquartier taugte aber auch sie nicht.

An der Bar im Obergeschoss gibt es Knabberei und Getränke.
An der Bar im Obergeschoss gibt es Knabberei und Getränke. © Daniel Schäfer

Nun aber wird der Verein in der alten Feuerwache sesshaft, was zwei wesentliche Vorteile mit sich bringt: der Standort ist hochwassersicher und nah dran an den Auftritts-Stätten. Am 25. August steht die Retter-Truppe Spalier für das Ereignis „300 Jahre kursächsische Hochzeit“, im September sind die zwei traditionellen Retter-Aufführungen geplant. Danach will der Verein ins neue Domizil ziehen. Lediglich die Groß-Requisiten sollen in der Garage im Zollhof bleiben, sie würden in der alten Feuerwache zu viel Platz beanspruchen.

Im Verein ist man erleichtert, dass die nervige Quartiersuche nun erledigt ist. „Die vergangenen anderthalb Jahre waren sehr schwierig für uns“, sagt Schleicher, „aber jetzt haben wir nach dieser langen Zeit endlich wieder ein einheitliches Domizil.“

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